Wednesday, June 6, 2012

Sendung 16 - Juni '12

Dieses Mal war Caballo in der Millionenmetropole Los Angeles! Dort hat er fuer euch die groessten und interessantesten Plattenlaeden der Stadt besucht - die besten Funde wird er euch in der Sendung vorstellen. Unter anderem gibt es indische Filmmusik zu hoeren, Synthie-Gemetzel aus den spaeten 60ern, sowie Psychedelic aus dem mittleren Westen und afokubanischen Latin-Jazz.


AMOEBA RECORDS - www.amoeba.com

Think record store and you think Amoeba. Probably because it’s the largest independent record store in the world. (Some would say too large, bordering on big-box bully large, but that’s another story.) This ginormous Hollywood outpost literally has tons of albums, discs, posters and other music-related mishmash as well as constant in-store shows. As for vinyl, you’ll find plenty including limited edition, rare, out-of-print and original pressings.



Amoeba Records ist auf jeden Fall eine Pflichtadresse fuer jeden Plattenjaeger der Los Angeles besucht. Der Laden verfuegt ueber eine riesige Auswahl an Platten und CD's. Leider handelt es sich bei vielen Platten aber um Reissues und nicht um Original-Platten - vor allem, wenn es sich um rare Scheiben handelt. Was mich gestoert hat war, dass man die Scheiben nicht Probe hoeren konnte. Wer ein paar tage in der Stadt ist und sich Hollywood anguckt, der kann hier kurz (oder lang) einen Halt machen. Amoeba befindet sich im Herzen Hollywoods am Sunsert Boulevard und ist sehr einfach zu erreichen.





RECORDS LA - www.myspace.com/recordsla

Records LA isn't the oldest rekka sto' in LA. In fact, it opened in 2010. But it is the oldest school of the old school with an unpretentious DIY charm that's hard to come by these days. Located on West Adams, the vinyl-only shop is about the size of your one-bedroom apartment's closet, but owner Scott has just the stuff you're looking for when it comes to soul, jazz, R&B, disco, hip hop, reggae and other back-in-the-day rarities. Just remember: this shop is only open Thursday-Saturday.


Ich habe es bereits in der Sendung gesagt - dieser Laden ist fuer mich eine der Topadressen. Man findet hier jede menge Original-LP's aus verschiedenen Genres zu fairen Preisen. Der Laden zahelt nicht zu den groessten und so kommen hier auch nicht so viele Leute hin. Die kurzen Oeffnungszeiten tun ihr uebriges. Fuer Plattengraeber ist dieser Shop deshalb eine echte Schatzinsel, die nahezu unberuhert ist. Ein echter Geheimtip!

My Photos by Records LA




FREAKBEAT RECORDS - www.freakbeatrecords.com


Forget the 99-cent store. This old-school shop in Sherman Oaks has a 99-cent room with thousands of LPs and CDs that are restocked every day. Half the store is filled with new and used vinyl, with the rock section being the largest, and there's plenty to browse in the jazz and soul bins. There's also an 80s department with lots of flashback vinyl.


Der Laden verfuegt ueber eine ausgereifte Jazz- und Rock-Abteilung. Darueber hinaus sind die Kisten mit LP's fuer 1 Dollar nicht zu verachten. Habe dort zum beispiel eine interessante Platte von Hugh Masekela geschossen. Im gegensazy zu vielen anderen Plattenlaeden der Stadt hat man hier die Moeglichkeit die Platten in Ruhe Probe-zu-hoeren. Vielleicht kein Shop in dem man den ganzen tag verbringen kann, einen netten Nachmittag kann man sich hier aber durchaus machen. 

ORIGAMI VINYL - www.origamiorigami.com

One of the newer shops on the block (it opened in 2009), Origami Vinyl in Echo Park is the ultimate mom and pop record store for cool kids. The shop is only 400 square feet, but it packs a punch with an eclectic selection of new and used records, much of which is from local artists. (Origami is also an indie record label.) As for in-stores, everyone from Florence and the Machine to Sonic Youth and Ben Harper have taken to the stage. Good things come in small packages.

RECORD SURPLUS - www.recordsurplus.com

One of the largest sellers of used vinyl records and CDs on the West Coast, Record Surplus has a huge selection of music and collectible records that are restocked daily. The store just moved to a new location on the corner of Santa Monica and Centinela with a nice paint job, too. (Not that I judge a record store by its cover, but I do like a pretty space.) You can also find turntables and CD listening stations.

