Tuesday, December 11, 2012

Sendung 22 - Weltreise

Weltreise IV - Der vierte Teil der DITC-Rundreise führt Caballo unter anderem nach Wales, Armenien und auf die Philippinen. Es gibt obskure Fusionen aus traditioneller Musik mit Funk, Jazz und Rock. Die meisten Künstler sind heute vergessen - dabei haben sie wichtige Pionierarbeit für die Musikentwicklung im 20. Jahrhundert geleistet. Freut euch auf eine Auswahl verschollener Aufnahmen von allen Kontinenten der Welt!


1) Roberto Roena Y Sus Megatones - Take Five
(Se Pone Bueno / It Gets Better, Akegre, 1966)

Am 5. Dezember 2012, einen Tag vor seinem 92. Geburtstag, starb der Jazzpianist David Brubeck. In seiner Musik vermischte Brubeck Jazz mit europäischer Konzertmusik, aber auch mit anderen Elementen wie lateinamerikanische Rythmen. Ein gutes Beispiel hierfür ist seine berühmteste Komposition "Take Five". DITC erweist dem Meister der ungeraden Taktarten die letzte Ehre und spielt eine rare Interpretation des puerto-ricanischen Percussionisten Roberto Roena.

2) Ara - Mini Midi Maxi
(Single, Meka, 196?)

Ara oder ԱՐԱ ist ein Sänger aus Armenien, der lange im Libanon gelebt hat. In Beirut nahm er Ende der 60er mit seinem Trio die Single "Mini Midi Maxi" für das Label Meka Records auf. Neben dieser Scheibe ist lediglich ein weiterer Release bekannt: Die Single "Sev Sev Atcher", welche bei Lis Records erschienen ist. Mehr Informationen gibt es leider nicht.

3) Kevin Clark Band - Big Fat Papa
(On Saturday, Ode, 1975)

Auf dem neuseeländischen Label Ode erschienen in den 70er Jahren einige Funkplatten, von denen "On Saturday" wohl am schwierigsten zu finden ist. Selbst bei Popsike kann man zu dieser Platte keine Einträge finden, was mit Sicherheit nicht daran liegt, dass sie keine Preise von mindestens 20€ erzielen würde. Kevin Clark ist heute noch aktiv. Die Aufnahmen entstanden zu einer Zeit als er die hausband aus der neuseeländischen Show "On Saturday" leitete.

4) Shin Jung Hyun - 긴긴 밤
(Shin Jung Hyun & Yup Juns Vol. 1, Jigu, 1974)

Eine Freundin sagte mit, die Übersetzung dieses Titels wäre "Lange, lange Nacht". Shin Jung Hyun hat viele lange Nächte erlebt. Nachdem er für seine "vulgäre" Musik öffentlich kritisiert wurde und die Polizei auf seinen Konzerten immer wieder Razzien durchführten, wurde er wegen Mariuhanabesitzes verhaftet. Wieder auf freien Fuß beschloss die Politik ein Auftrittsverbot gegen ihn durchzusetzen. Shin Jung Hyun wendete sich daraufhin von eigenen Musikprojekten ab und eröffnete einen Nachtklub in Seoul, um die junge progressive Musikszene zu unterstützen. Heute ist die Anerkennung für den Gitarristen in Südkorea ausgesprochen groß und so wird er einhellig als der "Pate des koreanischen Rock" bezeichnet.

5) Sidan - Ar Groll
(Teulu, Ynel Sam, Sain, 1975)

Ich muss gestehen, bis vor kurzem habe ich nicht den geringsten Gedanken an Musik aus Wales verschendet. Mit dem Album "Teulu Ynel Sam" von vor Folksängerin Sidan hat sich das jedoch geändert. Tatsächlich wurden auch im keltischen Teil Großbritanniens Funk und Rock in den 70er Jahren aufgenommen. Soweit ich es überlicken kann, handelt es sich hierbei um die einzige LP der Sängerin. Zwei jahre zuvor erschien lediglich eine Single mit dem Titel "Ai Cymro Wyt Ti".

6) The Sahara All Stars of Jos - Take your Soul
(The Sahara All Stars of Jos, EMI, 1976)

Die Sahara All Stars of Jos kommen aus dem Norden Nigerias und reisten für die Aufnahmen zum zweiten Album quer durchs Land bis nach Lagos im Südwesten. Dort recordeten sie 1976 die selbstbetitelte LP in den EMI Studios der Hauptstadt. Ganz im Stile ihres Landmanns Fela Kuti spielen sie auf "Take your Soul" treibende Afrobeat-Patterns, die den Zuhörer durch hypnotische Repetition des 2-Takt-Riffs alles um sich herum vergessen lassen und zum Tanzen auffordern.
Mehr Musik aus Nigeria könnt ihr hier hören!

7) Erkin Koray - Yagmur
(Single, Istanbul, 1971)

Im Einleitungstext zu dieser Sendung sprach ich von Vorreitern, die die Musik des 20. Jahrhunderts maßgeblich weiterentwickelt haben, aber trotzdem nie die Anerkennung erhalten haben, die sie verdient hätten. Erkin Koray ist einer dieser Künstler, dem die große Weltbühne verwährt blieb. Ähnlich wie Shin Jung Hyun ist sein Stil wohl zu kompromisslos und nicht massentauglich genug - zumindest im westlichen Teil der Welt. In der Türkei gilt er als einer der wichtigsten Vertreter der Rockmusik und gilt auch für die neue Generation von Musikern als wichtiger Einfluss.

8) Gonjasufi - Kobwebz
(A Sufi and a Killer, Warp, 2010)

Das Erkin Koray nicht nur nachfolgende Musiker aus der Türkei beeinflusst, sondern seine Musik in Zeiten des Internets auch auf anderen Teilen der Erde seine Spuren hinterlässt, zeigt der Song "Kobwebz" von Gonjasufi. Der Sänger aus Kalifornien knüpft mit seiner Form des Psychedelic dort an, wo Künstler wie Erkin Koray vor 40 Jahren eine neue, progressive Ausdrucksform in die Musik brachten. Dabei dienen Originale wie "Yagmur" als Nährboden der Inspiration.
9) Los Belkings - Okinawa 2000
(Single, Virrey, 196?)

