Wednesday, July 11, 2012

Sendung 17 - Juli 2012

In dieser Ausgabe erwarten euch 60 Minuten rare Musik, die sich thematisch um die heisseste Zeit des Jahres dreht: Boogaloo-Bands zelebrieren die "Summertime", deutsche Sängerinnen berichten von ihren Ferien-Depression und Rapper bringen Sand zum kalifornischen Strand. Freut euch auf Funk, Fusion, Kraurock und Reggae.


1. La Kabala - El cumbanchero
(La Kabala, RCA Victor, 1970)

Wer oder was sich hinter dieser LP verbirgt, weiß ich nicht. Die Plate ist mir ein Rätsel. Eines weiß ich sicher: Diejenigen, die schon einmal Musik von diesem Album gehört haben, sind bereit viel Geld auszugeben. Preise um die 750 Dollar sind so keine Seltenheit. Die Musik ist eine Mischung aus Psychedelic, Rock, Funk und Jazz. Dabei werden die Anteile über die gesamte Spielzeit variiert und mit weiblichen Vocals auf Spanisch garniert.

2. Gomorrha - Summer
(Trauma, BASF, 1971)

Gomorrha kamen aus Köln und wurden Ende der 60er Jahre von Helmut Pohl (Schlagzeug) und Eberhard Krietsch (Tasten) gegründet. Mit Ad Ochel and Ali Claudi schlossen sich gleich zwei Gitarristen der Band an. 1971 erschien auf dem BASF-Label das Debüt der Gruppe "Trauma", dessen ursprünglich in Deutsch eingesungene Originalversion verworfen wurde, um das Album nochmals mit englischen Texten einzuspielen. Dazu verpflichtete man den Sänger Peter Otten. Das Cover der Platte macht schon deutlich in welche Richtung es musikalisch geht: Progressiver, psychedelisch angehauchter Krautrock.

3. Nancy Wilson - Sunshine
(Life, Love & Harmony, Capitol, 1979)

Nancy Wilson begann ihre Karriere als Sängerin in Jazzclubs in der Umgebung von Columbus  in den 50er Jahren. Ihre ersten Schallplatten nahm sie Ende der 50er Jahre auf. In den 60ern wurde sie zu einer der populärsten Jazzsängerinnen und erhielt sogar eine eigene Fernsehshow, wo sie über die Grenzen des Jazz hinaus auch Popsongs sang, die ihre Beliebtheit nur noch größer werden ließen. Nebenher nahm sie nach wie vor Alben auf, so zum Beispiel "Life, Love & Harmony", das Ende der 70er Jahre erschien.

4. Don Sornrabeab -  Sunshine Day
(Single, ?, 197?)
Hinter diesem Cover verbirgt sich der thailändische Sänger Don Sornrabeab. Das Original stammt von der britischen Afro-Rock-Gruppe Osibisa. Ausgegraben wurde der Titel fuer das schwedische Label Subliminal Sounds, auf dem inzwischen drei Compilations mit rarer Popmusik aus Thailand erschienen ist.

5. Jackie Mittoo - Summertime
(Single, Studio One, 1967)

Die erste Version von "Summertime" in dieser Ausgabe stammt vom Jamaikaner Jackie Mittoo, dem Keyboarder und Gruendungsmitglied von The Skatalites. Als Musikdirektor des beruehmten Studio One in Kingston beeinflusste er viele Musiker jener Zeit massgeblich. Dabei beschränkte er sich jedoch nicht nur auf die engen Grenzen Jamaikas, sondern nahm auch im europäischen Reggae-Mekka London Musik auf. Ausserdem emigrierte er nach Kanada, wo er sein eigenes Label Stine-Jaq gruendete und einen Plattenladen betrieb.

6. Myka 9 - Sand to the beach
(Timetable, Mean Street, 2001)

Der aus Los Angeles stammende Rapper Myka 9 begann seine Karriere Anfang der 90er wie viele andere Underground-MC's aus der Region im Good Life Cafe. Hier konnten Dichter und Reimakrobaten ihre Werke vorstellen und sich mit anderen Kuenstlern austauschen. So entstand schliesslich die legendäre Westcoast-Crew Freestyle Fellowship, der neben Myka 9 auch Aceyalone und Self Jupiter angehören. Aus dieser Schaffensphase stammen viele Aufnahmen, die auf der Compilation "Timetable" enthalten sind.

7. Matthew Larkin Cassell - Holiday
(Pieces, Privat, 1977)

Cassell ist ein Songwriter, Vokalist und Multi-Instrumentalist aus Nordkalifornien. Seine Kompositionen mischen Elemente aus Jazz, R'n'B, Fusion and Pop. Die privatgepressten LP's, die er aufnahm, erreichten teilweise einen Verkaufswert von ueber 1700$. Aufgrund der gewachsenen Aufmerksamkeit an seinen Scheiben in den letzten Jahren, nahm das Label Stones Throw Records den Musiker unter Vertrag und veröffentlichte 2010 sämtlichte Aufnahmen.

8. Yesterdays New Quintet - Sunrays
(Yesterdays New Quintet EP, Stones Throw, 2001)

Hinter diesem Jazzquintett verbergen sich die Musiker Ahmad Miller, Monk Hughes, Malik Flavors, Joe McDuphrey und Otis Jackson Jr a.k.a. Madlib.
Na gut, tatsächlich handelt es sich ausschließlich um den HipHop-Produzenten Madlib, der sich 2001 einem neuen Projekt widmete, mit dem er erstmals Pfade fernab des Rap betrat. Dazu schuf er ein Phantom-Quintett mit eigenen Charaktären. Alle Instrumente wurden jedoch von ihm selbst eingespielt. Später veröffentlichte er sogar Solo-Alben der Künstler, so releaste Malik Flavors 2004 die EP "Ugly Beauty" - produziert von Madlib.

9. Steve Gray - Sunshine Shuffle
(Light My Fire, Bruton Music, 1978)

Das im Radio und Fernsehen sommerliche Hintergrund benötigt wird, kann man sich denken. Ein Beispiel aus den 70er Jahren findet sich auf der Library-LP "Light my fire", erschienen bei Bruton Music. Geschrieben hat den Song der Brite Steve Gray, der seine Karriere in den 60er Jahren als Studio-Pianist begann und bereits nach kurzer Zeit Musik fuer Filme und Radio schrieb. Gemeinsam mit dem Ex-Shadows Drummer Brian Bennett nahm er viele Library-Titel fuer Bruton und KPM auf.