AS THE RECORD TURNS - www.astherecordturns.com

Cringe-worthy name aside, As the Record Turns is considered by many to be LA's best resource for vinyl. Once you find the actual store (it's hidden in a narrow alleyway off Hollywood Blvd) get ready to find just about any piece of vinyl you can imagine. And if it's not stockpiled in the exhaustive stacks of vinyl, then owner Kevin can probably find it for you one way or another. Just ask Jay-Z, Dr. Dre, Marilyn Manson, Steven Speilberg and about a million other famous clients for whom he's sourced music. You might pay more for what you get, but Kevin is known to give a free record to everybody who enters his store. (They're from the clearance section, but are you really gonna complain?)

Fuer alle, die noch nicht genug haben - hier sind ein paar weiterfuehrende Links zu den Shops der Stadt:

http://www.studio-nibble.com/guides/losangeles.html
http://www.scaruffi.com/music/lastore.html
http://larecord.com/news/2009/11/17/los-angeles-record-stores
http://www.dailycandy.com/los-angeles/article/89946/LA-Record-Stores-Vinyl-Stores
www.recordstoreday.com

Sunday, May 13, 2012

Sendung 15 - Mai '12

Der Inselstaat Jamaika zählt nicht einmal drei Millionen Einwohner. Die Musikkultur ist jedoch so vielfältig und eigenständig wie in kaum einem anderen Land: Ob Reggae, Ska, Calypso oder Funk und Jazz - es lassen sich etliche Stile auf der Insel finden. Zeit für Caballo einen näheren Blick auf die Musikszene zu werfen. An seiner Seite, Rob Kenius, Pionier der deutschen Reggae-Szene, der mit seiner Gruppe Taugenixe die erste deutsche Reggae-LP aufgenommen hat.
1) The Marvels - Rock Steady
(Single, Pama Supreme, 1971)

Die Mai-Ausgabe startet mit der funkigen Rocksteady-Nummer "Rock Steady" von The Marvels. Hinter diesem Aretha Franklin-Cover verbirgt sich ein Trio von Studiosaengerinnen, die sich 1964 zusammenschlossen um aus der Anonymitaet hervorzutreten.
Rocksteady ist eine Mischung aus R&B, Jazz. im Falle der Marvels Funk und Ska. Besonders die offbeat-gespielten Staccato-Akkord, gespielt von der Rhythmusgitarre sind typisch - nicht nur fuer Rocksteady, sondern jamaikanische Musik generell.

2) Truth, Fact & Correct - Babylon deh pon fire
(Single, Upsetter, 1976)

Dieser Song wurde produziert von der Reggae-Legende Lee "Scratch" Perry. Er ist einer derwichtigsten  Reggaeproduzenten Jamaikas und hat in den späten 60ern den Dub-Stil, bei der Roots Reggae mit Effekten überlagert und abgemischt wird, entscheidend geprägt. Die Single wurde in seinem Black Ark Studio aufgenommen, das seit der Gründung 1973 zu einem zentralen Ort der jamaikanischen Musikszene geworden war.Perry ist nach wie vor aktiv und begeistert seine Fans weltweit mit seinen Liveauftritten:

3) Ramon & The Crystalites - Golden Chickens
(Single, Song Bird, 1971)

Viele Informationen lassen sich nicht finden zu dieser raren Single von Ramon & The Crystalites. Produziert wurde der Song von Derrick Marriott, der Anfang der 70er als einer der ersten Musiker mit King Tubby zusammen arbeitete. Gehandelt wird die Single zwischen 50 und 100 Dollar.


4) King Tubby & The Agrovators - Dub of Rights
(Rod of Correction, Clock Tower, 197?)

King Tubby ist eine der wichtigsten Figuren in der Entwicklung des Dub. Nachdem er anfangs als Radio- und Fernsehtechniker an allen Geraeten herumbastelte die ihm in die Hände fielen, baute er sich Ende der 60er seine eigene Soundanlage. Ausgestattet mit verschiedenen Chorus- und Delayeffekten gelang es ihm schnell einen Sound zu kreieren, der sich von den üblichen Soundsystems Jamaicas abhob.
Der erste Dub-Track von Tubby entstand mehr durch Zufall, Duke Reid versehentlich Teile der Vocalspur eines Tunes wegließ. Eine andere Erklärung besagt, er ließ die Musikspur (zu jener Zeit wurde noch im Zweispurverfahren aufgenommen) mit Absicht für ein paar Takte weg, um zu kontrollieren, ob der Sänger auch tatsächlich den Ton getroffen hatte. Ihm jedoch gefiel dieser "Fehler" so sehr, dass er begann, eine eigene Musikrichtung daraus zu entwickeln.