Das gitarrenlastige Surfmusik in den 60er Jahren nicht nur an der nordamerikanischen Westküste beliebt waren, sondern auch weiter südlich, habe ich im vergangenen Jahr bereits in der Sonderausgabe zur peruanischen Musik (klick) deutlich gemacht. Los Belkings ist eine dieser bands aus Lima, die sich anfangs mit dem Covern der US-Hits begnügten, dann aber auf das Spielen eigener Titel umstiegen. Die Single "Okinawa 2000" ist ein rarer Klangbeleg für diese Entwicklung zum Ende des Surfbooms in den späten 60ern.

10) Arthur Verocai - Caboclo
(Arthur Verocai, Continental, 1972)

Im vergangenen Jahr wurde diese LP bei Ebay für einen Rekordpreis von 5000$ versteigert! Grund für diesen unglaublich hohen Preis ist einerseits die Qualität der Scheibe, keine Frage. Nicht jede gute Platte wird aber für 5000$ gehandelt. Wenn man die Preisentwicklung dieses Albums betrachtet, dann fällt auf, dass sie bei Sammlern vor allem so hoch im Kurs steht, seitdem Künstler wie Madlib oder MF Doom sie für ihr Songs gesampelt haben. Mitlerweile folgten diverse Neuveröffentlichungen, wodurch auch mehr Produzenten die Möglichkeit hatten mit Soundschnipseln dieses Albums zu arbeiten. Das Original dazu gewann folglich an Wert bei einer so hohen Nachfrage. Ob die Platte aber 5000$ Wert ist, gegenüber 20$ für die Nachpressung, sei dahingestellt.

11) Mulatu Astatqé - Yekermo Sew
(Single, Ahma, 1969)

In den späten 60ern fusionierte Mulatu Astatqé volkstümlichee Musiktraditionen seines Heimatlandes Äthiopiens mit Jazzelementen. Während seines Musikstudiums in den USA kam er mit Jazz und lateinamerikanischer Musik in Berührung, die er nach seiner Rückkehr Anfang der 70er Jahre zunehmend in seine Musik integrierte. Seit den 90ern haben Plattensammler seine Musik wiederentdeckt und so gibt es neben zahlreichen Reissues auch neue Projekte, wie zum Beispiel das Album „Inspiration Information“ mit dem Londoner Groove-Orchester The Heliocentrics, das 2009 bei Strut erschien.

Ein kleines Portrait über Astatqé und seinen Ethio-Jazz könnt ihr euch im unten folgenden Video anschauen:

12)  Oh No - The Pain
(Dr. No's Ethiopium, Disruption Prod., 2009)

Das im zuge des Afrobeat-Revivals die Platten der 70er Jahre nicht bloß wiederveröffentlicht werden beweist Oh No. Der Produzent hat sich durch die Plattenkisten Äthiopiens gewühlt und sowohl Ethio-Jazz, als auch ethnologische Aufnahmen zu einem Beattape verwurstet. "Dr. No's Ethiopium" heißt das Werk, auf dem insgesamt 36 Tracks zu finden sind.

13) The Hi-Jacks - Sleepy Head
(Single, Dyna, 196?)

Meine Vermutung ist, dass diese Single Anfang der 60er Jahre entstanden ist. Genauere Angaben habe ich jedoch nicht zu der Aufnahme. The Hi-Jacks begannen ihre Karriere als typische Clubband, die zur Unterhaltung die angesagten Tanzhits spielte. Einflüsse von The Ventures oder The Shadows sind deutlich zu hören. Nachdem The Beatles auch auf den Philippinen zur angesagtesten Band avancierten, beschloss der Manager der Hi-Jacks sie zur Studioband von  Eddie Mesa zu machen, dem "Philippinischen Elvis". Gemeinsam coverten sie die Tophits der Beatles.

14) Ananda Shankar - Dancing Drums
(Ananda Shankar and his Music, EMI, 1975)

East meets West lautet der Arbeitstitel für das Genre, dass Ananda Shankar mit seiner Fusion aus indischen Klängen und westlicher Musik mitbegründet hat. Es muss ein völlig neues Klangerlebnis für die Zuhörer im Jahr 1970 gewesen sein, denn bis dahin kannte man die Sitar fast ausschließlich als Instrument traditionaller Musik Indiens. Selbst heute hinterlässt die Mischung aus Moog Synthies und Sitar einen bleibenden Eindruck. Auf Ananda Shankars zweitem Album greift er Funk und Psychedelic auf und bindet sie in seine Fusion ein.

15) Electric Jungle - Funky, funky Christmas
(Single, Nike, 1971)

Zum Ende der Ausgabe habe ich mich dazu hinreißen lassen einen der Jahreszeit entsprechenden Song zu spielen: Funky Funky Christmas. Ein Freund machte mich letztes Jahr auf den Song aufmerksam und nun bot es sich an den Titel zu spielen. Die Single erschien 1971 auf Nike Records. Ich bin mir nicht sicher ob das Label etwas mit dem Sportkonzern zu tun hat und ob es sich dabei vielleicht sogar um einen Webesong handelt. Ich gehe eher nicht davon aus. Falls jemand Informationen hat, freue ich mich, wenn ihr sie mir mitteilt.

Sunday, December 2, 2012

SpokenView Gewinnspiel

Das SpokenView-Gewinnspiel ist beendet. Danke an alle, die mitgemacht und gerätselt haben.
Das Paket mit der Single von Die Bestesten und dem Shirt geht an Lucas Reus.

Herzlichen Glückwunsch!

Wer möchte, kann die Sendung hier noch einmal nachhören.

Einen schönen ersten Advent.

Tuesday, November 13, 2012

Sendung 21 - SpokenView Special

Diesen Monat wirft Caballo einen Blick in die Plattenkisten von SpokenView Records. Er präsentiert Originale, die für Releases des Labels verwendet wurden. Artists wie Morlockk Dilemma, Hiob, Damion Davis oder Audio88 & Yassin sind für sample-lastigen Rap bekannt. Von welchen Liedern ihre Beats inspiriert sind, enthüllt DITC in der November-Ausgabe.


Wer weiß für welche Songs die 17 Samples der Sendung verwendet wurden, kann ein SpokenView-Paket gewinnen. Um am Gewinnspiel teilzunehmen müsst ihr eine Mail an ditc@tidenet.de schicken - mit der Songliste plus Interpreten. Mit etwas Glück gehören die Single "Ein Job für die Bestesten", ein T-Shirt und ein paar kleine Extras bald euch. Einsendeschluss ist Dienstag, der 20.11.. Der Gewinner wird auf dem Blog bekannt gegeben. Die Teilnahmebedingungen findet ihr im Kommentarfeld. 