10. Hildegard Knef - Ferienzeit
(Worum geht's hier eigentlich, Decca, 1971)

Ihre Karriere begann Hildegard Knef als Schauspielerin in den späten 40er Jahren. Für große Aufmerksamkeit sorgte sie erstmals 1950 mit einer Nacktszene in dem Film "Die Sünderin", was heftige Proteste seitens der katholischen Kirche hervorrief und damit verbunden für großen Medienrummel sorgte. Wer an ihren bekanntesten Song "Für dich soll's rote Rosen regnen" denkt, den mag dieser Umstand ueberraschen.
Der in dieser Ausgabe gespielte Titel wirft ein fuer Knef typisches Bild auf die oft so fröhlich beschriebene "Ferienzeit". In ihren Zeilen drueckt sie die Tritesse und Selbstzweifel aus, was manchmal schon destruktive, depressive Zuege annimmt.

12. V.Raeter - Summernight
(Puzzles, Augenringe unter dem dritten Auge, 2010)

Die LP "Puzzles" ist ein Beleg fuer die prosporierende Hiphop-Produzenten-Szene in Deutschland. Soweit ich weiss ist es die erste Compilation auf der ausschliesslich Instrumentalbeats gefeatured sind. Erschienen ist sie in limitierter Auflage von 500 Stueck ueber Augenringe unter dem dritten Auge. Es handelt sich um den ersten Release auf dem vom Kölner Beatarchitekten Twit One gegruendeten Label.
V.Raeter stammt aus dem Spoken View-Umfeld und hat unter anderem fuer Morlockk Dilemma und Hiob produziert. Ausserdem bildet er mit Lunte das Rap-Duo Sichtbeton.

13. Orquestra Soul - Summertime 

(Los Boogaloos, Mercury, 1967)

Summertime ist ohne Zweifel eines der wenigen Lieder, die weltweit zum Standardrepertoire jedes Jazzmusikers zählen. Inzwischen wurde das Stück, das George Gershwin 1935 für das Musical Porgy & Bess schrieb weit mehr als 2500 Mal neu interpretiert. Dies ist eines der unkonventionellen und freien Cover. Orquestra Soul spielen eine interessante Boogaloo-Version, die anfangs stark an Gershwins Original orientiert ist, dann aber aufbricht und in einen klassischen Boogaloo-Song uebergeht.

14. Quincy Jones - Summer in the City
(Single, A&M Records, 1973)

Quincy Jones ist einer der "Grossen" im internationalen Musikgeschäft. Er startete seine Karriere Anfang der 50er Jahre im Alter von 17 Jahren und schrieb bereits nach wenigen Jahren Arrangments fuer seinen Jugendfreund Ray Charles, Count Basie, Duke Ellington oder Dizzy Gillespie. Hierin zeigt sich seine enge Verbundenheit mit Jazz, den er später auch in seine Pop-Produktionen fuer Michael Jackson oder Lionel Richie hat einfliessen lassen. Der Song "Summer in the City" ist ein Cover des Mit-60er Hits von The Lovin' Spoonful. Er wurde unter anderem von The Pharcyde gesampelt. 

Wednesday, June 6, 2012

Sendung 16 - Juni '12

Dieses Mal war Caballo in der Millionenmetropole Los Angeles! Dort hat er fuer euch die groessten und interessantesten Plattenlaeden der Stadt besucht - die besten Funde wird er euch in der Sendung vorstellen. Unter anderem gibt es indische Filmmusik zu hoeren, Synthie-Gemetzel aus den spaeten 60ern, sowie Psychedelic aus dem mittleren Westen und afokubanischen Latin-Jazz.


AMOEBA RECORDS - www.amoeba.com

Think record store and you think Amoeba. Probably because it’s the largest independent record store in the world. (Some would say too large, bordering on big-box bully large, but that’s another story.) This ginormous Hollywood outpost literally has tons of albums, discs, posters and other music-related mishmash as well as constant in-store shows. As for vinyl, you’ll find plenty including limited edition, rare, out-of-print and original pressings.



Amoeba Records ist auf jeden Fall eine Pflichtadresse fuer jeden Plattenjaeger der Los Angeles besucht. Der Laden verfuegt ueber eine riesige Auswahl an Platten und CD's. Leider handelt es sich bei vielen Platten aber um Reissues und nicht um Original-Platten - vor allem, wenn es sich um rare Scheiben handelt. Was mich gestoert hat war, dass man die Scheiben nicht Probe hoeren konnte. Wer ein paar tage in der Stadt ist und sich Hollywood anguckt, der kann hier kurz (oder lang) einen Halt machen. Amoeba befindet sich im Herzen Hollywoods am Sunsert Boulevard und ist sehr einfach zu erreichen.





RECORDS LA - www.myspace.com/recordsla

Records LA isn't the oldest rekka sto' in LA. In fact, it opened in 2010. But it is the oldest school of the old school with an unpretentious DIY charm that's hard to come by these days. Located on West Adams, the vinyl-only shop is about the size of your one-bedroom apartment's closet, but owner Scott has just the stuff you're looking for when it comes to soul, jazz, R&B, disco, hip hop, reggae and other back-in-the-day rarities. Just remember: this shop is only open Thursday-Saturday.


Ich habe es bereits in der Sendung gesagt - dieser Laden ist fuer mich eine der Topadressen. Man findet hier jede menge Original-LP's aus verschiedenen Genres zu fairen Preisen. Der Laden zahelt nicht zu den groessten und so kommen hier auch nicht so viele Leute hin. Die kurzen Oeffnungszeiten tun ihr uebriges. Fuer Plattengraeber ist dieser Shop deshalb eine echte Schatzinsel, die nahezu unberuhert ist. Ein echter Geheimtip!

My Photos by Records LA




FREAKBEAT RECORDS - www.freakbeatrecords.com


Forget the 99-cent store. This old-school shop in Sherman Oaks has a 99-cent room with thousands of LPs and CDs that are restocked every day. Half the store is filled with new and used vinyl, with the rock section being the largest, and there's plenty to browse in the jazz and soul bins. There's also an 80s department with lots of flashback vinyl.


Der Laden verfuegt ueber eine ausgereifte Jazz- und Rock-Abteilung. Darueber hinaus sind die Kisten mit LP's fuer 1 Dollar nicht zu verachten. Habe dort zum beispiel eine interessante Platte von Hugh Masekela geschossen. Im gegensazy zu vielen anderen Plattenlaeden der Stadt hat man hier die Moeglichkeit die Platten in Ruhe Probe-zu-hoeren. Vielleicht kein Shop in dem man den ganzen tag verbringen kann, einen netten Nachmittag kann man sich hier aber durchaus machen. 