5) Lennie Hibbert - Rose Len
(Creation, Studio One, 1969)

Das Debut-Album "Creation" von Lennie Hibbert unterschiedet sich in Teilen deutlich von den meisten Releases Jamaikas. Besonders "Rose Len" sticht durch die jazzige Klangfärbung und Hibberts Vibraphonspiel hervor. Erlernt hat Hibbert dieses Instrument als Autodidakt in den 40er Jahren, als er in einer jamaikanischen Militärkapelle als Schlagzeuger angestellt war.
Das Studio One, in dem die Aufnahmen entstanden sind wird häufig als "Motown of Jamaica" bezeichnet. Denn ähnlich dem Detroiter Soullabel war hier das Herz von Kingston's Hitschmiede, wo das Who is Who der Reggae-Szene aufnahm: Von den Skatalites, über Bob Marley bis hin zu Jimmy Cliff.
                                            

6) Samson the lark - Undemocratic Rhodesia
(Single B-Seite, Jump Up, 1971)

Noch so eine obskure No-Name-Single. Die Single-B-Seite "Undemocratic Rhodesia" ist wohl der einzige Titel den Samson the Lark herausgebracht hat. Selbst die A-Seite stammt nicht von ihm, sondern von Mister Calypson. Produziert wurden beide Songs von Ed Shaw, arrangiert von Neville Sampson.

7) Tommy McCook & his Skatalites - Silver Dollar
(Single, Treasure Isle, 1964)

The Skatalites ist die wichtigste Band in der Geschichte des Ska. Die Gruppe gründete sich 1963 auf Initiative von Tommy McCook. In dieser Zeit spielten sie nahezu alle Stücke ein, auf deren Grundlage Vocalists wie Bob Marley, Peter Tosh und Jimmy Cliff dem neugewonnenen Selbstbewusstsein des 1962 unabhängig gewordenen Jamaikas Ausdruck verliehen. Alle Mitglieder, darunter Roland Alphonso, Don Drummond und Jackie Mittoo, besuchten die Alpha Boys Catholic School, einem mitten im West-Kingstoner Ghetto gelegenen Internat für schwer erziehbare Kinder, dessen strenge Ausbildung an die klassische europäische Musik angelehnt war. Absolventen dieser Schule spielten bereits in den Fünfziger-Jahren in eigenen Bands und tourten mit ihrer Interpretation von Jazz durch verschiedene Clubs und Bars, andere wurden als Studiomusiker engagiert. Auf jene kleine Gruppe von Musikern konzentrierte sich auch die Herausbildung des Ska.

8) Toots & The Maytals - Funky Kingston
(Funky Kingston, Dragon, 1973)

Toots & The Maytals sind Kult in Jamaika. Sie halten dort den Rekord mit 31 Nummer-Eins Hits, noch vor Bob Marley & The Wailers. Ihre Karriere begannen sie mit Ska-geprägter Musik Anfang der 60er Jahre. In den späten 60ern erfolgte ein Umbruch in ihrer Musik und die Gruppe wandte sich mehr dem Rocksteady zu. Die LP "Funky Kingston" das erste Album der Band, das nicht aus zuvor releastem Single-Material besteht. Der Titelsong ist eine Synthese aus populärem Funk mit Reggae. In den USA wurde das Album in einer abgewandelten Version erst zwei Jahre nach dem offiziellen Realease-Datum veröffentlicht, schaffte es aber lediglich auf Platz 164 in den Billboard Charts.
Dies bestätigt wie unpopulär Reggae noch in den 70ern war.

9) Taugenixe - Reggae Ron
(Reggae Ron, Ariwa, 1984)

Eine kleine Randnotiz zu diesem Song für alle Nerds: Als die Taugenixe "Reggae Ron" bei Mad Prof recordeten inspirierten sie die Sängerin Sandra Cross zu der Single Mr. President Man. Sandra Cross befand sich zu diesem Zeitpunkt mit im Studio. Ihr Bruder spiele für die Taugenixe Schlagzeug. Der Präsident, der in beiden Liedern angesprochen wird ist im Übrigen niemand anderes als Ronald Reagan, welcher wegen seiner harten Haltung im Ost-West-Konflikt viele Kritiker auf sich zog.