1) Anthony King - Galactic Warfare
(Lost Star, Peer International, 1979)

Zu der LP und dem Komponisten sind mir nicht viele Infos bekannt. Das Label Peer International ist dafür aber eine Hausmarke. Es gehört ohne Zweifel zu einem der gefragtesten Library-Label, auf welchem in den 70ern viele Archivmusik-Scheiben erschienen sind, die aufgrund ihrer Funk- und Breakbeats bei DJ's sehr gefragt sind.

2) Orchestre Baligh Hamdi - My Love Story
(Love Story, ???, 1972)

Der Filmscore von Francais Lai zu "Love Story" gilt als Klassiker des Genres und wurde diverse Male interpretiert. Die Neuvertonung des ägyptischen Komponisten Baligh Hamdi zählt sicherlich zu den interessanteren. Für sein Orchester arrangierte er den Soundtrack in einem orientalisch-europäischem Klangkostüm, das neben wilden Rhythmen auch durch für Ägypten untypischen Instrumenten wie E-Gitarre und Saxophon glänzt. Bei dem Titel "My love story" handelt es sich um eine Eigenkomposition von Hamdi, in der er seine Eindrücke des Films verarbeitet.


3) Claude Thomain - Un soir de blanco
(Accordéon Electronique, Everpier, 1971)

Das Akkordeon hat im französischen Jazz lange Tradition. Musiker wie Marcel Azzola oder Richard Galliano gelten als Pioniere und haben das Instrument für die improvisierte Musik emanzipiert. Der 1940 geborene Claude Thomain gehört ebenfalls zu diesen Vorreitern und arbeitete in den 60ern mit vielen Jazzern des Landes zusammen.

4) Cortex - Prelude A "60 Round"
(Troupeau Bleu, Disques Espérance, 1975)

Das Album "Troupeau Bleu" nahm das Quartett Cortex, bestehend aus Alain Gandolfi (Schlagzeug), Alain Mion (Keyboards), Jean Grevet (Bass) und Mireille Dalbray (Gesang) im Jahr 1975 in den französischen Studios Damiens auf. Entstanden ist ein zeitloses Fusion-Album mit einem sehr eigenständigem Sound. Das Zusammenwirken der Instrumente mit dem Timbre von Dalbray trägt den Hörer in gedankenverlorene Klangwelten, die unwirkliche, weite Bilder entstehen lassen.

5) Francois De Roubaix - Les Dunes D'ostende
(Single B-Seite, Barcley, 1970)

 Der Filmkomponist Francois De Roubaix experimentierte bereits 1967 in seinem bekanntesten Score, dem Soundtrack zum Spielfilm "Le Samourai", mit elektronischen Klängen. Bis zu seinem Tod Mitte der 70er setzte er diese Arbeit fort und positionierte sich so als stilprägender Komponist in der europäische  Filmmusik. Obwohl er nie Musikunterricht nahm, oder gar eine musikalische Ausbildung genoss, beschäftigte er sich im Alter von 15 Jahren mit Jazz und erlernte autodidaktisch das Spielen auf der Posaune. Sein Vater war als Filmemacher tätig und so war es nur eine Frage der Zeit bis es den Musik-begeisterten Sohn zur Filmmusik trieb.
Die Single zum Film "Les Levres Rouges" enthält gleich zwei Samples zu SpokenView-Produktionen.

6) Karl-Heinz Schäfer - La Victime
(Les gants blancs du diable, Eden Roc, 1970)

Der Thriller "Les gants blancs du Diable" von 1970 zählt zu einem der innovativsten Indepentdent-Streifen des französischen Kinos. Die Musik bewegt sich von Tablas-unterlegtem Jazz und frei schwebenden Sitarklängen und bis hin zu orchestralem Pop und loungigem Funk. Die phantasievollen Grooves, die unsere Sinne für zum Träumen anregen, erinnern an den legendären Score Le Planet Sauvage von Alain Gogaguer. Nicht zuletzt wegen des Soundtracks von Karl-Heinz Schäfer ist "Les gants blancs du Diable" Kult.


7)  Gerd-Michaelis Chor - Es bleibt die Sonne
(Gerd-Michaelis Chor, AMIGA, 1974)

Den Gerd-Michaelis Chor kann man wohl am ehesten dem Genre Schlager zuordnen. trotzdem hat die DDR-Gruppe auf dem Label Amiga einige Songs aufgenommen die funkige Grooves und Drumbreaks enthalten. Dabei wird neben lebensfrohen und romantischen Texten, durchaus auch politische Kritik zum Ausdruck gebracht. Die Band für den Chor wurde 1974 gegründet und bereits zwei Jahre später wieder aufgelöst. In dieser Zeit entstanden aber immerhin drei LP's auf dem DDR-Label.

8) Cortex - Sabbat (3ème partie)
(Troupeau Bleu, Disques Espérance, 1975)

Das erste Album von Cortex wird von Sammlern sehr hoch geschätzt. Die Originalpressung wechselt in der Regel für nicht weniger als 500 Euro den Besitzer. Da ist es kaum verwunderlich, dass es bereits mehrere Male neu releast wurde, ob offiziell oder als Bootleg-Nachpressung. Besonders Produzenten haben an diesem Album Freude. Ob SpokenView-Artists, Dexter, MF Doom oder Madlib - sie alle haben sich bei dieser LP bedient.

9)  Geoff Bastow - Narrative
(The Video Age, Bruton, 1980)

Wer sich ein Bisschen mit den Library-Platten der 80er Jahre beschäftigt, der wird schnell auf den Namen Bastow stoßen. Vor allem für das Label Bruton nahmen Trevor und sein Bruder Geoff abstrakte und elektronische Klanglandschaften auf. Drums sucht man meist vergebens, was angesichts der synthetischen Billig-Drums der frühen 80er aber nicht von Nachteil ist.

10)  Alain Goraguer - Ten et Tiwa dorment

(La planète sauvage, Pathé Marconi, 1973)

Dieser Film genießt nicht zuletzt wegen des Scores von Alain Goraguer Kultstatus bei Sammlern und Filmfans. Es handelt sich dabei um einen animierten Science-Fiction-Film, der in einer surrealistischen Welt stattfindet, die Bildern von Dali ähnelt. Die großartige Musik, die diesem Striefen seine unvergleichliche Atmosphäre verleiht, kann als Mischung von Pink Floyd und Isaac Hayes beschrieben werden.
1973 wurde der Film mit dem Spezialpreis in Cannes ausgezeichnet.