ORIGAMI VINYL - www.origamiorigami.com

One of the newer shops on the block (it opened in 2009), Origami Vinyl in Echo Park is the ultimate mom and pop record store for cool kids. The shop is only 400 square feet, but it packs a punch with an eclectic selection of new and used records, much of which is from local artists. (Origami is also an indie record label.) As for in-stores, everyone from Florence and the Machine to Sonic Youth and Ben Harper have taken to the stage. Good things come in small packages.

RECORD SURPLUS - www.recordsurplus.com

One of the largest sellers of used vinyl records and CDs on the West Coast, Record Surplus has a huge selection of music and collectible records that are restocked daily. The store just moved to a new location on the corner of Santa Monica and Centinela with a nice paint job, too. (Not that I judge a record store by its cover, but I do like a pretty space.) You can also find turntables and CD listening stations.

AS THE RECORD TURNS - www.astherecordturns.com

Cringe-worthy name aside, As the Record Turns is considered by many to be LA's best resource for vinyl. Once you find the actual store (it's hidden in a narrow alleyway off Hollywood Blvd) get ready to find just about any piece of vinyl you can imagine. And if it's not stockpiled in the exhaustive stacks of vinyl, then owner Kevin can probably find it for you one way or another. Just ask Jay-Z, Dr. Dre, Marilyn Manson, Steven Speilberg and about a million other famous clients for whom he's sourced music. You might pay more for what you get, but Kevin is known to give a free record to everybody who enters his store. (They're from the clearance section, but are you really gonna complain?)

Fuer alle, die noch nicht genug haben - hier sind ein paar weiterfuehrende Links zu den Shops der Stadt:

http://www.studio-nibble.com/guides/losangeles.html
http://www.scaruffi.com/music/lastore.html
http://larecord.com/news/2009/11/17/los-angeles-record-stores
http://www.dailycandy.com/los-angeles/article/89946/LA-Record-Stores-Vinyl-Stores
www.recordstoreday.com

Sunday, May 13, 2012

Sendung 15 - Mai '12

Der Inselstaat Jamaika zählt nicht einmal drei Millionen Einwohner. Die Musikkultur ist jedoch so vielfältig und eigenständig wie in kaum einem anderen Land: Ob Reggae, Ska, Calypso oder Funk und Jazz - es lassen sich etliche Stile auf der Insel finden. Zeit für Caballo einen näheren Blick auf die Musikszene zu werfen. An seiner Seite, Rob Kenius, Pionier der deutschen Reggae-Szene, der mit seiner Gruppe Taugenixe die erste deutsche Reggae-LP aufgenommen hat.
1) The Marvels - Rock Steady
(Single, Pama Supreme, 1971)

Die Mai-Ausgabe startet mit der funkigen Rocksteady-Nummer "Rock Steady" von The Marvels. Hinter diesem Aretha Franklin-Cover verbirgt sich ein Trio von Studiosaengerinnen, die sich 1964 zusammenschlossen um aus der Anonymitaet hervorzutreten.
Rocksteady ist eine Mischung aus R&B, Jazz. im Falle der Marvels Funk und Ska. Besonders die offbeat-gespielten Staccato-Akkord, gespielt von der Rhythmusgitarre sind typisch - nicht nur fuer Rocksteady, sondern jamaikanische Musik generell.

2) Truth, Fact & Correct - Babylon deh pon fire
(Single, Upsetter, 1976)

Dieser Song wurde produziert von der Reggae-Legende Lee "Scratch" Perry. Er ist einer derwichtigsten  Reggaeproduzenten Jamaikas und hat in den späten 60ern den Dub-Stil, bei der Roots Reggae mit Effekten überlagert und abgemischt wird, entscheidend geprägt. Die Single wurde in seinem Black Ark Studio aufgenommen, das seit der Gründung 1973 zu einem zentralen Ort der jamaikanischen Musikszene geworden war.Perry ist nach wie vor aktiv und begeistert seine Fans weltweit mit seinen Liveauftritten:

3) Ramon & The Crystalites - Golden Chickens
(Single, Song Bird, 1971)

Viele Informationen lassen sich nicht finden zu dieser raren Single von Ramon & The Crystalites. Produziert wurde der Song von Derrick Marriott, der Anfang der 70er als einer der ersten Musiker mit King Tubby zusammen arbeitete. Gehandelt wird die Single zwischen 50 und 100 Dollar.


4) King Tubby & The Agrovators - Dub of Rights
(Rod of Correction, Clock Tower, 197?)

King Tubby ist eine der wichtigsten Figuren in der Entwicklung des Dub. Nachdem er anfangs als Radio- und Fernsehtechniker an allen Geraeten herumbastelte die ihm in die Hände fielen, baute er sich Ende der 60er seine eigene Soundanlage. Ausgestattet mit verschiedenen Chorus- und Delayeffekten gelang es ihm schnell einen Sound zu kreieren, der sich von den üblichen Soundsystems Jamaicas abhob.
Der erste Dub-Track von Tubby entstand mehr durch Zufall, Duke Reid versehentlich Teile der Vocalspur eines Tunes wegließ. Eine andere Erklärung besagt, er ließ die Musikspur (zu jener Zeit wurde noch im Zweispurverfahren aufgenommen) mit Absicht für ein paar Takte weg, um zu kontrollieren, ob der Sänger auch tatsächlich den Ton getroffen hatte. Ihm jedoch gefiel dieser "Fehler" so sehr, dass er begann, eine eigene Musikrichtung daraus zu entwickeln.


5) Lennie Hibbert - Rose Len
(Creation, Studio One, 1969)

Das Debut-Album "Creation" von Lennie Hibbert unterschiedet sich in Teilen deutlich von den meisten Releases Jamaikas. Besonders "Rose Len" sticht durch die jazzige Klangfärbung und Hibberts Vibraphonspiel hervor. Erlernt hat Hibbert dieses Instrument als Autodidakt in den 40er Jahren, als er in einer jamaikanischen Militärkapelle als Schlagzeuger angestellt war.
Das Studio One, in dem die Aufnahmen entstanden sind wird häufig als "Motown of Jamaica" bezeichnet. Denn ähnlich dem Detroiter Soullabel war hier das Herz von Kingston's Hitschmiede, wo das Who is Who der Reggae-Szene aufnahm: Von den Skatalites, über Bob Marley bis hin zu Jimmy Cliff.
                                            

6) Samson the lark - Undemocratic Rhodesia
(Single B-Seite, Jump Up, 1971)

Noch so eine obskure No-Name-Single. Die Single-B-Seite "Undemocratic Rhodesia" ist wohl der einzige Titel den Samson the Lark herausgebracht hat. Selbst die A-Seite stammt nicht von ihm, sondern von Mister Calypson. Produziert wurden beide Songs von Ed Shaw, arrangiert von Neville Sampson.