10) Mad Professor - Natural Vegetation
(Dub me Crazy Pt. 3 - African Connection, Ariwa, 1983)

Mad Professor, bürgerlich Neil Joseph Stephen Fraser ist ein Musikproduzent und eine einflussreiche Persönlichkeit in der Entwicklung des Reggae und Dub. Seit seinem 13. lebensjahr lebt und arbeitet er in London, wo er die Reggaeszene wie kein anderer geprägt hat. Er veröffentlichte seit 1979 über 130 Alben und gilt als einer der wichtigsten Produzenten in der 2. Generation des Dub-Reggae. Mit mehr als zwei Alben pro Jahr ist er außergewöhnlich produktiv und produzierte unter anderem mit den Reggae-Veteranen wie Lee Perry zusammen. Wie Rob Kenius im interview berichtet spielt er auch eine Schlüsselrolle für die Anfänge des deutschen Reggae. Sein Stil ist geprägt durch Echos, gekonnten Umgang mit verschiedenen Effekten sowie einen äußerst dynamischen Beat.


11)  Taugenixe - German Luv
(Reggae Ron, Ariwa, 1984)

Randnotiz für Nerds, Teil 2: Nach dem der Erfolg für die Taugenixe ausblieb, versuchte die Gruppe es in anderer Besetzung und mit neuem Namen noch einmal und nahm zwei Jahre später noch einmal mit Mad Professor auf. Unter dem Titel Mad Professor meets Puls der Zeit erschien eine LP, auf der sich der Titel Zaire befindet - eine abgewandelte Version von "German Luv".

12) Wayne Smith - (Under me) Sleng teng
(Sleng Teng, Greensleeves, 1986)

 
Bei dieser Single handelt es sich um den ersten Dancehall-Hit der Geschichte. Prince Jammy ist der Mann, der verantwortlich ist für den ersten vollständig elektronisch produzierten Song Jamaikas. Gelernt hat Jammy bei niemand geringerem als King Tubby. Nachdem ihm die Mixe seines Schützlings jedoch zu ausgefallen wurden, baute der Prince sich sein eigenes Reich auf. Das jamaikanische Tanzvolk dankte es ihm und feierte stundenlang zu Wayne Smiths "Sleng Teng":



13) Boris Gardiner - Negril
(Every Nigger is a Star, Leal, 1973)

Sänger, Songwriter und Bassgitarrist Boris Gardiner ist verantwortlich für einen der wenigen jamaikanischen Original-Soundtracks. Dementsprechend wertvoll ist die Platte und wird für etwa 600 Dollar gehandelt. Von dem Blaxploitation-Film selbst sind mir keine Informationen bekannt, es lässt sich kein Trailer zu dem Streifen auftreiben. Offenbar handelt es sich hierbei um den Versuch den abwertenden Begriff "Nigger" umzukehren und ihn als Symbol für eine positive, selbstbewusste Einstellung bezüglich der eigenen Hautfarbe zu verwenden. Eine Idee, die sich in vielen Blaxploitation-Filmen wiederfinden lässt.

Tuesday, April 3, 2012

Sendung 14 - April '12

Amerikanische Soulstars singen ihre Hits auf deutsch? Schlagersänger versuchen sich im Samba? The Doors kriegen statt E-Gitarren indische Sitars in die Hand gedrückt? Ganz genau. Caballo hat tief in staubigen Plattenkisten gegraben und für euch über ein Dutzend seltene und außergewöhnliche Neuinterpretationen zusammen gestellt. Freut euch auf 60 Minuten bekannter Songs, wie ihr sie so noch nie gehört habt.


1) East of Underground - (Don't worry) If there's a hell below we're all going to go
(East of Underground, The United States Special Services Agency, 1971)

Bei diesem Album handelt es sich um eine absolute Kuriosität, denn es wurde nicht von einer herkömmlichen Funkband aufgenommen, sondern von U.S. Soldaten, die es während ihrer Stationierung in Frankfurt aufnahmen. Für dieses Projekt qualifizierte sich die Gruppe, indem sie den ersten und zweiten "Original Magnificent Special Services Entertainment Showband Contest" gewannen, veranstaltet von der U.S. Army. Da Aufnahmemöglichkeiten rar gesäht waren, recordeten East of Underground die LP in den Studios des American Forces Network.