11)  Minnie Ripperton - Everytime he comes around
(Perfect Angel, Epic, 1974)

Bei diesem Song handelt es sich um das erste Soul-Sample der Sendung. Minnie Ripperton wurde 1947 in Chicago geborn und hat in ihrer Musik nicht nur Motown-esken Soul aus der Nachbarstadt Detroit gesungen, sondern immer auch die Jazztradition ihres Geburtsortes bewahrt. So kann man auf "Everytime he comes around" hören, dass auch Einflüsse aus dem Jazzrock Eingang in ihre Musik fanden.

12) 4th Coming - The Dead don't come Alive (part 2)
(Single B-Seite, Alpha, 1970)

Die Funkcombo "4th Coming" hat meines Wissens nach nie einen Langspieler veröffentlicht. Dafür sorgten sie aber mit einer Reihe von Singles für volle Tanzflächen im Sunshine State Kalifornien. Auf "The Dead don't come alive" hört man neben funkigen Drums sehr fette Synthesizer, die jedem Break-Fan und Samplesucher das Herz höher schlagen lassen. Und es kommt noch besser: Die B-Seite enthält die Instrumentalversion des Songs (wie in der Sendung zu hören).

13) Trevor Bastow - Better Ways
(The Video Age, Bruton, 1980)

Bruton Music ist ein britisches Label für Production Music, das von Ende der 70er bis Mitte der 80er Jahre viele Library-Platten veröffentlicht hat. Mitlerweile wurde es wie viele andere Labels von Universal aufgekauft und gehört dem Zusammenschluss Production Music Online UK an, indem über 70.000 Musiktitel verwaltet werden. Darunter befindet sich auch Musik des britischen Komponisten-Gespanns Trevor und Geoff Bastow, die seit Beginn des Library-"Booms" Anfang der 60er Jahre für diverse Musik-Verlage wie Bruton oder Sonoton geschrieben haben.

14) Pool-Pah - Sour Soul
(The Flasher, Green Bottle Records, 1973)

Ich habe versucht etwas über den Film "The Flasher" zu erfahren, aber es scheint als wäre er verschollen und hätte ein Informationsloch hinterlassen. Die einzigen Anhaltspunkte sind der noch erhaltene Soundtrack von Pool-Pah und das es sich bei dem Film um einen Blaxploitation-Streifen handelt. Worum es sich bei diesem Filmgenre handelt, erfahrt ihr in der Oktober-Ausgabe des letzten Jahres.
15) The Travellers - Slow Soul
(20 Non-Stop Dancing Music, Jubilee, 196?)

The Travellers waren Teil der Non-Stop-Dancing-Szene in Singapur. Es handelt sich dabei um Easy listening-Produktionen, für die oft nur ein geringes Budget bereitgestellt werden konnte. Das zeigt sich zum Beispiel in der Bezeichnung der Songtitel. Der Originaltitel von "Slow Soul" lautet in der englischen Übersetzung eigentlich "Smiling Face, Flushing Heart". Die Herausgeber der Platte machten sich jedoch gar nicht erst die Mühe, die Titel übersetzen zu lassen, sondern benannten sie schlicht nach ihrem Genre - ChaCha, Foxtrot, A GoGo und eben "Slow Soul".

16) Al Green - Something
(Single B-Seite, Hi Records, 1976)

Al Green liegt in seiner Badewanne. Plötzlich wird die Tür aufgerissen und Mary Woodson, seine Freundin, stürmt mit einem Topf kochender Grütze herein und übergießt ihn mit der heißen Masse. Anschließend erschießt sie sich selbst. Der Tragödie vorausgegangen war ein abgewiesener Heiratsantrag an Green. Die Folgen dieses Schicksalsschlags sind schwere Verbrennungen am gesamten Oberkörper. Green wendet sich danach verstärkt dem Glauben zu und produziert spirituelle Alben von denen keines an den Erfolg der frühen Jahre anschließen kann. Trotzdem hat er nie aufgehört Musik zu machen und veröffentlicht in unregelmäßigen Abständen LP's, wie zuletzt 2008 auf Blue Note Records. Produziert wurde das Album "Lay it down" von HipHop-Drummer Queslove (The Roots).

17) The Persuaders - If you feel like I do
(The Persuaders, ATCO, 1973)

Das letzte Sample dieser Sendung stammt von der Soulgruppe The Persuaders. Die Band formierte sich Ende der 60er Jahre in New York - passenderweise in der Bronx, der Wiege von HipHop. Insgesamt nahm die Band vier Alben auf. Der musikalische Kopf im Hintergrund war der Pianist und Songschreiber
Richard Poindexter, der in den Jahren zuvor auch schon für die O'Jays komponierte.

Sunday, November 4, 2012

SpokenView Special und Gewinnspiel

Diesen Monat erwartet euch bei DITC ein ganz besonderes Schmankerl. Caballo hat wieder tief in staubigen Plattenkisten gegraben und präsentiert euch eine Stunde rare Samples, die für Releases des Berliner Labels SpokenView verwendet wurden.
SpokenView ist seit Jahren für sample-geladenen Deutschrap bekannt. Auf der Suche nach passendem Klangmaterial für ihre Produktionen lassen die Jungs kaum ein Genre aus. Die Frage, bei welchen Scheiben sich Morlockk Dilemma, Hiob und die anderen Wort- bzw. Beatakrobaten bedienen, hat schon vielen Rap-Fans schlaflose Nächte beschert.

Am Dienstag (13.11.) um 18 Uhr
hat das hoffentlich ein Ende, dann werden die Originale nämlich aus der Schatzkiste gezaubert. Freut euch unter anderem auf synthetische Library-Musik, Easy Listening aus Singapur und französische B-Movie Soundtracks.


Das Beste zum Schluss: Wenn ihr wisst für welche Lieder die Samples verwendet wurden, könnt ihr ein dickes SpokenView-Paket gewinnen.
Es besteht aus der neuen Single "Ein Job für die Bestesten", sowie einem T-Shirt und ein paar weiteren Extras! Schickt bis zum 20.11. eine Mail mit der kompletten Songliste an ditc@tidenet.de.

