Tuesday, April 2, 2013

Sendung 26 - Record Store Day

Am 20. April ist es soweit: Der Record Store Day - der internationale Tag der unabhängigen Plattenläden - findet wieder statt. Caballo stellt euch das weltweit größte Musikevent vor und beleuchtet im Interview mit Jan Köpke, Koordinator des RSD Germany, was Plattensammler und Musikliebhaber dieses Jahr erwartet. Außerdem skizziert André Frahm von Michelle Records, einem der wichtigsten Record Shops, die deutsche Vinyllandschaft. Musikalisch gibt es eine Vor- und Rückschau auf exklusive Record Store Day Releases, die  nur an diesem Tag in streng limitierten Auflagen veröffentlicht werden.



1) Dennis Da Menace - Oro Negro
(Quintessenz, Wortsport, 2011)

Die April-Ausgabe von Diggin in the Crates wird von Dennis Da Menice eröffnet. Passend zum Thema der Sendung rappt er über seine Liebe zum "Oro negro" dem schwarzen Gold. Vielen Schallplatten-Besessenen spricht der Heilbronner sicher aus dem Herzen, der seine musikalischen Ambitionen schon als Kind mit klassischem Geigenspiel und Singen im Jugenchor unterstrich. Produziert wurde der Track von niemand geringerem als Dexter, dem von Kritikern wohl umjubelsten deutschen Beatbastler der letzten fünf Jahre.

                        

2) Mario Biondi - A handful of Soul (Talkin the live Mood)
(RSD EP, Schema, 2011)

Der erste RSD Release stammt von Mario Biondi, Sohn eines sizialianischen Liedermachers. Der Soul- und R&B-Sänger arbeitete schon mit vielen Musikgrößen des Landes zusammen und hat sich mit seinem unverkennbaren Crooning einen Stammplatz in den italienischen Top10 gesichert. Für den Record Store Day 2011 veröffentlichte er eine spezielle Version seines bekannten Songs "A handful of Soul" seines gleichnamigen Debut-Albums.

3) Frank Zappa - Why don'cha do me right
(Single, Verve, 1967)

Das Album „We’re only in it for the Money“ von Frank Zappa und seinen Mother’s of Invention gilt als das erste Konzeptalbum der Popgeschichte und karikiert die kalifornische Hippie-Szene, sowie die Beatmusik der 60er Jahre. Der Hang zur Satire war ein wichtiges Merkmal von Zappa’s Musik, dem er bis zu seinem Tod 1993 treu geblieben ist. Im gleichen Jahr erschien auch die Single "Why don'cha do me right" , die heute unter Sammlern als sehr rar gilt. Viele reiben sich daher schon vor Vorfreude die Hände, denn dieses Jahr erscheint einer Reissue mit "Big Leg Emma" auf der B-Seite.

4) Shuggie Otis - Aht uh mi hed
(Inspiration Information, Epic, 1974)

Kenne ich den Anfang nicht irgendwoeher? Vermutlich schon. Die Absoluten Beginner haben "Aht uh mi hed" für ihre oft missverstandene Ballade "Liebeslied" gesampelt, der auf dem Deutschrap-Klassiker Bambule zu finden ist. Der R&B- und Bluessänger und Bassist galt lange als vergessen und wurde vielen Fans des Genres erst in den vergangenen Jahren durch eine Reihe von Reissues wieder in Erinnerung gerufen. Am 20. April gibt es für alle, die noch nicht mit seiner Musik vertraut sind, das Best of-Album "Introducing Shuggie Otis" auf audiophilem 180 Gramm Vinyl.

 5) Battles - Dominican Fade (Qluster Remix)
(Dross Glop, Warp, 2012)

Dieser Remix von Qluster, ehemals Cluster, entstand im Rahmen einer RSD LP von Battles. Hinter Qluster stecken Onnen Bock und Hans-Joachim Roedelius. Letzterer war von Anfang an dabei und hat als Kluster einen wichtigen Anteil an der positiven Reputation des Krautrock heute. Mit ihren synthetischen Klangprojekten der frühen 70er Jahren beeinflussten sie nachfolgende Musikergenerationen maßgeblich. Künstler wie David Bowie, The Human League oder die Red Hot Chili Peppers geben die Gruppen als wichtigen Einfluss an. In Deutschland sind ihre Alben, die frühe Formen von Trance und Ambient aufweisen, nicht mehr allzu vielen Leuten bekannt. Die Soloalben von Moebius führen dies elektronischen Gehversuche der Vorläufer-LP's konsequent weiter und zeigen deutlich, dass die Wurzeln seines Schaffens in Steve Reich's Minimal und den elektronischen Experimenten Karlheinz Stockhausen's liegen.

                          

6) Eric Burdon & Zhe Greenhornes - Out of my Mind
(Eric Burdon & The Greenhornes, Readymade, 2012)

 Der „Rolling Stone“ zählt den kleinen rundlichen Briten zu den 100 bedeutendsten Sängern in der Geschichte des Rock. Eric Burdon hat als Gründer der Band The Animals Rockgeschichte mit "House of the rising sun" geschrieben. Mit dem Album "Til the river runs dry" meldet sich der Sänger in diesem Jahr zurück. Im vergangenen Herbst brachte er schon eine EP mit seiner neuen Band The Greenhornes heraus, die am RSD auch in Deutschland erscheint.

