Wednesday, October 10, 2012

Sendung 20 - Oktober 2012

Archivmusik, die Zweite: In der Oktober-Ausgabe von DITC präsentiert euch Caballo noch einmal rare Archivmusik. Ihr hört also Tracks, die zwischen 1965 und 1985 für Werbespots und Rundfunkbeiträge verwendet wurden. Stilistisch erwarten euch trockenen Funk, smoothen Jazz, Rap und Moog-Gedudel aus den 70ern. Gesampelt wurden die Songs unter anderem von Marc Hype, Madlib und Danger Mouse. Außerdem berichtet Richard Parks im Interview von "Music Man Murray", dem Mann mit der größten Plattensammlung der Welt!


Der Film  Music Man Murray ist dieses Jahr erschienen. Richard Parks portraitiert in seiner Kurzdoku den 90-jährigen Murray Gershins, der vor 50 Jahren das erste Second-Hand-Plattengeschäft in Los Angeles eröffnete. Seine Privatsammlung gilt mit 500.000 Tonträgern als die größte weltweit.
Die Website zu seinem Laden findet ihr hier!
Weitere Infos zu dem Film von Richard gibt es auf der offiziellen Homepage. Kontakt könnt ihr mit ihm über seine Facebook-Seite aufnehmen.


1) Peter Reno - Contact
(Synthesiser Contact, Music De Wolfe, 1973)

Music De Wolfe nimmt in der Archivmusik eine Sonderstellung ein. Es wurde 1909 in London gegründet und ist somit das mit Abstand älteste Library-Label der Musikgeschichte. Zu dieser Zeit bestand eine musikalische Vorproduktion noch darin, Musik für Stummfilme zu entwickeln und die entsprechenden Themen auf Notenblättern zu drucken. Wenn Musiker für Filmvorführungen auf diese Musik zurückgreifen wollten, konnten sie die Noten dann in sogenannten Kinematheken erwerben. Production-music auf Vinyl entwickelte sich erst in den 60er Jahren und wurde anfangs noch auf 10"-Platten vertrieben. Auch hier war das Label Music De Wolfe Vorreiter.
Die LP "Synthesiser Contact" von Peter Reno ist ein selbst von Sammlern kaum beachtetes Album, dass jedoch durchweg mit dicken Synthie-Lines und Funk-Breaks überzeugt.

2) Arawak - Accadde a Bali
(Accadde a..., Squirrell, 1970)

Dieses kleine Library-Label aus Italien hatte zwar keinen großen Output, dafür sind die LP's aber vom ersten bis zum letzten Song hörbar (das ist keine Selbstverständlichkeit bei Library-Scheiben). Das Konzept dieses Albums ist eine musikalische Weltreise in der Städte wie Belfast, Lima oder Las Vegas vertont werden.
"Accadde a Bali" ist HipHop-Fans dank Madlib bekannt, der den Song auf seiner Klassiker-LP "Quasimoto - The Unseen" gesampelt hat. Für "Real Eyes" behält er die Original-Struktur bei und loopt die Musik auf minimalistische Weise.
3) Rogerio Duprat - Percussion Highway
(The Brazilian Suite, KPM, 1970)

Duprat wurde in Rio de Janeiro geboren und entwickelte früh ein Interesse an der Avant-Garde. Das brachte ihn schließlich nach Europa, wo er unter Karlheinz Stockhausen und Pierre Boulez studierte. Nachdem er nach Brasilien zurückkehrte, komponierte er vor allen Dingen Filmmusik und arbeitete mit berühmten Landesgenossen wie Gilberto Gil zusammen.
Das Label KPM beauftragte Duprat Ende der 60er ein Library-Album aufzunehmen mit exotischen Klängen. Von den Experimenten der Neuen Musik ist darauf allerdings nicht mehr viel übrig geblieben.

4) James Clarke - Two Lanes Blacktop
(Friendly Faces, KPM, 1973)

Auf dem Album "Friendly Faces" teilen sich Komponist James Clarke und Alan Hawkshaw die zwei Plattenseiten untereinander auf. Songs wie "Two Lanes Blacktop" zeigen, dass Clarke verglichen mit seinem Kollegen Hawkshaw ruhigere Klänge anschlägt.

5) Brian Bennett - Name of the Game
(Hot Wax, KPM, 1976)

Bennett ist ein musikalischer Tausensasser: Er ist Pianist, Komponist, Arrangeur, produzent und spielte bei The Shadows Schalgzeug. Er selber sagt noch  heute, dass er nicht sonderlich überrascht war, als er vom Manager der Shadows gebeten wurde, Mitglied der Band zu werden. Seine Freude hielt sich ebenso in Grenzen, nicht des Spielens wegen, sondern weil ihm das Touren nicht behagte. Da war es naheliegend sich einen ruhigen Studio-Job zu suchen und so begann er Anfang der 60er mit dem Komponieren von Archiv-Musik. Die meisten seiner Aufnahmen entstanden für KPM.
Kurze Sample-Info: Verwendung fand der Track auf Ugly Duckling's LP "Meat Shake" und auf dem von Amdlib produzierten Track "Who with me?" von Percee P.

6) Thomas Elerth - Beatin' it
(Hair Raisers, JW Theme Music, 1972)

Das Label JW Theme Music begann erst 1972 Archivmusik zu veröffentlichen und war nach einem Namenswechsel zu JW Music Library bis 1987 aktiv. Auch wenn der Output im Vergleich zu Konkurrenz-Labeln wie KPM oder Bruton gering blieb, sind die Platten bei Sammlern doch heiß begehrt. Songs wie "Beatin' it" machen klar wieso: Funky Grooves und trockene Drumbreaks sind auf beinhae jeder LP zu finden.

7) Richard Demaria - Next Episode
(À Écouter, Chappell, 1970)

Die Pulsfrequenz von Sample-nerds wird beim Hören dieses Tracks sicher rasant steigen. Richard Demarias "Next Episode" diente nämlich niemand geringerem als dem britischen Star-Produzenten Danger Mouse als Vorlage für "Aqua Teen Hunger Force". Dieser von der gleichnamigen Cartoon-Serie inspirierte Titel befindet sich auf seinem Kollabo-Album mit Maskenträger MF Doom. 