2) Payom Moogda - Tamai dern sae
(Single, ???, 196?)

Diese rare Single des thailändischen Sängers Payom Moogda ist mir ein Rätsel. Mir ist weder ein ein anderer Release des Künstlers bekannt, noch konnte ich etwas über das Label in Erfahrung bringen. Im netz findet man keinerlei Informationen zu dem Titel. Dem ein oder anderen mag er von der "Thai beat a go-go"-Compilation bekannt sein. Mir gefällt die Version, weil Ray Charles' Rhythm & Blues-Klassiker "What I'd say" hier sehr energetisch neuvertont wird. Infos zu dieser Scheibe bitte an meine Mailadresse.



3) Mary Roos - Blauer Montag
(Mary Roos, CBS / Stern Musik, 1970)

Bereits mit neun Jahren nahm Roos ihre erste Schallplatte auf. "Ja die Dicken sind so gemütlich" wurde 1958 veröffentlicht, wie die weiteren Schallplatten in den Jahren 1958/59 unter ihrem bürgerlichen Vornamen Rosemarie. Sie sang sich durch Werbeschallplatten, Gesangs- und Talentwettbewerbe und auf Schlagerfestivals. Der Durchbruch gelang ihr 1970 mit dem Titel "Arizona Man". Von der gleichen LP stammt der einzige Samba-Titel mit deutschem text, den ich kenne. Inspiriert von Jorge Ben's Hit "Mas que Nada" nahm sie ihre Version "Blauer Montag" auf. Ob ihr dazu mitgrooven oder herzlich lachen wollt, bleibt euch überlassen.

4) Ananda Shankar - Light my fire
(Ananda Shankar, Reprise, 1970)

East meets West lautet der Arbeitstitel für das Genre, dass Ananda Shankar mit seiner Fusion aus indischen Klängen und westlicher Musik mitbegründet hat. Es muss ein völlig neues Klangerlebnis für die Zuhörer im Jahr 1970 gewesen sein, denn bis dahin kannte man die Sitar fast ausschließlich als Instrument traditionaller Musik Indiens. Selbst heute hinterlässt die Mischung aus Moog Synthies und Sitar einen bleibenden Eindruck. Hier ein Auszug aus den Liner Notes:
"His Name Is Ananda. He's a young man with a sitar and a dream and his name means peace and joy. He's as Indian as the tradition in which he recieved his education as a classical musician.
But he's excited about Led Zeppelin and Janis Joplin and electronic music. "
5) Aguaturbia - Alguien para amar
(Aguaturbia, Arena, 1969)

Aguaturbia ist eine der wichtigsten und innovativsten Psychedelic-Rock Gruppen aus Chile. Das Quartett wurde 1968 gegründet und machte sich binnen kürzester Zeit einen Namen weit über die Grenzen des Landes hinaus. Dabei war das provokante Cover ihrer ersten LP, auf dem die Band-Mitglieder nackt abgebildet sind, sicherlich nicht von Nachteil. Das Album erschien in limitierter Auflage mit 300 Exemplaren.


6) The Lancasters - Satan's Holiday
(Earthquake Single, Titan, 1964)

Die Surfgruppe The Lancasters nahmen diesen Titel für den amerikanischen Markt in London auf. Die Gitarre spielt niemand geringeres als der junge Ritchie Blackmore, der später mit Deep Purple in die Hall of Fame des Rock einging. Bei dem Originalsong handelt es sich um "In der Halle des Bergkönigs", den Edvard Grieg 1876 für Ibsen's Peer Gynt komponierte. Das Stück aus der Suite Nr.1, Op. 46 ist der mit Abstand bekannteste Titel des norwegischen Pianisten, der einer der bekanntesten Komponisten der Romantik ist.

7) Roland Alphonso - James Bond
(Single, Island, 1965)

Geborgen 1931 in Havanna, Kuba, zog Roland Alphonso im Alter von zwei Jahren nach Jamaica, wo der die Musik des Inselstaates bis in die 80er hinein entscheidend mitprägte. Neben seinem Saxaphonspiel auf diversen Ska- und Reggae-Aufnahmen, war er auch als Arrangeur während Recordingsessions teil. Nachdem sich die Band The Skatalites 1965 auflöste, formte er die Supergroup Soul Brothers, in der auch der legendäre Keyboarder Jackie Mittoo mitspielte. Gemeinsam wirkten sie an vielen Klassikern des Studio one mit.