7) Ruth Wallis - Long Playing Daddy
(Naughty Naughty, Summit, 1974)

Ruth Wallis ist eine Kabarettsängerin aus New York, die ihre Glanzzeiten in den 50ern hatte. Die Aufnahme entstand bereits 1957 und wurde auch als Single veröffentlicht. In Australien erschien in den 70ern eine Zusammenstellung verschiedener Songs unter dem passenden Titel "Naughty Naughty". Die Tracks handeln größtenteils von brisanten Themen wie Ehebruc und Homosexualität oder verpacken Sex in witzige Testkostüme. In "Long playing Daddy" singt Wallis zum Beispiel von der Langspielplatte und ihren Vorzügen gegenüber Singles, die nur eine kurze Spielzeit haben und mit denen man daher einfach kein Spaß haben kann.

                         

8) CSC Funk Band - Chatcher's Mitt
(Funkincense, Cowbell Rec, 2013)

Die CSC Funk Band aus Brooklyn haben in den vergangenen Jahren schon die eine oder andere Single zum RSD veröffentlicht. Zuletzt erschien auf dem HipHop-Label Fat Beats eine Hommage an die legendäre Rapcrew GangStarr. Was die funkbegeisterte Zuhörerschaft auf der diesjährigen EP "Funkinscense" erwartet, deutet Catcher's Mitt an. Dieser Song erschien bereits als exklusive Single über Volcom und ist der Opener für ihren RSD Release 2013. Wer die Platte haben möchte, muss sich allerdings beeilen, denn es wird allem Anschein nach nur 250 Exemplare geben!

9) Danger Mouse & Daniele Luppi - Two against One (feat. Jack White)
(Single, Third Man, 2011)

Besitzt einen Plattenladen. CHECK. Leitet ein Plattenlabel. CHECK. Macht selbst alle möglichen Platten. CHECK. Der Botschafter des RSD 2013 hat seine Hausaufgaben definitiv gemacht und somit seine Audiophilie unter Beweis gestellt. Erste Erfahrungen konnte Jack White schon 2011 sammeln, als er mit Danger Mouse und Daniele Luppi die Single "Two against One" veröffentlichte.



10) Flying Lotus - Camputer Face (String Arrangement)
(Cosmogramma Alt Takes, Warp, 2011)

Steven Ellison aka Flying Lotus hat die Musik im Blut: Seine Großtante Alice Coltrane war zum Beispiel mit niemand geringerem liiert als dem großen Jazz-Saxophonisten John Coltrane. Ähnlich unorthodox wie Coltrane's Instrumentalspiel in den 60er Jahren ist die Musik seines Großneffens, der seine Karriere mit Hintergrundmusik für den Cartoonsender Adult Swim startete. In 2006 veröffentlichte der aus Winnetka stammende Produzent sein erstes Album, auf welchem er Samples aus verschiedenen Dekaden und Stilen mit elektronischen Klängen verquirlte. Der Sound, den er mit dieser Fusion kreierte, ist bei heute einzigartig und mir ist kein anderer HipHop-Produzent bekannt, dem es gelungen ist die Sample-Tradition auf so unkonventionelle weise ins 21. Jahrhundert zu überführen. Für den RSD 2011 beschritt Flying Lotus ungewöhnliche Klangpfade und nahm eine Streicherversion seiner Single "Computer Face" auf.

11) The Mad Lads - Gone! - The promises of yesterday
(Single, Volt, 1973)

Am RSD erscheinen nicht nur Neuveröffentlichungen oder simple Reissues, sondern es gibt auch Boxen und Werkschauen, die die Hörer in ein Kapitel der Musikgeschichte einführen, das bisher kaum beachtet wurde oder in Vergessenheit geriet. Passend dazu wurde 2011 unter dem Titel "Never to be forgotten - The flip side of Stax 1968-74" eine Kollektion zehn rarer 45's herausgebracht. Begleitet werden diese unbekannteren Singles des legendären Funklabels (mit Sublabel Volt) von einem dicken Buch, in welchem die Geschichte des Labels rekapituliert wird.

12) Tall Tom - Stack-a-Records
(Single, Crest, 1957)

Aus Amarillo, Texas, stammt der Interpret des letzten Songs dieser DITC-Sendung. Typisch für den Midwesten singt Tommy Lee Guthrie a.k.a. Tall Tom überwiegend Country- und Folksongs, sowie Rockabilly. Zu letzterem Genre zählt die Single "Stack-a-Records", in der er von einem für Plattengräber bekannten Problem berichtet: Dieser einen Scheibe, die man schon überall gesucht hat, aber nicht mehr findet, weil überall Platten herumliegen.

1 comment:

  1. Dieser "Eric Burdon"-Song gefällt absolut gut!! :)

    ReplyDelete