8) Guiliano Sorgini - The Turf
(Musica Da Ballo, Meridiana, 1969)

Zu dieser Platte habe ich leider keine näheren Infos, genauso wie zum Komponisten Guiliano Sorgini. Das Label Maridiana aus Italien hat bloß eine handvoll Scheiben releast, darunter "Musica Da Ballo", die im Internet für knapp 100€ verkauft wird. Wobei diese Angabe sehr schwammig ist, denn sie taucht praktisch nie auf. Das lässt den Schluss zu, dass nur wenige überhaupt von der Existenz dieser LP wissen, denn sonst würden bei einem so hohen Seltenheitswert weitaus höhere Preise erzielt. Eine andere Archiv-Platte von Sorgini gilt bei Sammlern dagegen als heiliger Gral. Es handelt sich um "Under Pompelmo", eine der wertvollsten Alben aus Italien - ihr Marktwert liegt bei 700$!

9) Sam Spence - Sunken Ship
(The Art of the Synthesizer, Music De Wolfe, 1972)

 Nicht ohne Grund steht das Label Music De Wolfe bei Sammlern von Archivmusik ganz hoch im Kurs. Es hebt sich von der Konkurrenz dadurch ab, dass sie nicht wahllos zusammengestellte Tracks enthalten, sondern immer ein bestimmtes Thema bearbeiten oder über das ganze Album ähnliche Arrangements gespielt werden. So lässt sich eine Platte bequem durchhören ohne zu merken, dass es sich nicht um ein reguläres Album, sondern eine Library-LP handelt.
Im Falle von "The Art of the Synthesizer" mag das etwas anders sein. Zwar zieht sich hier über die gesamte Länge der LP ein roter Faden in Form des mächtigen Moog Synthesizers, aber ein konventionelles Album, dass man gemütlich auf dem Sofa hört, ist es sicher für die wenigsten.

10) Homeboy Sandman - Soap
(Subject: Matter EP, Stones Throw, 2012)

Bei diesem Release aus dem Frühjahr 2012 handelt es sich um die erste Scheibe des Rap-Hoffnungsträgers Homeboy Sandman auf Stones Throw Records. Als bekennender Avantgardist schiebt Homeboy Sandman gerne Unzugänglich- vor Radiotauglichkeit und auf "Soap" macht er da keine Ausnahme. Denn wenn der ehemalige Jurastudent mal wieder das Wörterbuch auf den Kopf stellt und die Finger der Hobbyanalytiker auf den Rewind-Tasten kleben, bis die innere Übersetzungsmaschine auch den letzten Gedankensprung dekodiert hat, sind da immer noch diese unfassbaren Pattern.
Hinzu kommt seine Leidenschaft für rohe Beats, die oft nur aus einem grob geloopten Sample bestehen. Mehr braucht Homeboy Sandman nicht um uns mit seinen Gehirngespinsten zu fesseln.

11) Mattino Di Fuoco - Dom Boga
(???, ???. 196?)

Infos zu diesem Titel nehme ich gerne entgegen. "Dom Boga" ist der erste richtige Geistersong, den ich in meiner Sendung spiele. Und damit meine ich nicht, dass er aus einem Gruselfilm stammt, sondern das ich dazu absolut keine Infos habe. Da er auch auf der Compilation "Phase 6 Super Stereo" zu finden ist, wird es sich um Musik aus Italien handeln.

12) Roger Roger - Safari Park
(Mindbender - Stringtronics, Peer International, 1972)

Madlib-Sample Nummer Drei. Wieder handelt es sich um ein Sample für Quasimoto ("The further Adventures of Lord Quas", Titel "Raw Addict pt. 2") und wieder hat sich Herr Otis Jackson Jr. das Alias Loopdigger verdient. Denn außer einer sehr ausgedehnten Schleife hat der Produzent aus Oxnard kaum Hand angelegt.
Gesampelt hat er von einer der begehrtesten Library-Platten überhaupt. "Stringtronics - Mindbender" wechselt bei Ebay meist für Preise um die 900 Dollar den Besitzer. Der Grund hierfür liegt sicher in den ungewöhnlichen Arrangments: Alle Songs sind nämlich für Saiteninstrumente komponiert und so hört man - von einigen Percussions zur rhythmischen Untermalung abgesehen - ausschließlich Klangkombinationen von Geigen, Celli, Gitarren, Bässen und sonstigen Chordophonen.

13) James Asher - Robottom
(Gyroscope, Bruton, 1980)

Bruton Music ist ein britisches Label für Production Music, das von Ende der 70er bis Mitte der
80er Jahre viele Library-Platten veröffentlicht hat. Mitlerweile wurde es wie viele andere Labels von Universal aufgekauft und gehört dem Zusammenschluss Production Music Online UK an, indem über 70.000 Musiktitel verwaltet werden. Darunter befindet sich auch Musik des britischen Komponisten John Scott, der seit Beginn des Library-"Booms" Anfang der 60er Jahre für diverse Musik-Verlage wie Bruton oder KPM geschrieben hat.

14)  Franco Tamponi - Crisi Dell'industria
(Un Volto Una Storia, Flower Lew, 1972)

Lange habe ich nach dem Song gesucht, den DJ Hype für den Remix seines Trracks mit Mr. Lif "Pull Out Your Cut" verwendet hat. Schließlich wurde ich auf der Compilation "Vroommm - Funk Cinematique" fündig. Auf ihr finden sich viele rare Library-Tunes, die von den Betreibern des Labels Platic ausgegraben wurden.


15) The Denny Motion Group - Easy Driving

(Small Talk, Coloursound, 1981)

Diese LP erschien bei dem Coloursound aus München. Im Gegensatz zu KPM, Bruton oder Music De Wolfe, sind mir hier keine Funk-Kracher bekannt. "Small Talk" beweist aber, dass auch auf Coloursound interessante Scheiben herausgekommen sind. Die Klappentext alleine rechtfertigt den Kauf schon mit diesem bis zur Lächerlichkeit übertriebenen Werbetext: "DENNY MOTION entführt Sie in ein beschwingtes und modernes "Guitar-Land". Lassen Sie Ihrer Phantasie freien Lauf und begleiten Sie ihn auf fröhlichen Parties, auf Fahrten durch die schöne Landschaft und bei Ausflügen in die Romantik, weit weg vom grauen Alltag". Herrlich.
 