8) Baron Zen - Burn Rubber (Dam Funk Remix)
(Hella International, Stones Throw, 2009)

Das Orignal zu diesem Elektrofunk-Remix stammt von der Funkgruppe The GAP Band, die den Song unter dem Titel "Burn rubber on me" aufnahm. Ende der 80er war es der Punkrock- und Disco-Interpret Baron Zen, der sich zu einer Neuvertonung berufen fühlte. Diese wurde aber erst 2007 auf dem Label Stones Throw releast. Zwei Jahre später nahm sich Dam Funk den Song zur Brust und produzierte einen tanzbaren Remix für die Festival Compilation "Hella International".



9) Los Destellos - Para Elisa
(En orbita, Tempsa, 1968)

Im vergangenen November habe ich bereits einen Titel von Enrique Delgado's Los Destellos gespielt. Die Gruppe gilt als eine der wichtigsten Cumbia-Gruppen und vor allem ihr Frontmann hatte in Peru schon zu Lebzeiten den Legendenstatus inne. Er trieb nicht nur die Entwicklung des Rocks in Peru voran, sondern entwickelte vor allen anderen den peruanischen Cumbia. Diese Version von Beethoven's "Für Elise" zeigt, wie weit seine musikalischen Wurzeln reichten und wie gut er sich darin verstand diverse Einflüsse mit traditioneller Musik aus Peru zu verweben.


10) The Gimmicks - California Soul
(In Acapulco, 1971, Karussell)

Dieses Original ist wahrscheinlich der unbekannteste Song in der April-Ausgabe. Ich konnte aber nicht widerstehen, dieses internationale Cover in der Sendung zu spielen: Eine Soulgruppe aus Schweden spielt mit einer mexikanischen Combo in Acapulco einen amerikanischen Song neu ein. Das Resultat ist eine interessante Mischung musikalischer Einflüsse dreier Kontinente. Europäischer Latin-Soul!

11) Dionne Warwick - Geh vorbei
(Single, Vogue, 1965)

The Beatles, Elvis, Johnny Cash - sie alle nahmen Songs auf deutsch auf um den hiesigen Fans Tribut zu zollen. Und um leichter auf dem hiesigen Musikmarkt Fuß fassen zu können. Auch Soulinterpretin Dionne Warwick recordete in den 60ern eine Version ihres Welthits "Walk on by" in deutscher Sprache. Die Single ist heute fast völlig in Vergessenheit geraten. Daher freue ich mich sehr, euch diese rare Perle präsentieren zu können. Im Gegensatz zu vielen anderen Covern dieser Art, ist diese Neuaufnahme gelungen und kann es mit der Originalversion aufnehmen.



12) Kathleen Eremy - Sometimes I feel like a motherless child
(Single, Love, 1970)

Spirituals sind Songs, die in den USA mit Beginn der Sklaverei ab dem 16. Jahrhundert entstanden. Die überlieferten Spiritual-Texte sind fast ausschließlich religiösen Inhalts und erzählen aus dem Leben geschlagener, geschundener und sehnsüchtiger Menschen - den Sklaven. Ein Beispiel hierfür ist der Spiritual "Sometimes I feel like a motherless child", den Kathleen Emery 100 Jahre nach dem Entstehen neu aufnahm. Inspiriert wurde der Song vom Schicksal vieler Skalven, die als Babys oder Kleinkinder von ihren Müttern weggenommen wurden und an fremde Farmbesitzer verkauft wurden.

13) Rahsaan Roland Kirk - Ain't no Sunshine
(Balcknuss, Atlantic, 1972)

Bill Withers Evergreen wurde unzählige Male neuvertont. Die Version vom Jazzmusiker Rashaan Roland Kirk hat mir mit seinem Mark-durchdringenden Flötenspiel tief berührt. Seine Musik ist gekennzeichnet durch die nahtlose und scheinbar selbstverständliche Verbindung sowohl traditioneller als auch sehr moderner Spielweisen des Jazz. Er mischt verschiedene Spieltechniken aus dem Bebop, Freejazz und Soul Jazz. Das Resultat ist eine unverwechselbare Interpretation des Soul-Klassikers.