7) Tommy McCook & his Skatalites - Silver Dollar
(Single, Treasure Isle, 1964)

The Skatalites ist die wichtigste Band in der Geschichte des Ska. Die Gruppe gründete sich 1963 auf Initiative von Tommy McCook. In dieser Zeit spielten sie nahezu alle Stücke ein, auf deren Grundlage Vocalists wie Bob Marley, Peter Tosh und Jimmy Cliff dem neugewonnenen Selbstbewusstsein des 1962 unabhängig gewordenen Jamaikas Ausdruck verliehen. Alle Mitglieder, darunter Roland Alphonso, Don Drummond und Jackie Mittoo, besuchten die Alpha Boys Catholic School, einem mitten im West-Kingstoner Ghetto gelegenen Internat für schwer erziehbare Kinder, dessen strenge Ausbildung an die klassische europäische Musik angelehnt war. Absolventen dieser Schule spielten bereits in den Fünfziger-Jahren in eigenen Bands und tourten mit ihrer Interpretation von Jazz durch verschiedene Clubs und Bars, andere wurden als Studiomusiker engagiert. Auf jene kleine Gruppe von Musikern konzentrierte sich auch die Herausbildung des Ska.

8) Toots & The Maytals - Funky Kingston
(Funky Kingston, Dragon, 1973)

Toots & The Maytals sind Kult in Jamaika. Sie halten dort den Rekord mit 31 Nummer-Eins Hits, noch vor Bob Marley & The Wailers. Ihre Karriere begannen sie mit Ska-geprägter Musik Anfang der 60er Jahre. In den späten 60ern erfolgte ein Umbruch in ihrer Musik und die Gruppe wandte sich mehr dem Rocksteady zu. Die LP "Funky Kingston" das erste Album der Band, das nicht aus zuvor releastem Single-Material besteht. Der Titelsong ist eine Synthese aus populärem Funk mit Reggae. In den USA wurde das Album in einer abgewandelten Version erst zwei Jahre nach dem offiziellen Realease-Datum veröffentlicht, schaffte es aber lediglich auf Platz 164 in den Billboard Charts.
Dies bestätigt wie unpopulär Reggae noch in den 70ern war.

9) Taugenixe - Reggae Ron
(Reggae Ron, Ariwa, 1984)

Eine kleine Randnotiz zu diesem Song für alle Nerds: Als die Taugenixe "Reggae Ron" bei Mad Prof recordeten inspirierten sie die Sängerin Sandra Cross zu der Single Mr. President Man. Sandra Cross befand sich zu diesem Zeitpunkt mit im Studio. Ihr Bruder spiele für die Taugenixe Schlagzeug. Der Präsident, der in beiden Liedern angesprochen wird ist im Übrigen niemand anderes als Ronald Reagan, welcher wegen seiner harten Haltung im Ost-West-Konflikt viele Kritiker auf sich zog.


10) Mad Professor - Natural Vegetation
(Dub me Crazy Pt. 3 - African Connection, Ariwa, 1983)

Mad Professor, bürgerlich Neil Joseph Stephen Fraser ist ein Musikproduzent und eine einflussreiche Persönlichkeit in der Entwicklung des Reggae und Dub. Seit seinem 13. lebensjahr lebt und arbeitet er in London, wo er die Reggaeszene wie kein anderer geprägt hat. Er veröffentlichte seit 1979 über 130 Alben und gilt als einer der wichtigsten Produzenten in der 2. Generation des Dub-Reggae. Mit mehr als zwei Alben pro Jahr ist er außergewöhnlich produktiv und produzierte unter anderem mit den Reggae-Veteranen wie Lee Perry zusammen. Wie Rob Kenius im interview berichtet spielt er auch eine Schlüsselrolle für die Anfänge des deutschen Reggae. Sein Stil ist geprägt durch Echos, gekonnten Umgang mit verschiedenen Effekten sowie einen äußerst dynamischen Beat.


11)  Taugenixe - German Luv
(Reggae Ron, Ariwa, 1984)

Randnotiz für Nerds, Teil 2: Nach dem der Erfolg für die Taugenixe ausblieb, versuchte die Gruppe es in anderer Besetzung und mit neuem Namen noch einmal und nahm zwei Jahre später noch einmal mit Mad Professor auf. Unter dem Titel Mad Professor meets Puls der Zeit erschien eine LP, auf der sich der Titel Zaire befindet - eine abgewandelte Version von "German Luv".

12) Wayne Smith - (Under me) Sleng teng
(Sleng Teng, Greensleeves, 1986)

 
Bei dieser Single handelt es sich um den ersten Dancehall-Hit der Geschichte. Prince Jammy ist der Mann, der verantwortlich ist für den ersten vollständig elektronisch produzierten Song Jamaikas. Gelernt hat Jammy bei niemand geringerem als King Tubby. Nachdem ihm die Mixe seines Schützlings jedoch zu ausgefallen wurden, baute der Prince sich sein eigenes Reich auf. Das jamaikanische Tanzvolk dankte es ihm und feierte stundenlang zu Wayne Smiths "Sleng Teng":



13) Boris Gardiner - Negril
(Every Nigger is a Star, Leal, 1973)

Sänger, Songwriter und Bassgitarrist Boris Gardiner ist verantwortlich für einen der wenigen jamaikanischen Original-Soundtracks. Dementsprechend wertvoll ist die Platte und wird für etwa 600 Dollar gehandelt. Von dem Blaxploitation-Film selbst sind mir keine Informationen bekannt, es lässt sich kein Trailer zu dem Streifen auftreiben. Offenbar handelt es sich hierbei um den Versuch den abwertenden Begriff "Nigger" umzukehren und ihn als Symbol für eine positive, selbstbewusste Einstellung bezüglich der eigenen Hautfarbe zu verwenden. Eine Idee, die sich in vielen Blaxploitation-Filmen wiederfinden lässt.