16) Peter Hamilton - Obsessively
(Musica Di Commento, Vedette, 1965)

Peter Hamilton's bekannteste Arbeit ist wohl der Soundtrack zu "Love Story", den er nach Vorgaben des Komponisten Francais Lai orchestriert hat. Ansonsten ist nicht allzu viel über den Italiener zu erfahren im Netz. 

17) Narassa - Macero
(???, ???, 1974)

Bei diesem Song handelt es sich um ein sehr rares Stück. Gefunden habe ich es auf einer der ersten Library-Compilations, dem großartigen Sampler "Speedball Experience - Obscure Pop Jazz from early 70's Italian Music Library". Sie erschien Mitte der 90er als inoffizielle Pressung über Editions Giaguaro. Auf ihr findet ihr viele italienische Perlen der Production-Music. Es ist die einzige Complilation mit Re-Releases, die selbst schon eine Rarität ist. Im Internet wurde sie schon für weit mehr als 100$ verkauft.


Wenn ihr noch mehr Library-Musik hören möchtet, dann schaut im Sendearchiv nach der Juni-Ausgabe 2011 und der September Ausgabe 2012. Da hatte ich bereits 60 Minuten Production-Music im Programm.

Tuesday, September 11, 2012

Sendung 19 - September 2012

Archivmusik, die Erste: Diesen Monat präsentiert euch Caballo den ersten Teil seines Library-Specials. Macht euch bereit für groovende Funk-Tunes, rauchigen Jazz und Synthie-Soundscapes. Die Musik von Komponisten wie Keith Mansfield, Alan Hawkshaw und David Lindup wurd nicht nur für Fernseh- und Rundfunkproduktionen verwendet, sondern auch von Produzenten wie Madlib, Lewis Parker oder 40 Winks.


1) Keith Mansfield - Blockbuster


(Light My Fire, Bruton, 1978)

Keith Mansfield ist ein britischer Komponist und Arrangeur, der in den 60er und 70er Jahren unzählige TV-Themes und Library-Tunes aufgenommen hat. Er gehört zu den prominentesten Komponisten dieser Branche - nicht zuletzt dank des Filmregisseurs Quentin Tarantino, der seine Musik unter anderem in Kill Bill verwendete.

2) Barigozzi Group - Hong Kong Wind
(Optical Sound, Easy Tempo, 1999)

Hierbei handelt es sich um rare Archivmusik aus Italien. Das Material auf "Optical Sound" erschien in den 70ern auf drei verschiedenen Alben, die heute als verschollen gelten. Das Label Easy Tempo sammelte die Aufnahmen Ende der 90er zusammen und releaste es im Zuge des gestiegenen Interesses an alten Library-Grooves. Der Sound erinnert an andere Gruppen aus Italien wie I Gres oder Marc 4. Wem "Hong Kong Wind" gefällt, dem empfehle ich in ihre Musik reinzuhören.

3) The Dave Pell Singers - Oh Calcutta
(Single, Liberty, 1970)

Diese Single wurde 1969 unter Leitung des Saxophonisten David Pell für das gleichnamige Musical Oh Calcutta! aufgenommen. Geschrieben wurde diese Psychedelic-Pop-Nummer von Stanley Walden, der sich für den Großteil des Scores verantwortlich zeigt. Nach dem großen Erfolg des Musicals Hair waren provokante Musicals mit Themen wie Homosexualiutät und Drogen sehr en vogue auf dem Broadway. Aufgrund der schwachen Story wurde diese Bühnenshow jedoch ein Flop. Ein Feuilleton-Kritiker schrieb damals für die New York Times:
“To be honest, I think I can recommend the show with any vigor only to people who are extraordinarily underprivileged either sexually, socially or emotionally.”

4)  David Lindup - The Observer
(Dramatic Action, Themes International Music, 1973)

David Lindup, Geburtsname East Preston, ist ein weiterer wichtiger Library-Komponist aus England. Am bekanntesten dürften seine Kollaborationen mit Johnny Dankworth sein, sowie seine Arbeit für das britische Library-Label KPM.

5) Eric Framond - Puzzle
(Puzzle, Editions Montparnasse 2000, 1974)

Das 1968 von André Farry gegründete Label Montparnasse ist das mit Abstand wichtigste Library-Label aus Frankreich. Anfangs waren die Platten limitiert auf 1000 Stück, von denen 500 direkt an Fernseh- und Radiostationen gingen. Besonders beliebt war das Label bei den Komponisten, da Farry den Musikern völlig freie Hand ließ und sie ihre Ideen fast uneingeschränkt umsetzen durften.

6) Orch. Puccio Roelens - Caravan
(Love and more Love, Phase 6 Super Stereo, 1969)

Bei diesem Library-Tune des italienischen Komponisten und Orchesterleiters Amleto Armando Roelens handelt es sich um eine kaum bekannte Neuinterpretation von Duke Ellingtons Jazz-Standard "Caravan". Phase 6 Super Stereo ist das wohl wichtigste Label für Archivmusik aus Italien. Mit Releases ab Ende der 60er bis in die späten 80er Jahre, nimmt es eine ähnlich wichtige Stellung wie das französische Montparnasse-Label ein.

                      

7) Gianni Mazza - Eccitamento
(Nervosi, ???, 1972)

Bei diesem Song handelt es sich um ein sehr rares Stück. Gefunden habe ich es auf einer der ersten Library-Compilations, dem großartigen Sampler "Speedball Experience - Obscure Pop Jazz from early 70's Italian Music Library". Sie erschien Mitte der 90er als inoffizielle Pressung über Editions Giaguaro. Auf ihr findet ihr viele italienische Perlen der Production-Music.

8) David Snell - International Flight
(Big business / Wind of Change, KPM, 1973)

Für alles die es ganz genau wissen wollen: Diesen Song findet ihr auf der Platte KPM 1124, auf der hauptsächlich Keith Mansfield arrangiert hat, mit Ausnahme eines Songs von Alan Hawkshaw und David Snell. Snell komponierte zwar auch eigene Stücke, wie in diesem Fall für KPM, hauptsächlich war er aber als Studiomusiker aktiv und spielte Musik für Hawkshaw und Mansfield ein. Wenn ihr also Harfenklänge auf einem ihrer Tunes hört, dann wurden die Saiten vermutlich von Snell angeschlagen.