Hören könnt ihr die Sendung auf Tide 96.0, sowie im Livestream auf www.tidenet.de.
Wie gewohnt wird sie nach der Austrahlung auf dem Blog im Stream abrufbar sein. Falls euch ein Song entgangen ist, habt ihr also nachmal die Möglichkeit reinzuhören.

Die Auflösung zu den Songs gibt es, sobald der Sieger feststeht. Er wird auf dem Blog bekannt gegeben.
Die Teilnahmebedingungen findet ihr im Kommentarfeld.


Wednesday, October 10, 2012

Sendung 20 - Oktober 2012

Archivmusik, die Zweite: In der Oktober-Ausgabe von DITC präsentiert euch Caballo noch einmal rare Archivmusik. Ihr hört also Tracks, die zwischen 1965 und 1985 für Werbespots und Rundfunkbeiträge verwendet wurden. Stilistisch erwarten euch trockenen Funk, smoothen Jazz, Rap und Moog-Gedudel aus den 70ern. Gesampelt wurden die Songs unter anderem von Marc Hype, Madlib und Danger Mouse. Außerdem berichtet Richard Parks im Interview von "Music Man Murray", dem Mann mit der größten Plattensammlung der Welt!


Der Film  Music Man Murray ist dieses Jahr erschienen. Richard Parks portraitiert in seiner Kurzdoku den 90-jährigen Murray Gershins, der vor 50 Jahren das erste Second-Hand-Plattengeschäft in Los Angeles eröffnete. Seine Privatsammlung gilt mit 500.000 Tonträgern als die größte weltweit.
Die Website zu seinem Laden findet ihr hier!
Weitere Infos zu dem Film von Richard gibt es auf der offiziellen Homepage. Kontakt könnt ihr mit ihm über seine Facebook-Seite aufnehmen.


1) Peter Reno - Contact
(Synthesiser Contact, Music De Wolfe, 1973)

Music De Wolfe nimmt in der Archivmusik eine Sonderstellung ein. Es wurde 1909 in London gegründet und ist somit das mit Abstand älteste Library-Label der Musikgeschichte. Zu dieser Zeit bestand eine musikalische Vorproduktion noch darin, Musik für Stummfilme zu entwickeln und die entsprechenden Themen auf Notenblättern zu drucken. Wenn Musiker für Filmvorführungen auf diese Musik zurückgreifen wollten, konnten sie die Noten dann in sogenannten Kinematheken erwerben. Production-music auf Vinyl entwickelte sich erst in den 60er Jahren und wurde anfangs noch auf 10"-Platten vertrieben. Auch hier war das Label Music De Wolfe Vorreiter.
Die LP "Synthesiser Contact" von Peter Reno ist ein selbst von Sammlern kaum beachtetes Album, dass jedoch durchweg mit dicken Synthie-Lines und Funk-Breaks überzeugt.

2) Arawak - Accadde a Bali
(Accadde a..., Squirrell, 1970)

Dieses kleine Library-Label aus Italien hatte zwar keinen großen Output, dafür sind die LP's aber vom ersten bis zum letzten Song hörbar (das ist keine Selbstverständlichkeit bei Library-Scheiben). Das Konzept dieses Albums ist eine musikalische Weltreise in der Städte wie Belfast, Lima oder Las Vegas vertont werden.
"Accadde a Bali" ist HipHop-Fans dank Madlib bekannt, der den Song auf seiner Klassiker-LP "Quasimoto - The Unseen" gesampelt hat. Für "Real Eyes" behält er die Original-Struktur bei und loopt die Musik auf minimalistische Weise.
3) Rogerio Duprat - Percussion Highway
(The Brazilian Suite, KPM, 1970)

Duprat wurde in Rio de Janeiro geboren und entwickelte früh ein Interesse an der Avant-Garde. Das brachte ihn schließlich nach Europa, wo er unter Karlheinz Stockhausen und Pierre Boulez studierte. Nachdem er nach Brasilien zurückkehrte, komponierte er vor allen Dingen Filmmusik und arbeitete mit berühmten Landesgenossen wie Gilberto Gil zusammen.
Das Label KPM beauftragte Duprat Ende der 60er ein Library-Album aufzunehmen mit exotischen Klängen. Von den Experimenten der Neuen Musik ist darauf allerdings nicht mehr viel übrig geblieben.

4) James Clarke - Two Lanes Blacktop
(Friendly Faces, KPM, 1973)

Auf dem Album "Friendly Faces" teilen sich Komponist James Clarke und Alan Hawkshaw die zwei Plattenseiten untereinander auf. Songs wie "Two Lanes Blacktop" zeigen, dass Clarke verglichen mit seinem Kollegen Hawkshaw ruhigere Klänge anschlägt.

5) Brian Bennett - Name of the Game
(Hot Wax, KPM, 1976)

Bennett ist ein musikalischer Tausensasser: Er ist Pianist, Komponist, Arrangeur, produzent und spielte bei The Shadows Schalgzeug. Er selber sagt noch  heute, dass er nicht sonderlich überrascht war, als er vom Manager der Shadows gebeten wurde, Mitglied der Band zu werden. Seine Freude hielt sich ebenso in Grenzen, nicht des Spielens wegen, sondern weil ihm das Touren nicht behagte. Da war es naheliegend sich einen ruhigen Studio-Job zu suchen und so begann er Anfang der 60er mit dem Komponieren von Archiv-Musik. Die meisten seiner Aufnahmen entstanden für KPM.
Kurze Sample-Info: Verwendung fand der Track auf Ugly Duckling's LP "Meat Shake" und auf dem von Amdlib produzierten Track "Who with me?" von Percee P.

6) Thomas Elerth - Beatin' it
(Hair Raisers, JW Theme Music, 1972)

Das Label JW Theme Music begann erst 1972 Archivmusik zu veröffentlichen und war nach einem Namenswechsel zu JW Music Library bis 1987 aktiv. Auch wenn der Output im Vergleich zu Konkurrenz-Labeln wie KPM oder Bruton gering blieb, sind die Platten bei Sammlern doch heiß begehrt. Songs wie "Beatin' it" machen klar wieso: Funky Grooves und trockene Drumbreaks sind auf beinhae jeder LP zu finden.

7) Richard Demaria - Next Episode
(À Écouter, Chappell, 1970)

Die Pulsfrequenz von Sample-nerds wird beim Hören dieses Tracks sicher rasant steigen. Richard Demarias "Next Episode" diente nämlich niemand geringerem als dem britischen Star-Produzenten Danger Mouse als Vorlage für "Aqua Teen Hunger Force". Dieser von der gleichnamigen Cartoon-Serie inspirierte Titel befindet sich auf seinem Kollabo-Album mit Maskenträger MF Doom. 