Tuesday, April 3, 2012

Sendung 14 - April '12

Amerikanische Soulstars singen ihre Hits auf deutsch? Schlagersänger versuchen sich im Samba? The Doors kriegen statt E-Gitarren indische Sitars in die Hand gedrückt? Ganz genau. Caballo hat tief in staubigen Plattenkisten gegraben und für euch über ein Dutzend seltene und außergewöhnliche Neuinterpretationen zusammen gestellt. Freut euch auf 60 Minuten bekannter Songs, wie ihr sie so noch nie gehört habt.


1) East of Underground - (Don't worry) If there's a hell below we're all going to go
(East of Underground, The United States Special Services Agency, 1971)

Bei diesem Album handelt es sich um eine absolute Kuriosität, denn es wurde nicht von einer herkömmlichen Funkband aufgenommen, sondern von U.S. Soldaten, die es während ihrer Stationierung in Frankfurt aufnahmen. Für dieses Projekt qualifizierte sich die Gruppe, indem sie den ersten und zweiten "Original Magnificent Special Services Entertainment Showband Contest" gewannen, veranstaltet von der U.S. Army. Da Aufnahmemöglichkeiten rar gesäht waren, recordeten East of Underground die LP in den Studios des American Forces Network.

2) Payom Moogda - Tamai dern sae
(Single, ???, 196?)

Diese rare Single des thailändischen Sängers Payom Moogda ist mir ein Rätsel. Mir ist weder ein ein anderer Release des Künstlers bekannt, noch konnte ich etwas über das Label in Erfahrung bringen. Im netz findet man keinerlei Informationen zu dem Titel. Dem ein oder anderen mag er von der "Thai beat a go-go"-Compilation bekannt sein. Mir gefällt die Version, weil Ray Charles' Rhythm & Blues-Klassiker "What I'd say" hier sehr energetisch neuvertont wird. Infos zu dieser Scheibe bitte an meine Mailadresse.



3) Mary Roos - Blauer Montag
(Mary Roos, CBS / Stern Musik, 1970)

Bereits mit neun Jahren nahm Roos ihre erste Schallplatte auf. "Ja die Dicken sind so gemütlich" wurde 1958 veröffentlicht, wie die weiteren Schallplatten in den Jahren 1958/59 unter ihrem bürgerlichen Vornamen Rosemarie. Sie sang sich durch Werbeschallplatten, Gesangs- und Talentwettbewerbe und auf Schlagerfestivals. Der Durchbruch gelang ihr 1970 mit dem Titel "Arizona Man". Von der gleichen LP stammt der einzige Samba-Titel mit deutschem text, den ich kenne. Inspiriert von Jorge Ben's Hit "Mas que Nada" nahm sie ihre Version "Blauer Montag" auf. Ob ihr dazu mitgrooven oder herzlich lachen wollt, bleibt euch überlassen.

4) Ananda Shankar - Light my fire
(Ananda Shankar, Reprise, 1970)

East meets West lautet der Arbeitstitel für das Genre, dass Ananda Shankar mit seiner Fusion aus indischen Klängen und westlicher Musik mitbegründet hat. Es muss ein völlig neues Klangerlebnis für die Zuhörer im Jahr 1970 gewesen sein, denn bis dahin kannte man die Sitar fast ausschließlich als Instrument traditionaller Musik Indiens. Selbst heute hinterlässt die Mischung aus Moog Synthies und Sitar einen bleibenden Eindruck. Hier ein Auszug aus den Liner Notes:
"His Name Is Ananda. He's a young man with a sitar and a dream and his name means peace and joy. He's as Indian as the tradition in which he recieved his education as a classical musician.
But he's excited about Led Zeppelin and Janis Joplin and electronic music. "
5) Aguaturbia - Alguien para amar
(Aguaturbia, Arena, 1969)

Aguaturbia ist eine der wichtigsten und innovativsten Psychedelic-Rock Gruppen aus Chile. Das Quartett wurde 1968 gegründet und machte sich binnen kürzester Zeit einen Namen weit über die Grenzen des Landes hinaus. Dabei war das provokante Cover ihrer ersten LP, auf dem die Band-Mitglieder nackt abgebildet sind, sicherlich nicht von Nachteil. Das Album erschien in limitierter Auflage mit 300 Exemplaren.


6) The Lancasters - Satan's Holiday
(Earthquake Single, Titan, 1964)

Die Surfgruppe The Lancasters nahmen diesen Titel für den amerikanischen Markt in London auf. Die Gitarre spielt niemand geringeres als der junge Ritchie Blackmore, der später mit Deep Purple in die Hall of Fame des Rock einging. Bei dem Originalsong handelt es sich um "In der Halle des Bergkönigs", den Edvard Grieg 1876 für Ibsen's Peer Gynt komponierte. Das Stück aus der Suite Nr.1, Op. 46 ist der mit Abstand bekannteste Titel des norwegischen Pianisten, der einer der bekanntesten Komponisten der Romantik ist.

7) Roland Alphonso - James Bond
(Single, Island, 1965)

Geborgen 1931 in Havanna, Kuba, zog Roland Alphonso im Alter von zwei Jahren nach Jamaica, wo der die Musik des Inselstaates bis in die 80er hinein entscheidend mitprägte. Neben seinem Saxaphonspiel auf diversen Ska- und Reggae-Aufnahmen, war er auch als Arrangeur während Recordingsessions teil. Nachdem sich die Band The Skatalites 1965 auflöste, formte er die Supergroup Soul Brothers, in der auch der legendäre Keyboarder Jackie Mittoo mitspielte. Gemeinsam wirkten sie an vielen Klassikern des Studio one mit.

8) Baron Zen - Burn Rubber (Dam Funk Remix)
(Hella International, Stones Throw, 2009)

Das Orignal zu diesem Elektrofunk-Remix stammt von der Funkgruppe The GAP Band, die den Song unter dem Titel "Burn rubber on me" aufnahm. Ende der 80er war es der Punkrock- und Disco-Interpret Baron Zen, der sich zu einer Neuvertonung berufen fühlte. Diese wurde aber erst 2007 auf dem Label Stones Throw releast. Zwei Jahre später nahm sich Dam Funk den Song zur Brust und produzierte einen tanzbaren Remix für die Festival Compilation "Hella International".



9) Los Destellos - Para Elisa
(En orbita, Tempsa, 1968)

Im vergangenen November habe ich bereits einen Titel von Enrique Delgado's Los Destellos gespielt. Die Gruppe gilt als eine der wichtigsten Cumbia-Gruppen und vor allem ihr Frontmann hatte in Peru schon zu Lebzeiten den Legendenstatus inne. Er trieb nicht nur die Entwicklung des Rocks in Peru voran, sondern entwickelte vor allen anderen den peruanischen Cumbia. Diese Version von Beethoven's "Für Elise" zeigt, wie weit seine musikalischen Wurzeln reichten und wie gut er sich darin verstand diverse Einflüsse mit traditioneller Musik aus Peru zu verweben.