9) 40 Winks - Not the Destination
(It's the Trip, Project Mooncircle, 2011)

Für diese Ausgabe habe ich es mir nicht nehmen lassen auch mal etwas neueres zu spielen. Die Musik von 40 Winks fügt sich allerdings sehr gut in das sonstige Material der Sendung ein. Kein Wunder, verwendet das Produzenten-Duo aus Belgien doch gerne mal das ein oder andere Library-Sample. Wie das Original klingt, hört im im Anschluss.

10) Barrie Forgie - Dawn Mist
(Mindbender - Stringtronics, Peer International, 1972)

Bei der LP "Stringtronics - Mindbender" handelt es sich um eine der begehrtesten Library-Platten - bei Ebay wechselt sie meist für Preise um die 900 Dollar den Besitzer. Der Grund hierfür liegt sicher in den ungewöhnlichen Arrangments: Alle Songs sind nämlich für Saiteninstrumente komponiert und so hört man - von einigen Percussions zur rhythmischen Untermalung abgesehen - ausschließlich Klangkombinationen von Geigen, Celli, Gitarren, Bässen und sonstigen Chordophonen. Kein Wunder, dass diese Platte daher schon diverse Male gesampelt wurde. Von 40 Winks und DJ Vadim bis hin zu Madlib.

11) John Gregory & His Orchestra - Jaguar
(A Man for all Seasons, United Artists, 1974)

John gregory ist ein umtriebiger Filmkomponist, der seit den frühen 60ern diverse Scores in Film, Radio und Fernsehen platzieren konnte. Da scheint der Weg zur Production-Music nicht weit und doch sind mir nur wenige Aufnahmen bekannt, die er für die großen britischen Labels aufgenommen hat.

12) Paris Studio Group -  Accroche Toi, Caroline
(Voices in the Wind, Sylvester, 1967)

Bei diesem raren Jazz-Song handelt es sich um die Eröffnungsmelodie von "Vision on", einer Serie des BBC, die zwischen 1964 und 1976 lief. Sie richtete sich ironischerweise speziell an Kinder mit Taubheit.


13) Trevor Bastow - Autocue
(The Video Age, Bruton, 1980)

Wer sich ein Bisschen mit den Library-Platten der 80er Jahre beschäftigt, der wird schnell auf den Namen Bastow stoßen. Vor allem für das Label Bruton nahmen Trevor und sein Bruder Geoff abstrakte und elektronische Klanglandschaften auf. Drums sucht man meist vergebens, was angesichts der synthetischen Billig-Drums der frühen 80er aber nicht von Nachteil ist.

14) Peter Milray - Time Machine
(Nomination, Music De Wolfe, 1976)

Bereits 1909 wurde das Label Music De Wolfe in London gegründet und ist somit das mit Abstand älteste Library-Label der Musikgeschichte. Zu dieser Zeit bestand eine musikalische Vorproduktion noch darin, Musik für Stummfilme zu entwickeln und die entsprechenden Themen auf Notenblättern zu drucken. Wenn Musiker für Filmvorführungen auf diese Musik zurückgreifen wollten, konnten sie die Noten dann in sogenannten Kinematheken erwerben. Production-music auf Vinyl entwickelte sich erst in den 60er Jahren und wurde anfangs noch auf 10"-Platten vertrieben. Auch hier war das Label Music De Wolfe Vorreiter.

15) Lewis Parker - The Unseen Trap (feat. John Robinson)
(The Unseen Trap 10", Project Mooncircle, 2010)

Bereits das Cover zu dieser limitierten 10-Inch lässt erahnen, dass hier lyrisches Kopfkino im Stile der 70er Jahre geschaffen erschaffen werden soll. Produzent und Rapper Lewis Parker wählte als Grundlage seiner Zeitreise konsequenterweise Library-Musik für den Titeltrack.



16) Brian Bennett - Image
(Image, KPM, 1974)

Das Original von Brian Bennett ist der Opener zu gleichnamigen Archiv-LP von KPM. In der Plattenhülle mit dem unscheinbaren grünen Cover steckt eine gelungene Zusammenstellung mit funky und jazzy Tunes, wie man es sich von einer guten Platte dieses Genres erhofft. Ob hier wohl wieder David Snell hinter der Harfe sitzt?

17) John Saunders - Myriad
(Stretch, Music De Wolfe, 1976)

Das Label Music De Wolfe steht bei Sammlern von Archivmusik nicht ohne Grund ganz hoch im Kurs. Die LP's heben sich von vielen anderen Labels dadurch ab, dass sie nicht wahllos zusammengestellte Tracks enthalten, sondern ein bestimmtes Thema oder die gleichen Arragments haben. Sie lässt sich eine Platte bequem durchhören ohne zu merken, dass es sich nicht um ein reguläres Album, sondern eine Library-LP handelt.

18) Alan Hawkshaw - The Nightrider - Cadbury's Milk Tray
(27 Top TV Themes & Commercials, Stereo 2 Stereo, 1972)

 Alan Hawkshaw zählt unbestritten zu den Ikonen der Library Musik. Seit den 60er Jahren hat der Pianist unzählige Scores für Radio- und Fernsehsendungen komponiert, von denen der Großteil bei KPM erschienen ist. "The Investigator" ist allerdings über Themes International erschienen, einem von Library-Kollege Alan Parker gegründeten Label. Nebenher war Hawkshaw als Studiomusiker tätig und nahm unter anderem mit David Bowie, Serge Gainsbourg und Cliff Richard auf.

19) John Scott - Face of Danger / Face of Great Danger
(Thriller, Bruton, 1979)

Bruton Music ist ein britisches Label für Production Music, das von Ende der 70er bis Mitte der 80er Jahre viele Library-Platten veröffentlicht hat. Mitlerweile wurde es wie viele andere Labels von Universal aufgekauft und gehört dem Zusammenschluss Production Music Online UK an, indem über 70.000 Musiktitel verwaltet werden. Darunter befindet sich auch Musik des britischen Komponisten John Scott, der seit Beginn des Library-"Booms" Anfang der 60er Jahre für diverse Musik-Verlage wie Bruton oderKPM geschrieben hat.