8) Guiliano Sorgini - The Turf
(Musica Da Ballo, Meridiana, 1969)

Zu dieser Platte habe ich leider keine näheren Infos, genauso wie zum Komponisten Guiliano Sorgini. Das Label Maridiana aus Italien hat bloß eine handvoll Scheiben releast, darunter "Musica Da Ballo", die im Internet für knapp 100€ verkauft wird. Wobei diese Angabe sehr schwammig ist, denn sie taucht praktisch nie auf. Das lässt den Schluss zu, dass nur wenige überhaupt von der Existenz dieser LP wissen, denn sonst würden bei einem so hohen Seltenheitswert weitaus höhere Preise erzielt. Eine andere Archiv-Platte von Sorgini gilt bei Sammlern dagegen als heiliger Gral. Es handelt sich um "Under Pompelmo", eine der wertvollsten Alben aus Italien - ihr Marktwert liegt bei 700$!

9) Sam Spence - Sunken Ship
(The Art of the Synthesizer, Music De Wolfe, 1972)

 Nicht ohne Grund steht das Label Music De Wolfe bei Sammlern von Archivmusik ganz hoch im Kurs. Es hebt sich von der Konkurrenz dadurch ab, dass sie nicht wahllos zusammengestellte Tracks enthalten, sondern immer ein bestimmtes Thema bearbeiten oder über das ganze Album ähnliche Arrangements gespielt werden. So lässt sich eine Platte bequem durchhören ohne zu merken, dass es sich nicht um ein reguläres Album, sondern eine Library-LP handelt.
Im Falle von "The Art of the Synthesizer" mag das etwas anders sein. Zwar zieht sich hier über die gesamte Länge der LP ein roter Faden in Form des mächtigen Moog Synthesizers, aber ein konventionelles Album, dass man gemütlich auf dem Sofa hört, ist es sicher für die wenigsten.

10) Homeboy Sandman - Soap
(Subject: Matter EP, Stones Throw, 2012)

Bei diesem Release aus dem Frühjahr 2012 handelt es sich um die erste Scheibe des Rap-Hoffnungsträgers Homeboy Sandman auf Stones Throw Records. Als bekennender Avantgardist schiebt Homeboy Sandman gerne Unzugänglich- vor Radiotauglichkeit und auf "Soap" macht er da keine Ausnahme. Denn wenn der ehemalige Jurastudent mal wieder das Wörterbuch auf den Kopf stellt und die Finger der Hobbyanalytiker auf den Rewind-Tasten kleben, bis die innere Übersetzungsmaschine auch den letzten Gedankensprung dekodiert hat, sind da immer noch diese unfassbaren Pattern.
Hinzu kommt seine Leidenschaft für rohe Beats, die oft nur aus einem grob geloopten Sample bestehen. Mehr braucht Homeboy Sandman nicht um uns mit seinen Gehirngespinsten zu fesseln.

11) Mattino Di Fuoco - Dom Boga
(???, ???. 196?)

Infos zu diesem Titel nehme ich gerne entgegen. "Dom Boga" ist der erste richtige Geistersong, den ich in meiner Sendung spiele. Und damit meine ich nicht, dass er aus einem Gruselfilm stammt, sondern das ich dazu absolut keine Infos habe. Da er auch auf der Compilation "Phase 6 Super Stereo" zu finden ist, wird es sich um Musik aus Italien handeln.

12) Roger Roger - Safari Park
(Mindbender - Stringtronics, Peer International, 1972)

Madlib-Sample Nummer Drei. Wieder handelt es sich um ein Sample für Quasimoto ("The further Adventures of Lord Quas", Titel "Raw Addict pt. 2") und wieder hat sich Herr Otis Jackson Jr. das Alias Loopdigger verdient. Denn außer einer sehr ausgedehnten Schleife hat der Produzent aus Oxnard kaum Hand angelegt.
Gesampelt hat er von einer der begehrtesten Library-Platten überhaupt. "Stringtronics - Mindbender" wechselt bei Ebay meist für Preise um die 900 Dollar den Besitzer. Der Grund hierfür liegt sicher in den ungewöhnlichen Arrangments: Alle Songs sind nämlich für Saiteninstrumente komponiert und so hört man - von einigen Percussions zur rhythmischen Untermalung abgesehen - ausschließlich Klangkombinationen von Geigen, Celli, Gitarren, Bässen und sonstigen Chordophonen.

13) James Asher - Robottom
(Gyroscope, Bruton, 1980)

Bruton Music ist ein britisches Label für Production Music, das von Ende der 70er bis Mitte der
80er Jahre viele Library-Platten veröffentlicht hat. Mitlerweile wurde es wie viele andere Labels von Universal aufgekauft und gehört dem Zusammenschluss Production Music Online UK an, indem über 70.000 Musiktitel verwaltet werden. Darunter befindet sich auch Musik des britischen Komponisten John Scott, der seit Beginn des Library-"Booms" Anfang der 60er Jahre für diverse Musik-Verlage wie Bruton oder KPM geschrieben hat.

14)  Franco Tamponi - Crisi Dell'industria
(Un Volto Una Storia, Flower Lew, 1972)

Lange habe ich nach dem Song gesucht, den DJ Hype für den Remix seines Trracks mit Mr. Lif "Pull Out Your Cut" verwendet hat. Schließlich wurde ich auf der Compilation "Vroommm - Funk Cinematique" fündig. Auf ihr finden sich viele rare Library-Tunes, die von den Betreibern des Labels Platic ausgegraben wurden.


15) The Denny Motion Group - Easy Driving

(Small Talk, Coloursound, 1981)

Diese LP erschien bei dem Coloursound aus München. Im Gegensatz zu KPM, Bruton oder Music De Wolfe, sind mir hier keine Funk-Kracher bekannt. "Small Talk" beweist aber, dass auch auf Coloursound interessante Scheiben herausgekommen sind. Die Klappentext alleine rechtfertigt den Kauf schon mit diesem bis zur Lächerlichkeit übertriebenen Werbetext: "DENNY MOTION entführt Sie in ein beschwingtes und modernes "Guitar-Land". Lassen Sie Ihrer Phantasie freien Lauf und begleiten Sie ihn auf fröhlichen Parties, auf Fahrten durch die schöne Landschaft und bei Ausflügen in die Romantik, weit weg vom grauen Alltag". Herrlich.
 