10) The Gimmicks - California Soul
(In Acapulco, 1971, Karussell)

Dieses Original ist wahrscheinlich der unbekannteste Song in der April-Ausgabe. Ich konnte aber nicht widerstehen, dieses internationale Cover in der Sendung zu spielen: Eine Soulgruppe aus Schweden spielt mit einer mexikanischen Combo in Acapulco einen amerikanischen Song neu ein. Das Resultat ist eine interessante Mischung musikalischer Einflüsse dreier Kontinente. Europäischer Latin-Soul!

11) Dionne Warwick - Geh vorbei
(Single, Vogue, 1965)

The Beatles, Elvis, Johnny Cash - sie alle nahmen Songs auf deutsch auf um den hiesigen Fans Tribut zu zollen. Und um leichter auf dem hiesigen Musikmarkt Fuß fassen zu können. Auch Soulinterpretin Dionne Warwick recordete in den 60ern eine Version ihres Welthits "Walk on by" in deutscher Sprache. Die Single ist heute fast völlig in Vergessenheit geraten. Daher freue ich mich sehr, euch diese rare Perle präsentieren zu können. Im Gegensatz zu vielen anderen Covern dieser Art, ist diese Neuaufnahme gelungen und kann es mit der Originalversion aufnehmen.



12) Kathleen Eremy - Sometimes I feel like a motherless child
(Single, Love, 1970)

Spirituals sind Songs, die in den USA mit Beginn der Sklaverei ab dem 16. Jahrhundert entstanden. Die überlieferten Spiritual-Texte sind fast ausschließlich religiösen Inhalts und erzählen aus dem Leben geschlagener, geschundener und sehnsüchtiger Menschen - den Sklaven. Ein Beispiel hierfür ist der Spiritual "Sometimes I feel like a motherless child", den Kathleen Emery 100 Jahre nach dem Entstehen neu aufnahm. Inspiriert wurde der Song vom Schicksal vieler Skalven, die als Babys oder Kleinkinder von ihren Müttern weggenommen wurden und an fremde Farmbesitzer verkauft wurden.

13) Rahsaan Roland Kirk - Ain't no Sunshine
(Balcknuss, Atlantic, 1972)

Bill Withers Evergreen wurde unzählige Male neuvertont. Die Version vom Jazzmusiker Rashaan Roland Kirk hat mir mit seinem Mark-durchdringenden Flötenspiel tief berührt. Seine Musik ist gekennzeichnet durch die nahtlose und scheinbar selbstverständliche Verbindung sowohl traditioneller als auch sehr moderner Spielweisen des Jazz. Er mischt verschiedene Spieltechniken aus dem Bebop, Freejazz und Soul Jazz. Das Resultat ist eine unverwechselbare Interpretation des Soul-Klassikers.

14) Walter Carlos - Eleanor Rigby
(By Request, Columbia, 1975)

"By request" ist das letzte Album, dass unter dem Namen Walter Carlos erschienen ist. In 1979 unterzog sich Walter Carlos nämlich einer Geschlechtsoperation und tritt seitdem als Wendy Carlos in Erscheinung. Dies macht es für Cratedigger einfach, die Original- von der nachpressung zu unterscheiden, denn auf den neueren Plattencovern wurde der Originalname ebenfalls in Wendy umgewandelt. Ende der 60er Jahre entschied sich Wendy Carlos ihre Liebe zur Physik und dem Klavierspielen zusammen zu bringen und ein Album aufzunehmen, dass ausschließlich mit gerade erst entwickelten Moog Synthesizer aufzunehmen. Das Album "Switched-on Bach" wurde als Meilenstein der elektronischen Musik gefeiert und leistete einen wichtigen Beitrag zur Akteptanz dieser Musik.



15) Hypnotic Brass Ensemble - Water
(The Heritage EP, Choice Cuts, 2010)

Der letzte Song dieser Ausgabe von DITC featured einen Titel des Afrobeat-Begründers Fela Kuti. In den letzten Jahren brach ein regelrechtes Afrobeat Revival aus und viele verschollen geglaubte Scheiben werden ausgegraben und neu releast. Im Zuge dieses neuerwachten Interesses veröffentlichte das Hypnotic Brass Ensemble eine Neuinterpretation von Kuti's "Water no get enemy" auf ihrer limitierten Heritage EP. Dabei zollen sie dem aus Nigeria stammenden Musiker Tribut mit einer Version, die abgesehen von einem Drumgroove ausschließlich mit Blasinstrumenten auskommt.



Friday, March 2, 2012

Sendung 13 - März '12

Auf der Suche nach raren Scheiben führt Caballos Weg diesen Monat in den Sunshine State der USA: Kalifornien. Auf seiner Route hat er für euch kaum bekannte Privatpressungen und verschollene 45's aus den letzten 50 Jahren ausgegraben. Das Genrespektrum umfasst neben Psychedelic und Surfmusik, auch Rap, Musik von der "neuen Beatgeneration" und Funk.


1) Matthew Larkin Cassell - Heaven

(Pieces, Privat, 1977)

Cassell ist ein Songwriter, Vokalist und Multi-Instrumentalist aus Nordkalifornien. Seine Kompositionen mischen Elemente aus Jazz, R'n'B, Fusion and Pop. Die privatgepressten LP's, die er aufnahm, erreichten teilweise einen Verkaufswert von ueber 1700$. Aufgrund der gewachsenen Aufmerksamkeit an seinen Scheiben in den letzten Jahren, nahm das Label Stones Throw Records den Musiker unter Vertrag und veröffentlichte 2010 sämtlichte Aufnahmen.

2) The Electric Prunes - The Adoration
(Release of an Oath, Reprise, 1968)

Die Mitglieder der Electric Prunes fanden sich in San Fernando Valley, Los Angeles. Sie starteten ihre Karriere mit Psychedelic-Singles, die sie an lokale Radiostationen verschickten. Es dauerte nicht lange, bis das Label RCA auf die Gruppe aufmerksam wurde, die zu diesem Zeitpunkt schon einige Hits in der Region landen konnte. Nach Charterfolgen in den USA und England, stellte Prunes-Manager Lenny Poncher Kontakt zum Arrangeur und Komponisten David Axelrod her. Axelrod schrieb jedoch Stücke, die technisch so anspruchsvoll waren, dass die Garagen-Band während der Produktionsphase von "Mass in F-Minor" aufgab und die kanadische Gruppe the Collectors die Aufnahmen vervollständigten. Für das zweite gemeinsame Album "Release of an Oath" engagierte Axelrod darum Top-Studiomusiker aus Los Angeles und liess die Electric Prunes lediglich den Gesang aufnehmen.