Wenn ihr noch mehr Library-Musik hören möchtet und nicht bis zur nächsten Sendung im Oktober warten könnt, dann schaut im Sendearchiv nach der Juni-Ausgabe 2011. Da hatte ich bereits 60 Minuten Production-Music im Programm.

Wednesday, August 22, 2012

Sendung 18 - August 2012

Caballo meldet sich frisch erholt und mit einem Stapel neuer Platten aus dem Sommerloch zurück. Einen Teil seiner Errungenschaften stellt er euch in dieser Sendung vor. Thematisch dreht sich alles um Musik aus dem westafrikanischen Staat Nigeria. Das dieses Land in der Vergangenheit hochkarätige Releases hervorgebracht hat zeigt Caballo exemplarisch an zehn Aufnahmen. Funk, Afrobeat, Reggae, Folk, Disco, Soul, Highlife und Rock - lasst euch von der Vielfalt Nigerias überraschen!


1) The Action 13 - More Bread (to the People)
(Single, EMI, 1973)

 Eröffnet wird die Ausgabe mit einem trockenen Funk-Tune von The Action 13. Die Band, die von den Musikern Lemmy Faith und Essien Akpabio gegründet wurde, veröffentlichte lediglich zwei Singles, darunter "More Bread to the People". Erst nach einem Mitgliederwechsel gelang es der Gruppe 1975 ihr erstes Album "Groove the Funk" heraus zu bringen. Ähnlich wie The Funkees (siehe unten) sind auch The Action 13 stark von James Brown beeinflusst. Die Scheiben des Godfather of Funk sind selbst heute noch wesentlich leichter in Nigeria aufzutreiben als die Releases der einheimischen Bands.

2) Oby Onyioha - Enjoy Your Life
(I want to feel your love, Time, 1981)

Oby Onyioha ist Teil einer neuen Neuerung in der nigerianischen Popmusik, die sich Ende der 70er vollzog. Bis zu diesem Zeitpunkt war die Szene des Landes fest in männlicher Hand, weibliche Solo-Künstlerinnen gab es fast keine. Oby Onyioha war eine der ersten, die sich gegen diese Dominanz behauptete und 1981 ihre erste Platte "I want to feel your love" herausbrachte. Die LP verkaufte sich überraschend gut, sodass Onyioha für ihr Nachfolge-Album von der Musikikone King Sunny Adé Onyioha unter Vertrag genommen wurde, der sie auch produzierte.

3) Bongos Ikwue - Woman Made The Devil
(Lagos, EMI, 197?)

Der Song "Woman made the devil" steht im gegensatz zum Erfolg von Oby Onyioha. Bongos Ikwue präsentiert hier ein Stück, welches wie kaum ein anderes das männlich geprägte Frauenbild jener Zeit zum Ausdruck bringt. Frauen gelten von Natur aus als gefährlich, verkörpern Sünde und wollen Männer zu eben dieser verführen. Das Lied zeigt zudem die Verquickung dieses traditionellen Bildes mit den religiösen Vorstellungen, die vorherrschten. Zur Umsetzung wählt Bongos Ikwue einen dementsprechend konservativen Stil wie Folk. Ebenfalls ein starker Kontrast zum fröhlichen Discosound Oby Onyiohas.


4) The Funkees - Break on through
(Single B-Seite, EMI, 1973)

In den 70er Jahren war die Gruppe, die aus dem Osten des Landes stammt eine der populärsten Bands. Kein Wunder, hielten sie den Tanzboden doch bis zum Morgengrauen am Kochen - und das sieben Tage die Woche. Den Namen The Funkees wählte der Gründer harry Mosco Agada in Anlehnung an den neuen Stil aus den USA. Dabei griff die Truppe jedoch auch Stile wie Psychedelic und Rock auf und band sie in ihren Sound ein. Ihr Talent blieb nicht lange unentdeckt und so luden britische Label-Manager die Band nach London ein, wo sie bis zu ihrer Auflösung 1977 zwei Alben einspielten.

5) Cloud "7" - You can make it
(My Baby (The Best I ever had), EMI, 198?)

In den 70er Jahren entwickelte sich Reggae auf Jamaika und schwappte kurze Zeit später nach London herüber, wo sich seit jeher eine starke Reggae-Szene befindet (siehe Mai-Ausgabe). Dort kamen auch nigerianische Musiker mit dieser Musik in Kontakt und trugen sie weiter auf den afrikanischen Kontinent. Seit den 80ern ist Reggae ein wichtiger Bestandteil in der Popmusik Nigerias. Gruppen wie Cloud 7, die meines Wissens nach nur ein Album herausgebracht haben, sind heute kaum einem Hörer mehr bekannt.

6) The Mebusas - Mr. Bulldog
(Blood Brothers, Afrodisia, 1971)

Hier geht der Funk! The Mebusas feuern auf ihrem größten Hit "Mr. Bulldog" ein wahres Funk-Feuerwerk ab, wie es Vorbild James Brown nicht besser hätte machen können. Dieser Song hat alles, was ein gelungener Disco-Kracher haben muss: Dicke Bläsersätze, groovige Basslines mit trockenen Drum-Breaks, die zum Tanzen auffordern. Dazu kommen die obligatorischen Shouts von George Neuville. Was will man mehr?

7) The Lijadu Sisters - Life's gone down low
(Danger, Afrodisia, 1976)

Ruhiger als bei den Mebusas geht es auf dem Debut-Album der Lijadu Sisters zu. Das Album "Danger" ist ein mutiges Werk, welches sich nicht nur gegen die politischen Köpfe des Landes richtet und ein Ende der Korruption fordert, sondern zugleich auch die männliche Vormachtstellung in der nigerianischen Musikindustrie angreift, von der bereits die Rede war. Neben all dem verlieren sie jedoch nicht das wesentliche aus dem Auge: Die Musik. "Life's gone down low" ist ein Beispiel für den Soul, den dieses Duo in ihre Lieder fließen lässt.