14) Walter Carlos - Eleanor Rigby
(By Request, Columbia, 1975)

"By request" ist das letzte Album, dass unter dem Namen Walter Carlos erschienen ist. In 1979 unterzog sich Walter Carlos nämlich einer Geschlechtsoperation und tritt seitdem als Wendy Carlos in Erscheinung. Dies macht es für Cratedigger einfach, die Original- von der nachpressung zu unterscheiden, denn auf den neueren Plattencovern wurde der Originalname ebenfalls in Wendy umgewandelt. Ende der 60er Jahre entschied sich Wendy Carlos ihre Liebe zur Physik und dem Klavierspielen zusammen zu bringen und ein Album aufzunehmen, dass ausschließlich mit gerade erst entwickelten Moog Synthesizer aufzunehmen. Das Album "Switched-on Bach" wurde als Meilenstein der elektronischen Musik gefeiert und leistete einen wichtigen Beitrag zur Akteptanz dieser Musik.



15) Hypnotic Brass Ensemble - Water
(The Heritage EP, Choice Cuts, 2010)

Der letzte Song dieser Ausgabe von DITC featured einen Titel des Afrobeat-Begründers Fela Kuti. In den letzten Jahren brach ein regelrechtes Afrobeat Revival aus und viele verschollen geglaubte Scheiben werden ausgegraben und neu releast. Im Zuge dieses neuerwachten Interesses veröffentlichte das Hypnotic Brass Ensemble eine Neuinterpretation von Kuti's "Water no get enemy" auf ihrer limitierten Heritage EP. Dabei zollen sie dem aus Nigeria stammenden Musiker Tribut mit einer Version, die abgesehen von einem Drumgroove ausschließlich mit Blasinstrumenten auskommt.



Friday, March 2, 2012

Sendung 13 - März '12

Auf der Suche nach raren Scheiben führt Caballos Weg diesen Monat in den Sunshine State der USA: Kalifornien. Auf seiner Route hat er für euch kaum bekannte Privatpressungen und verschollene 45's aus den letzten 50 Jahren ausgegraben. Das Genrespektrum umfasst neben Psychedelic und Surfmusik, auch Rap, Musik von der "neuen Beatgeneration" und Funk.


1) Matthew Larkin Cassell - Heaven

(Pieces, Privat, 1977)

Cassell ist ein Songwriter, Vokalist und Multi-Instrumentalist aus Nordkalifornien. Seine Kompositionen mischen Elemente aus Jazz, R'n'B, Fusion and Pop. Die privatgepressten LP's, die er aufnahm, erreichten teilweise einen Verkaufswert von ueber 1700$. Aufgrund der gewachsenen Aufmerksamkeit an seinen Scheiben in den letzten Jahren, nahm das Label Stones Throw Records den Musiker unter Vertrag und veröffentlichte 2010 sämtlichte Aufnahmen.

2) The Electric Prunes - The Adoration
(Release of an Oath, Reprise, 1968)

Die Mitglieder der Electric Prunes fanden sich in San Fernando Valley, Los Angeles. Sie starteten ihre Karriere mit Psychedelic-Singles, die sie an lokale Radiostationen verschickten. Es dauerte nicht lange, bis das Label RCA auf die Gruppe aufmerksam wurde, die zu diesem Zeitpunkt schon einige Hits in der Region landen konnte. Nach Charterfolgen in den USA und England, stellte Prunes-Manager Lenny Poncher Kontakt zum Arrangeur und Komponisten David Axelrod her. Axelrod schrieb jedoch Stücke, die technisch so anspruchsvoll waren, dass die Garagen-Band während der Produktionsphase von "Mass in F-Minor" aufgab und die kanadische Gruppe the Collectors die Aufnahmen vervollständigten. Für das zweite gemeinsame Album "Release of an Oath" engagierte Axelrod darum Top-Studiomusiker aus Los Angeles und liess die Electric Prunes lediglich den Gesang aufnehmen.

3) Enrique Olivarez - Arriba Tipo
(Para Ti, Discos Vampiros, 1972)

Eine der berüchtigsten Latin Bands aus Kalifornien sind Los Vampiros, unter Leitung von Enrique Olivarez. In der Region um Stockton und Oakland brachte die Band während der 70er das gemeine Tanzvolk mit ihren Uptempo-Cumbias zum Schwitzen. "Arriba Tipo" ist ein gutes Beispiel hierfür. Der Titel befindet sich auf ihrem ersten Album "Para Ti", dass Olivarez ueber sein selbstgegründetes Label Discos Vampiros releast hat.