3) Enrique Olivarez - Arriba Tipo
(Para Ti, Discos Vampiros, 1972)

Eine der berüchtigsten Latin Bands aus Kalifornien sind Los Vampiros, unter Leitung von Enrique Olivarez. In der Region um Stockton und Oakland brachte die Band während der 70er das gemeine Tanzvolk mit ihren Uptempo-Cumbias zum Schwitzen. "Arriba Tipo" ist ein gutes Beispiel hierfür. Der Titel befindet sich auf ihrem ersten Album "Para Ti", dass Olivarez ueber sein selbstgegründetes Label Discos Vampiros releast hat.

4) Gaslamp Killer - Baiafro
(My troubled Mind, Brainfeeder, 2009)

Er ist einer der gefragtesten DJ's der letzten Jahre. Gaslamp Killer, bürgerlich William Benjamin Bensussen, spielt in seinen DJ-Sets saemtliche Stile und mixt sie wild durcheinander: IDM von Aphex Twins folgen rare Afro-Beat-LP's, um dann in raren Jazz aus Japan überzugehen. Die Wünsche seines Publikums werden nur selten berücksichtigt. Getreu dem Motto: A DJ is no Jukebox.
So erhielt er schliesslich seinen Namen, als er tanzbeinschwingende Hipster im Gaslamp District San Diego"s, dem Studentenviertel der Stadt, so sehr terrorisierte, dass sie den Club verliessen.

5) PJ & The Galaxies - B-Side
(Tally Ho B-Seite, PM Records, 1964)

Bei dieser B-Seite handelt es sich um einen Surf-Tune, der unter dem Namen "The Shimmy" bereits 1962 von The Belairs recorded wurde. Diese Version wurde jedoch nie releast. Der Leadgitarrist und Produzent Paul Johnson (PJ), der beide Versionen aufnahm, schrieb mir zu diesem raren Stück Surf-Geschichte:
"There is some confusion and controversy about the true origins of this tune. In late 1962, the Belairs went through a personnel change, and in the process we took on a bass player named Steve Lotto, who had just arrived in California from the east coast. He introduced “The Shimmy” to us as an original tune of his own. We accepted this at face value, and thus he is credited as the writer on both of these early recordings. In recent years, however, it has been called to my attention (though I regret that I cannot cite the source or particulars) that there was an earlier record, popular on the east coast, which had a different title but otherwise much in common with the tune that Lotto brought to us as “The Shimmy.”"
6) Frank Zappa - What's the ugliest part of your body
(We're only in it for the money, Verve, 1967)

Das Album „Freak Out!“ von Frank Zappa und seinen Mother’s of Invention gilt als das erste Konzeptalbum der Popgeschichte und karikiert die kalifornische Hippie-Szene, sowie die Beatmusik der 60er Jahre. Ihr drittes Album "We're only in it for the Money" steht dem in Nichts nach, wie schon das Cover der LP deutlich macht: Eine Parodie des legendären The Beatles-Albums St. Pepper's Lonely Hearts Club Band.
Der Hang zur Satire war ein wichtiges Merkmal von Zappa’s Musik, dem er bis zu seinem Tod 1993 treu geblieben ist.




7) Frank Zappa - Peaches en regligalia
(Hot Rats, Reprise, 1969)

In den späten 60ern vollzog Zappa einen großen Wandel in seiner Musik und trennte sich von seiner Band The Mothers of Invention. Zu diesem Zeitpunkt hatte er jedem der zehn Bandmitglieder 200$ pro Woche als Vorschuss auf erwartete Einnahmen durch Auftritte und Plattenverträge gezahlt und hatte dazu 10.000$ Schulden gemacht. In einem Interview führte Zappa später auch musikalische Gründe für die Trennung von den Bandmitgliedern an: Er sei frustriert vom Publikum gewesen, das kein Interesse an anspruchsvollerer Musik hätte und gleichzeitig seien die Musiker der Mothers nicht in der Lage gewesen, die von ihm geschriebene anspruchsvollere Musik jenseits der Rockmusik adäquat umzusetzen. Dementsprechend versammelte Zappa virtuose Musiker wie George Duke um sich, um das Album "Hot Rats" aufzunehmen. Viele von ihnen hatten einen Jazz-Hintergrund und so klingt die LP auch nach einer frühen Fusion aus Jazz und Rock.

8) Captain Beefheart - Abba Zaba
(Safe as milk, Buddah, 1967)

Stundenlange Listening-Sessions mit Frank Zappa haben bei Donald Vliet aka Captain Beefheart bleibende Spuren hinterlassen. Die Musik des Saengers mit den Lysergsäure-getraenkten Stimmenbändern zeigt deutlich seine Liebe zu Blues und Rock. Im Jahr 1969 erschien das von Frank Zappa produzierte Album Trout Mask Replica (deutsch: „Forellenmasken-Nachbildung“). Es gilt bei vielen Kritikern als ein Meilenstein der Rockgeschichte und als das beste Album von Captain Beefheart & his Magic Band.
Auf diesem musikalisch radikalen Album ist der Einfluss von Free Jazz stärker als auf den Vorgängern. Ich möchte den Fokus aber auf das erste Album richten, dass hauefig von den Nachfolgern überschattet wird. Beefheart selbst behauptete übrigens, gar keine Einflüsse zu haben.

9) Freestyle Fellowship - Innercity boundaries
(Innercity Griots, 4th & Broadway, 1993)

Die Gruppe Freestyle Fellowship formte sich Anfang der 90er im Good Life Café, einem Treffpunkt für junge Dichter und Performer in Los Angeles.
Die Mitglieder Aceyalone, Mikah 9, P.E.A.C.E. und Self Jupiter repräsentierten von Anfang an den Underground und entwarfen ein Gegenkonzept zum populären Westcoast-Rap. Statt über Alkohol, Waffen und Sex zu rappen, fokussierten sie sich auf sozialkritische und afro-amerikanische ThemenLyrics, die sie auf jazzigen Beats aufnahmen. Die LP "Innercity Griots" gehört zu einem der einflussreichsten Veröffentlichungen des Underground Hip-Hop. Die Distribution ihrer Musik war zu diesem Zeitpunkt ebenso unkonventionell. Die Künstler produzierten viele ihrer Tapes und Platten selber und verkauften sie direkt aus dem Kofferraum an die Plattenläden oder direkt an die Fans und hatten so wenig wie möglich mit der Musikindustrie zu tun.