8) Asiko Rock Group - Lagos City
(Asiko Rock Group, EMI, 1976)

Aufgenommen wurde das erste und einzige Album der Asiko Rock Group in den EMI Studios in Lagos - so viel ist sicher. Ansonsten lässt sich zur Band und der LP aber leider nicht viel sagen. Ich hoffe, dass die Scheibe bald remastered und neu aufgelegt wird, denn mit Preisen von bis zu 900 Euro ist es nur einigen Platten-Oligarchen möglich in den vollen Genuss dieses Albums zu kommen.

9) Eddie Okwedy - Happy Survival
(The Best of Eddie Okwedy, EMI, 197?)

Highlife – Die wohl populärste Musik des 20. Jahrhunderts in Afrika. Sie entwickelte sich in den 20er Jahren und erlebte ihren Höhepunkt in den 50ern und 60ern. Eddie Okwedy, Stammesangehöriger der Igbo aus dem Südosten Nigerias entwickelte diesen Stil weiter. Er behielt zwar den perkussiven Charakter bei, füllte diesen aber mit einer melancholischen Stimmung und drosselte das Tempo. Ein klarer Gegensatz zum sonst sehr lebensfröhlichen und tanzbaren Highlife.

10) Fela Anikulapo Kuti & Egypt 80 - Power Show
(Original Sufferhead, Arista, 1981)

Der letzt Song dieser Sendung stammt von der einflussreichsten und mit Abstand wichtigsten Person in der Musikgeschichte Nigerias: Fela Kuti. Bei einem Studienaufenthalt in England kam Kuti in Kontakt mit Jazz und fusionierte sie nach seiner Rückkehr nach Nigeria mit Highlife. Ein längerer Aufenthalt in den USA 1969 sollte die Geburtsstunde des Afrobeat werden. Hier lernte Fela Kuti berühmte Musiker wie James Brown oder Miles Davis kennen. Er traf sich mit Angela Davis, Stokely Carmichael, The Last Poets und verinnerlichte Ansichten der schwarzen Bürgerrechtsbewegung -  besonders auch ihrer militanten Strömungen . Diese Erfahrungen flossen nun in seine Musik ein. Noch in den USA nannte er seine Band Koola Lobitos in Nigeria 70 um, wenige Jahre später wurde daraus Afrika 70 (auf Grund des panafrikanischen Gedankens). Ein wichtiger Bestandteil der Band war der Drummer Tony Allen, der zusammen mit Kuti die Musik weiterentwickelte. Die Musik der Band war jetzt eine Mischung aus Funk, Jazz und afrikanischen Einflüssen: Der Afrobeat. 
Aufgrund seiner kritischen Texte erhielt er immer wieder politischen Druck seitens der Regierung, die ihn 1979 sogar zur Ausreise zwang. Nach seiner Rückkehr kurze Zeit später wurde er wegen angeblicher Devisenvergehen zu einer 5-jährigen Haftstrafe verurteilt.
Bei allen Respektsbekundungen sollte jedoch beachtet werden, dass Fela Kuti sich für konservative, afrikanische Werte starkmachte. Dies beinhaltet auch die bereits angesprochene Stellung von Frauen. Kuti sah in ihnen nicht viel mehr als "Matratzen" und heiratete unter anderem 27 seiner Sängerinnen.
In den letzten Jahren brach ein regelrechtes Afrobeat Revival aus und viele verschollen geglaubte Scheiben werden ausgegraben und neu releast. Felas Sohn Femi Kuti profitiert von diesem Trend und führt das Erbe seines Vaters auf Tourneen weltweit fort.

Wednesday, July 11, 2012

Sendung 17 - Juli 2012

In dieser Ausgabe erwarten euch 60 Minuten rare Musik, die sich thematisch um die heisseste Zeit des Jahres dreht: Boogaloo-Bands zelebrieren die "Summertime", deutsche Sängerinnen berichten von ihren Ferien-Depression und Rapper bringen Sand zum kalifornischen Strand. Freut euch auf Funk, Fusion, Kraurock und Reggae.


1. La Kabala - El cumbanchero
(La Kabala, RCA Victor, 1970)

Wer oder was sich hinter dieser LP verbirgt, weiß ich nicht. Die Plate ist mir ein Rätsel. Eines weiß ich sicher: Diejenigen, die schon einmal Musik von diesem Album gehört haben, sind bereit viel Geld auszugeben. Preise um die 750 Dollar sind so keine Seltenheit. Die Musik ist eine Mischung aus Psychedelic, Rock, Funk und Jazz. Dabei werden die Anteile über die gesamte Spielzeit variiert und mit weiblichen Vocals auf Spanisch garniert.

2. Gomorrha - Summer
(Trauma, BASF, 1971)

Gomorrha kamen aus Köln und wurden Ende der 60er Jahre von Helmut Pohl (Schlagzeug) und Eberhard Krietsch (Tasten) gegründet. Mit Ad Ochel and Ali Claudi schlossen sich gleich zwei Gitarristen der Band an. 1971 erschien auf dem BASF-Label das Debüt der Gruppe "Trauma", dessen ursprünglich in Deutsch eingesungene Originalversion verworfen wurde, um das Album nochmals mit englischen Texten einzuspielen. Dazu verpflichtete man den Sänger Peter Otten. Das Cover der Platte macht schon deutlich in welche Richtung es musikalisch geht: Progressiver, psychedelisch angehauchter Krautrock.

3. Nancy Wilson - Sunshine
(Life, Love & Harmony, Capitol, 1979)

Nancy Wilson begann ihre Karriere als Sängerin in Jazzclubs in der Umgebung von Columbus  in den 50er Jahren. Ihre ersten Schallplatten nahm sie Ende der 50er Jahre auf. In den 60ern wurde sie zu einer der populärsten Jazzsängerinnen und erhielt sogar eine eigene Fernsehshow, wo sie über die Grenzen des Jazz hinaus auch Popsongs sang, die ihre Beliebtheit nur noch größer werden ließen. Nebenher nahm sie nach wie vor Alben auf, so zum Beispiel "Life, Love & Harmony", das Ende der 70er Jahre erschien.