16) Peter Hamilton - Obsessively
(Musica Di Commento, Vedette, 1965)

Peter Hamilton's bekannteste Arbeit ist wohl der Soundtrack zu "Love Story", den er nach Vorgaben des Komponisten Francais Lai orchestriert hat. Ansonsten ist nicht allzu viel über den Italiener zu erfahren im Netz. 

17) Narassa - Macero
(???, ???, 1974)

Bei diesem Song handelt es sich um ein sehr rares Stück. Gefunden habe ich es auf einer der ersten Library-Compilations, dem großartigen Sampler "Speedball Experience - Obscure Pop Jazz from early 70's Italian Music Library". Sie erschien Mitte der 90er als inoffizielle Pressung über Editions Giaguaro. Auf ihr findet ihr viele italienische Perlen der Production-Music. Es ist die einzige Complilation mit Re-Releases, die selbst schon eine Rarität ist. Im Internet wurde sie schon für weit mehr als 100$ verkauft.


Wenn ihr noch mehr Library-Musik hören möchtet, dann schaut im Sendearchiv nach der Juni-Ausgabe 2011 und der September Ausgabe 2012. Da hatte ich bereits 60 Minuten Production-Music im Programm.

Tuesday, September 11, 2012

Sendung 19 - September 2012

Archivmusik, die Erste: Diesen Monat präsentiert euch Caballo den ersten Teil seines Library-Specials. Macht euch bereit für groovende Funk-Tunes, rauchigen Jazz und Synthie-Soundscapes. Die Musik von Komponisten wie Keith Mansfield, Alan Hawkshaw und David Lindup wurd nicht nur für Fernseh- und Rundfunkproduktionen verwendet, sondern auch von Produzenten wie Madlib, Lewis Parker oder 40 Winks.


1) Keith Mansfield - Blockbuster


(Light My Fire, Bruton, 1978)

Keith Mansfield ist ein britischer Komponist und Arrangeur, der in den 60er und 70er Jahren unzählige TV-Themes und Library-Tunes aufgenommen hat. Er gehört zu den prominentesten Komponisten dieser Branche - nicht zuletzt dank des Filmregisseurs Quentin Tarantino, der seine Musik unter anderem in Kill Bill verwendete.

2) Barigozzi Group - Hong Kong Wind
(Optical Sound, Easy Tempo, 1999)

Hierbei handelt es sich um rare Archivmusik aus Italien. Das Material auf "Optical Sound" erschien in den 70ern auf drei verschiedenen Alben, die heute als verschollen gelten. Das Label Easy Tempo sammelte die Aufnahmen Ende der 90er zusammen und releaste es im Zuge des gestiegenen Interesses an alten Library-Grooves. Der Sound erinnert an andere Gruppen aus Italien wie I Gres oder Marc 4. Wem "Hong Kong Wind" gefällt, dem empfehle ich in ihre Musik reinzuhören.

3) The Dave Pell Singers - Oh Calcutta
(Single, Liberty, 1970)

Diese Single wurde 1969 unter Leitung des Saxophonisten David Pell für das gleichnamige Musical Oh Calcutta! aufgenommen. Geschrieben wurde diese Psychedelic-Pop-Nummer von Stanley Walden, der sich für den Großteil des Scores verantwortlich zeigt. Nach dem großen Erfolg des Musicals Hair waren provokante Musicals mit Themen wie Homosexualiutät und Drogen sehr en vogue auf dem Broadway. Aufgrund der schwachen Story wurde diese Bühnenshow jedoch ein Flop. Ein Feuilleton-Kritiker schrieb damals für die New York Times:
“To be honest, I think I can recommend the show with any vigor only to people who are extraordinarily underprivileged either sexually, socially or emotionally.”

4)  David Lindup - The Observer
(Dramatic Action, Themes International Music, 1973)

David Lindup, Geburtsname East Preston, ist ein weiterer wichtiger Library-Komponist aus England. Am bekanntesten dürften seine Kollaborationen mit Johnny Dankworth sein, sowie seine Arbeit für das britische Library-Label KPM.

5) Eric Framond - Puzzle
(Puzzle, Editions Montparnasse 2000, 1974)

Das 1968 von André Farry gegründete Label Montparnasse ist das mit Abstand wichtigste Library-Label aus Frankreich. Anfangs waren die Platten limitiert auf 1000 Stück, von denen 500 direkt an Fernseh- und Radiostationen gingen. Besonders beliebt war das Label bei den Komponisten, da Farry den Musikern völlig freie Hand ließ und sie ihre Ideen fast uneingeschränkt umsetzen durften.

6) Orch. Puccio Roelens - Caravan
(Love and more Love, Phase 6 Super Stereo, 1969)

Bei diesem Library-Tune des italienischen Komponisten und Orchesterleiters Amleto Armando Roelens handelt es sich um eine kaum bekannte Neuinterpretation von Duke Ellingtons Jazz-Standard "Caravan". Phase 6 Super Stereo ist das wohl wichtigste Label für Archivmusik aus Italien. Mit Releases ab Ende der 60er bis in die späten 80er Jahre, nimmt es eine ähnlich wichtige Stellung wie das französische Montparnasse-Label ein.

                      

7) Gianni Mazza - Eccitamento
(Nervosi, ???, 1972)

Bei diesem Song handelt es sich um ein sehr rares Stück. Gefunden habe ich es auf einer der ersten Library-Compilations, dem großartigen Sampler "Speedball Experience - Obscure Pop Jazz from early 70's Italian Music Library". Sie erschien Mitte der 90er als inoffizielle Pressung über Editions Giaguaro. Auf ihr findet ihr viele italienische Perlen der Production-Music.

8) David Snell - International Flight
(Big business / Wind of Change, KPM, 1973)

Für alles die es ganz genau wissen wollen: Diesen Song findet ihr auf der Platte KPM 1124, auf der hauptsächlich Keith Mansfield arrangiert hat, mit Ausnahme eines Songs von Alan Hawkshaw und David Snell. Snell komponierte zwar auch eigene Stücke, wie in diesem Fall für KPM, hauptsächlich war er aber als Studiomusiker aktiv und spielte Musik für Hawkshaw und Mansfield ein. Wenn ihr also Harfenklänge auf einem ihrer Tunes hört, dann wurden die Saiten vermutlich von Snell angeschlagen.