10) Marvin Holmes - Ooh Ooh The Dragon
(Single, UNI, 1969)

Marvin Holmes ist ein Soul- und Funkmusiker aus Oakloand. Der um 1970 herum eine Handvoll Releases heraus gebracht hat. Zusammen mit einigen talentierten Studiomusikern aus der Region, die ihm als The Uptights den Rücken stärkten, releaste er 1969 die Single "Ooh ooh the dragon" die für das Label Uni, am Sunset Boulevard (Hollywood) aufnahm.

11) The Zodiac - Taurus The Voluptuary
(Cosmic Sounds, Elektra, 1967)

Die LP "The Zodiac - Cosmic Sounds" war die erste Veröffentlichung auf einem Major-Label für die der Moog-Synthesizer veröffentlicht wurde. Die damals revolutionären Klänge stellten eine Herausforderung an die Hörgewöhnheiten des Publikums dar. Zusammen mit den psychedelischen Monologen der Songs, war ein kommerzieller Erfolg beinahe unmöglich. Dabei war für die Umsetzung des Projektes niemand geringeres als Jac Holzman verantwortlich, der im selben Jahr The Doors unter Vertrag nahm und mir ihrem ersten Album Rockgeschichte schrieb.


12) Tom Waits - Singapore
(Rain Dogs, Island, 1985)

In einer Kritik von Waits' letztem Album "Bad as me" habe ich gelesen, er sei "mad famous for being unknown". Tatsächlich ist Tom Waits vielen Hörern mit ganz unterschiedlichen musikalischen Vorlieben ein Begriff, was sich auf seinen Konzerten in Form eines generationsübergreifenden Publikums bemerkbar macht. Trotzdem ist der Songwriter aus Pomona nie so richtig im Mainstream angekommen. Stattdessen bewegt sich Tom Waits in künstlerischen Gefilden, in die sich die meisten seiner Berufsgenossen nie wagen würden. Ob Theatermusik, Auftritte in diversen Filmen oder Gedichte - Berührungsängste hatte der exzentrische Trunkenbold mit der rauhen Stimme nie.

13) The California Playboys - Someone new
(Trying to become a millionaire, Loadstone, 1976)

Das Album der California Playboys ist eine der besten privatgepressten Soul-LP's überhaupt. Northern Soul war zum Zeitpunkt des Releases zwar schon seit 10 Jahren out, trotzdem scheint es die Musik nie wirklich an der Westküste erfolgreich gewesen zu sein. Das die durchaus talentierten Musiker und Sänger der Gruppe auf dem kleinen Label Loadstone releasten bestätigt diesen Eindruck. Ein rares Stück Soul-Geschichte!

14) Flying Lotus - Massage Situation
(Reset EP, Warp, 2007)

Steven Ellison aka Flying Lotus hat die Musik im Blut: Seine Großtante Alice Coltrane war zum Beispiel mit niemand geringerem liiert als dem großen Jazz-Saxophonisten John Coltrane. Ähnlich unorthodox wie Coltrane's Instrumentalspiel in den 60er Jahren ist die Musik seines Großneffens, der seine Karriere mit Hintergrundmusik für den Cartoonsender Adult Swim startete. In 2006 veröffentlichte der aus Winnetka stammende Produzent sein erstes Album, auf welchem er Samples aus verschiedenen Dekaden und Stilen mit elektronischen Klängen verquirlte. Der Sound, den er mit dieser Fusion kreierte, ist bei heute einzigartig und mir ist kein anderer HipHop-Produzent bekannt, dem es gelungen ist die Sample-Tradition auf so unkonventionelle weise ins 21. Jahrhundert zu überführen.

15) The Residents - Santa Dog
(Single, Ralph Records, 1972)

Um The Residents ranken sich zahlreiche Mythen. Die Gruppe versteht sich seit ihrer Gründung in den 60er Jahren ausgezeichnet darauf Gerüchte zu streuen und durch unklare Angaben in Interviews oder auf Platten Verwirrung zu stiften. So haben sie es geschafft, seit den 70ern bis heute kontinuierlich Alben zu veröffentlichten und jährlich neue Zuhörer zu gewinnen. Bis heute weiß niemand, wer sich hinter den vier überdimensionalen Augäpfeln verbirgt, mit denen die gruppe bei Aufritten die Bühne entert. Allerdings wird vermutet, dass es sich mitlerweile nicht mehr um die Original-Besetzung handelt. Manche Fans vermuten sogar, dass es sich bei den Gründungsmitgliedern um die Beatles handelt, die unter dem Pseudonym The Residents ein avantgardistisches Musikprojekt starten wollten.

16) The Seeds - Just let go
(Web of Sounds, Crescendo, 1966)

Auf die Gruppe The Seeds bin ich ersmals durch Gaslamp Killer aufmerksam geworden.
Er hat den Song "Just let go" in einem seiner Sets gespielt. Nach einer schwierigen Suche nach den Interpreten stieß ich schließlich auf die LP "Web of Sound", die gespickt ist mit Beat-lastigen Grooves und Psychedelic von der Westküste.
Für Fans von fuzzy Gitarren und analogen Audioeffekten ist die Scheibe genau richtig.



17) Joe Pass & Carole Kaye - Slick Cat

(Better Days, Gwyn, 1971)

Carol Kaye ist eine der umtriebigsten und gefragtesten Studiomusikern überhaupt. In ihrer 55-jährigen Profikarriere hat sie in über 10.000 Recording-Sessions gepsielt. Unter anderem hat sie für das legendäre "Pet Sounds"-Album der Beach Boys Gitarre eingespielt, oder für Hits von Simon & Garfunkel, sowie für Soundtracks von Quincy Jones. Es gibt wahrscheinlich so gut wie keinen Profi-Musiker in Kalifornien, der nicht schon mit ihr aufgenommen hat. So spielte sie zum Beispiel mit vielen Musikern dieser Ausgabe: Von the Zodiacs, über David Axelrod bishin zu 12-saitigen Gitarren-Stücken mit Frank Zappa. Für "Better Days" hat sie sich mit einem weiteren Gitarristen, dem aus Italien stammenden Joe Pass, zusammen getan.