4. Don Sornrabeab -  Sunshine Day
(Single, ?, 197?)
Hinter diesem Cover verbirgt sich der thailändische Sänger Don Sornrabeab. Das Original stammt von der britischen Afro-Rock-Gruppe Osibisa. Ausgegraben wurde der Titel fuer das schwedische Label Subliminal Sounds, auf dem inzwischen drei Compilations mit rarer Popmusik aus Thailand erschienen ist.

5. Jackie Mittoo - Summertime
(Single, Studio One, 1967)

Die erste Version von "Summertime" in dieser Ausgabe stammt vom Jamaikaner Jackie Mittoo, dem Keyboarder und Gruendungsmitglied von The Skatalites. Als Musikdirektor des beruehmten Studio One in Kingston beeinflusste er viele Musiker jener Zeit massgeblich. Dabei beschränkte er sich jedoch nicht nur auf die engen Grenzen Jamaikas, sondern nahm auch im europäischen Reggae-Mekka London Musik auf. Ausserdem emigrierte er nach Kanada, wo er sein eigenes Label Stine-Jaq gruendete und einen Plattenladen betrieb.

6. Myka 9 - Sand to the beach
(Timetable, Mean Street, 2001)

Der aus Los Angeles stammende Rapper Myka 9 begann seine Karriere Anfang der 90er wie viele andere Underground-MC's aus der Region im Good Life Cafe. Hier konnten Dichter und Reimakrobaten ihre Werke vorstellen und sich mit anderen Kuenstlern austauschen. So entstand schliesslich die legendäre Westcoast-Crew Freestyle Fellowship, der neben Myka 9 auch Aceyalone und Self Jupiter angehören. Aus dieser Schaffensphase stammen viele Aufnahmen, die auf der Compilation "Timetable" enthalten sind.

7. Matthew Larkin Cassell - Holiday
(Pieces, Privat, 1977)

Cassell ist ein Songwriter, Vokalist und Multi-Instrumentalist aus Nordkalifornien. Seine Kompositionen mischen Elemente aus Jazz, R'n'B, Fusion and Pop. Die privatgepressten LP's, die er aufnahm, erreichten teilweise einen Verkaufswert von ueber 1700$. Aufgrund der gewachsenen Aufmerksamkeit an seinen Scheiben in den letzten Jahren, nahm das Label Stones Throw Records den Musiker unter Vertrag und veröffentlichte 2010 sämtlichte Aufnahmen.

8. Yesterdays New Quintet - Sunrays
(Yesterdays New Quintet EP, Stones Throw, 2001)

Hinter diesem Jazzquintett verbergen sich die Musiker Ahmad Miller, Monk Hughes, Malik Flavors, Joe McDuphrey und Otis Jackson Jr a.k.a. Madlib.
Na gut, tatsächlich handelt es sich ausschließlich um den HipHop-Produzenten Madlib, der sich 2001 einem neuen Projekt widmete, mit dem er erstmals Pfade fernab des Rap betrat. Dazu schuf er ein Phantom-Quintett mit eigenen Charaktären. Alle Instrumente wurden jedoch von ihm selbst eingespielt. Später veröffentlichte er sogar Solo-Alben der Künstler, so releaste Malik Flavors 2004 die EP "Ugly Beauty" - produziert von Madlib.

9. Steve Gray - Sunshine Shuffle
(Light My Fire, Bruton Music, 1978)

Das im Radio und Fernsehen sommerliche Hintergrund benötigt wird, kann man sich denken. Ein Beispiel aus den 70er Jahren findet sich auf der Library-LP "Light my fire", erschienen bei Bruton Music. Geschrieben hat den Song der Brite Steve Gray, der seine Karriere in den 60er Jahren als Studio-Pianist begann und bereits nach kurzer Zeit Musik fuer Filme und Radio schrieb. Gemeinsam mit dem Ex-Shadows Drummer Brian Bennett nahm er viele Library-Titel fuer Bruton und KPM auf.

10. Hildegard Knef - Ferienzeit
(Worum geht's hier eigentlich, Decca, 1971)

Ihre Karriere begann Hildegard Knef als Schauspielerin in den späten 40er Jahren. Für große Aufmerksamkeit sorgte sie erstmals 1950 mit einer Nacktszene in dem Film "Die Sünderin", was heftige Proteste seitens der katholischen Kirche hervorrief und damit verbunden für großen Medienrummel sorgte. Wer an ihren bekanntesten Song "Für dich soll's rote Rosen regnen" denkt, den mag dieser Umstand ueberraschen.
Der in dieser Ausgabe gespielte Titel wirft ein fuer Knef typisches Bild auf die oft so fröhlich beschriebene "Ferienzeit". In ihren Zeilen drueckt sie die Tritesse und Selbstzweifel aus, was manchmal schon destruktive, depressive Zuege annimmt.

12. V.Raeter - Summernight
(Puzzles, Augenringe unter dem dritten Auge, 2010)

Die LP "Puzzles" ist ein Beleg fuer die prosporierende Hiphop-Produzenten-Szene in Deutschland. Soweit ich weiss ist es die erste Compilation auf der ausschliesslich Instrumentalbeats gefeatured sind. Erschienen ist sie in limitierter Auflage von 500 Stueck ueber Augenringe unter dem dritten Auge. Es handelt sich um den ersten Release auf dem vom Kölner Beatarchitekten Twit One gegruendeten Label.
V.Raeter stammt aus dem Spoken View-Umfeld und hat unter anderem fuer Morlockk Dilemma und Hiob produziert. Ausserdem bildet er mit Lunte das Rap-Duo Sichtbeton.

13. Orquestra Soul - Summertime 

(Los Boogaloos, Mercury, 1967)

Summertime ist ohne Zweifel eines der wenigen Lieder, die weltweit zum Standardrepertoire jedes Jazzmusikers zählen. Inzwischen wurde das Stück, das George Gershwin 1935 für das Musical Porgy & Bess schrieb weit mehr als 2500 Mal neu interpretiert. Dies ist eines der unkonventionellen und freien Cover. Orquestra Soul spielen eine interessante Boogaloo-Version, die anfangs stark an Gershwins Original orientiert ist, dann aber aufbricht und in einen klassischen Boogaloo-Song uebergeht.