9) 40 Winks - Not the Destination
(It's the Trip, Project Mooncircle, 2011)

Für diese Ausgabe habe ich es mir nicht nehmen lassen auch mal etwas neueres zu spielen. Die Musik von 40 Winks fügt sich allerdings sehr gut in das sonstige Material der Sendung ein. Kein Wunder, verwendet das Produzenten-Duo aus Belgien doch gerne mal das ein oder andere Library-Sample. Wie das Original klingt, hört im im Anschluss.

10) Barrie Forgie - Dawn Mist
(Mindbender - Stringtronics, Peer International, 1972)

Bei der LP "Stringtronics - Mindbender" handelt es sich um eine der begehrtesten Library-Platten - bei Ebay wechselt sie meist für Preise um die 900 Dollar den Besitzer. Der Grund hierfür liegt sicher in den ungewöhnlichen Arrangments: Alle Songs sind nämlich für Saiteninstrumente komponiert und so hört man - von einigen Percussions zur rhythmischen Untermalung abgesehen - ausschließlich Klangkombinationen von Geigen, Celli, Gitarren, Bässen und sonstigen Chordophonen. Kein Wunder, dass diese Platte daher schon diverse Male gesampelt wurde. Von 40 Winks und DJ Vadim bis hin zu Madlib.

11) John Gregory & His Orchestra - Jaguar
(A Man for all Seasons, United Artists, 1974)

John gregory ist ein umtriebiger Filmkomponist, der seit den frühen 60ern diverse Scores in Film, Radio und Fernsehen platzieren konnte. Da scheint der Weg zur Production-Music nicht weit und doch sind mir nur wenige Aufnahmen bekannt, die er für die großen britischen Labels aufgenommen hat.

12) Paris Studio Group -  Accroche Toi, Caroline
(Voices in the Wind, Sylvester, 1967)

Bei diesem raren Jazz-Song handelt es sich um die Eröffnungsmelodie von "Vision on", einer Serie des BBC, die zwischen 1964 und 1976 lief. Sie richtete sich ironischerweise speziell an Kinder mit Taubheit.


13) Trevor Bastow - Autocue
(The Video Age, Bruton, 1980)

Wer sich ein Bisschen mit den Library-Platten der 80er Jahre beschäftigt, der wird schnell auf den Namen Bastow stoßen. Vor allem für das Label Bruton nahmen Trevor und sein Bruder Geoff abstrakte und elektronische Klanglandschaften auf. Drums sucht man meist vergebens, was angesichts der synthetischen Billig-Drums der frühen 80er aber nicht von Nachteil ist.

14) Peter Milray - Time Machine
(Nomination, Music De Wolfe, 1976)

Bereits 1909 wurde das Label Music De Wolfe in London gegründet und ist somit das mit Abstand älteste Library-Label der Musikgeschichte. Zu dieser Zeit bestand eine musikalische Vorproduktion noch darin, Musik für Stummfilme zu entwickeln und die entsprechenden Themen auf Notenblättern zu drucken. Wenn Musiker für Filmvorführungen auf diese Musik zurückgreifen wollten, konnten sie die Noten dann in sogenannten Kinematheken erwerben. Production-music auf Vinyl entwickelte sich erst in den 60er Jahren und wurde anfangs noch auf 10"-Platten vertrieben. Auch hier war das Label Music De Wolfe Vorreiter.

15) Lewis Parker - The Unseen Trap (feat. John Robinson)
(The Unseen Trap 10", Project Mooncircle, 2010)

Bereits das Cover zu dieser limitierten 10-Inch lässt erahnen, dass hier lyrisches Kopfkino im Stile der 70er Jahre geschaffen erschaffen werden soll. Produzent und Rapper Lewis Parker wählte als Grundlage seiner Zeitreise konsequenterweise Library-Musik für den Titeltrack.



16) Brian Bennett - Image
(Image, KPM, 1974)

Das Original von Brian Bennett ist der Opener zu gleichnamigen Archiv-LP von KPM. In der Plattenhülle mit dem unscheinbaren grünen Cover steckt eine gelungene Zusammenstellung mit funky und jazzy Tunes, wie man es sich von einer guten Platte dieses Genres erhofft. Ob hier wohl wieder David Snell hinter der Harfe sitzt?

17) John Saunders - Myriad
(Stretch, Music De Wolfe, 1976)

Das Label Music De Wolfe steht bei Sammlern von Archivmusik nicht ohne Grund ganz hoch im Kurs. Die LP's heben sich von vielen anderen Labels dadurch ab, dass sie nicht wahllos zusammengestellte Tracks enthalten, sondern ein bestimmtes Thema oder die gleichen Arragments haben. Sie lässt sich eine Platte bequem durchhören ohne zu merken, dass es sich nicht um ein reguläres Album, sondern eine Library-LP handelt.

18) Alan Hawkshaw - The Nightrider - Cadbury's Milk Tray
(27 Top TV Themes & Commercials, Stereo 2 Stereo, 1972)

 Alan Hawkshaw zählt unbestritten zu den Ikonen der Library Musik. Seit den 60er Jahren hat der Pianist unzählige Scores für Radio- und Fernsehsendungen komponiert, von denen der Großteil bei KPM erschienen ist. "The Investigator" ist allerdings über Themes International erschienen, einem von Library-Kollege Alan Parker gegründeten Label. Nebenher war Hawkshaw als Studiomusiker tätig und nahm unter anderem mit David Bowie, Serge Gainsbourg und Cliff Richard auf.

19) John Scott - Face of Danger / Face of Great Danger
(Thriller, Bruton, 1979)

Bruton Music ist ein britisches Label für Production Music, das von Ende der 70er bis Mitte der 80er Jahre viele Library-Platten veröffentlicht hat. Mitlerweile wurde es wie viele andere Labels von Universal aufgekauft und gehört dem Zusammenschluss Production Music Online UK an, indem über 70.000 Musiktitel verwaltet werden. Darunter befindet sich auch Musik des britischen Komponisten John Scott, der seit Beginn des Library-"Booms" Anfang der 60er Jahre für diverse Musik-Verlage wie Bruton oderKPM geschrieben hat.



Wenn ihr noch mehr Library-Musik hören möchtet und nicht bis zur nächsten Sendung im Oktober warten könnt, dann schaut im Sendearchiv nach der Juni-Ausgabe 2011. Da hatte ich bereits 60 Minuten Production-Music im Programm.