14. Quincy Jones - Summer in the City
(Single, A&M Records, 1973)

Quincy Jones ist einer der "Grossen" im internationalen Musikgeschäft. Er startete seine Karriere Anfang der 50er Jahre im Alter von 17 Jahren und schrieb bereits nach wenigen Jahren Arrangments fuer seinen Jugendfreund Ray Charles, Count Basie, Duke Ellington oder Dizzy Gillespie. Hierin zeigt sich seine enge Verbundenheit mit Jazz, den er später auch in seine Pop-Produktionen fuer Michael Jackson oder Lionel Richie hat einfliessen lassen. Der Song "Summer in the City" ist ein Cover des Mit-60er Hits von The Lovin' Spoonful. Er wurde unter anderem von The Pharcyde gesampelt. 

Wednesday, June 6, 2012

Sendung 16 - Juni '12

Dieses Mal war Caballo in der Millionenmetropole Los Angeles! Dort hat er fuer euch die groessten und interessantesten Plattenlaeden der Stadt besucht - die besten Funde wird er euch in der Sendung vorstellen. Unter anderem gibt es indische Filmmusik zu hoeren, Synthie-Gemetzel aus den spaeten 60ern, sowie Psychedelic aus dem mittleren Westen und afokubanischen Latin-Jazz.


AMOEBA RECORDS - www.amoeba.com

Think record store and you think Amoeba. Probably because it’s the largest independent record store in the world. (Some would say too large, bordering on big-box bully large, but that’s another story.) This ginormous Hollywood outpost literally has tons of albums, discs, posters and other music-related mishmash as well as constant in-store shows. As for vinyl, you’ll find plenty including limited edition, rare, out-of-print and original pressings.



Amoeba Records ist auf jeden Fall eine Pflichtadresse fuer jeden Plattenjaeger der Los Angeles besucht. Der Laden verfuegt ueber eine riesige Auswahl an Platten und CD's. Leider handelt es sich bei vielen Platten aber um Reissues und nicht um Original-Platten - vor allem, wenn es sich um rare Scheiben handelt. Was mich gestoert hat war, dass man die Scheiben nicht Probe hoeren konnte. Wer ein paar tage in der Stadt ist und sich Hollywood anguckt, der kann hier kurz (oder lang) einen Halt machen. Amoeba befindet sich im Herzen Hollywoods am Sunsert Boulevard und ist sehr einfach zu erreichen.





RECORDS LA - www.myspace.com/recordsla

Records LA isn't the oldest rekka sto' in LA. In fact, it opened in 2010. But it is the oldest school of the old school with an unpretentious DIY charm that's hard to come by these days. Located on West Adams, the vinyl-only shop is about the size of your one-bedroom apartment's closet, but owner Scott has just the stuff you're looking for when it comes to soul, jazz, R&B, disco, hip hop, reggae and other back-in-the-day rarities. Just remember: this shop is only open Thursday-Saturday.


Ich habe es bereits in der Sendung gesagt - dieser Laden ist fuer mich eine der Topadressen. Man findet hier jede menge Original-LP's aus verschiedenen Genres zu fairen Preisen. Der Laden zahelt nicht zu den groessten und so kommen hier auch nicht so viele Leute hin. Die kurzen Oeffnungszeiten tun ihr uebriges. Fuer Plattengraeber ist dieser Shop deshalb eine echte Schatzinsel, die nahezu unberuhert ist. Ein echter Geheimtip!

My Photos by Records LA




FREAKBEAT RECORDS - www.freakbeatrecords.com


Forget the 99-cent store. This old-school shop in Sherman Oaks has a 99-cent room with thousands of LPs and CDs that are restocked every day. Half the store is filled with new and used vinyl, with the rock section being the largest, and there's plenty to browse in the jazz and soul bins. There's also an 80s department with lots of flashback vinyl.


Der Laden verfuegt ueber eine ausgereifte Jazz- und Rock-Abteilung. Darueber hinaus sind die Kisten mit LP's fuer 1 Dollar nicht zu verachten. Habe dort zum beispiel eine interessante Platte von Hugh Masekela geschossen. Im gegensazy zu vielen anderen Plattenlaeden der Stadt hat man hier die Moeglichkeit die Platten in Ruhe Probe-zu-hoeren. Vielleicht kein Shop in dem man den ganzen tag verbringen kann, einen netten Nachmittag kann man sich hier aber durchaus machen. 

ORIGAMI VINYL - www.origamiorigami.com

One of the newer shops on the block (it opened in 2009), Origami Vinyl in Echo Park is the ultimate mom and pop record store for cool kids. The shop is only 400 square feet, but it packs a punch with an eclectic selection of new and used records, much of which is from local artists. (Origami is also an indie record label.) As for in-stores, everyone from Florence and the Machine to Sonic Youth and Ben Harper have taken to the stage. Good things come in small packages.

RECORD SURPLUS - www.recordsurplus.com

One of the largest sellers of used vinyl records and CDs on the West Coast, Record Surplus has a huge selection of music and collectible records that are restocked daily. The store just moved to a new location on the corner of Santa Monica and Centinela with a nice paint job, too. (Not that I judge a record store by its cover, but I do like a pretty space.) You can also find turntables and CD listening stations.

AS THE RECORD TURNS - www.astherecordturns.com

Cringe-worthy name aside, As the Record Turns is considered by many to be LA's best resource for vinyl. Once you find the actual store (it's hidden in a narrow alleyway off Hollywood Blvd) get ready to find just about any piece of vinyl you can imagine. And if it's not stockpiled in the exhaustive stacks of vinyl, then owner Kevin can probably find it for you one way or another. Just ask Jay-Z, Dr. Dre, Marilyn Manson, Steven Speilberg and about a million other famous clients for whom he's sourced music. You might pay more for what you get, but Kevin is known to give a free record to everybody who enters his store. (They're from the clearance section, but are you really gonna complain?)

Fuer alle, die noch nicht genug haben - hier sind ein paar weiterfuehrende Links zu den Shops der Stadt:

http://www.studio-nibble.com/guides/losangeles.html
http://www.scaruffi.com/music/lastore.html
http://larecord.com/news/2009/11/17/los-angeles-record-stores
http://www.dailycandy.com/los-angeles/article/89946/LA-Record-Stores-Vinyl-Stores
www.recordstoreday.com