4) Gaslamp Killer - Baiafro
(My troubled Mind, Brainfeeder, 2009)

Er ist einer der gefragtesten DJ's der letzten Jahre. Gaslamp Killer, bürgerlich William Benjamin Bensussen, spielt in seinen DJ-Sets saemtliche Stile und mixt sie wild durcheinander: IDM von Aphex Twins folgen rare Afro-Beat-LP's, um dann in raren Jazz aus Japan überzugehen. Die Wünsche seines Publikums werden nur selten berücksichtigt. Getreu dem Motto: A DJ is no Jukebox.
So erhielt er schliesslich seinen Namen, als er tanzbeinschwingende Hipster im Gaslamp District San Diego"s, dem Studentenviertel der Stadt, so sehr terrorisierte, dass sie den Club verliessen.

5) PJ & The Galaxies - B-Side
(Tally Ho B-Seite, PM Records, 1964)

Bei dieser B-Seite handelt es sich um einen Surf-Tune, der unter dem Namen "The Shimmy" bereits 1962 von The Belairs recorded wurde. Diese Version wurde jedoch nie releast. Der Leadgitarrist und Produzent Paul Johnson (PJ), der beide Versionen aufnahm, schrieb mir zu diesem raren Stück Surf-Geschichte:
"There is some confusion and controversy about the true origins of this tune. In late 1962, the Belairs went through a personnel change, and in the process we took on a bass player named Steve Lotto, who had just arrived in California from the east coast. He introduced “The Shimmy” to us as an original tune of his own. We accepted this at face value, and thus he is credited as the writer on both of these early recordings. In recent years, however, it has been called to my attention (though I regret that I cannot cite the source or particulars) that there was an earlier record, popular on the east coast, which had a different title but otherwise much in common with the tune that Lotto brought to us as “The Shimmy.”"
6) Frank Zappa - What's the ugliest part of your body
(We're only in it for the money, Verve, 1967)

Das Album „Freak Out!“ von Frank Zappa und seinen Mother’s of Invention gilt als das erste Konzeptalbum der Popgeschichte und karikiert die kalifornische Hippie-Szene, sowie die Beatmusik der 60er Jahre. Ihr drittes Album "We're only in it for the Money" steht dem in Nichts nach, wie schon das Cover der LP deutlich macht: Eine Parodie des legendären The Beatles-Albums St. Pepper's Lonely Hearts Club Band.
Der Hang zur Satire war ein wichtiges Merkmal von Zappa’s Musik, dem er bis zu seinem Tod 1993 treu geblieben ist.




7) Frank Zappa - Peaches en regligalia
(Hot Rats, Reprise, 1969)

In den späten 60ern vollzog Zappa einen großen Wandel in seiner Musik und trennte sich von seiner Band The Mothers of Invention. Zu diesem Zeitpunkt hatte er jedem der zehn Bandmitglieder 200$ pro Woche als Vorschuss auf erwartete Einnahmen durch Auftritte und Plattenverträge gezahlt und hatte dazu 10.000$ Schulden gemacht. In einem Interview führte Zappa später auch musikalische Gründe für die Trennung von den Bandmitgliedern an: Er sei frustriert vom Publikum gewesen, das kein Interesse an anspruchsvollerer Musik hätte und gleichzeitig seien die Musiker der Mothers nicht in der Lage gewesen, die von ihm geschriebene anspruchsvollere Musik jenseits der Rockmusik adäquat umzusetzen. Dementsprechend versammelte Zappa virtuose Musiker wie George Duke um sich, um das Album "Hot Rats" aufzunehmen. Viele von ihnen hatten einen Jazz-Hintergrund und so klingt die LP auch nach einer frühen Fusion aus Jazz und Rock.

8) Captain Beefheart - Abba Zaba
(Safe as milk, Buddah, 1967)

Stundenlange Listening-Sessions mit Frank Zappa haben bei Donald Vliet aka Captain Beefheart bleibende Spuren hinterlassen. Die Musik des Saengers mit den Lysergsäure-getraenkten Stimmenbändern zeigt deutlich seine Liebe zu Blues und Rock. Im Jahr 1969 erschien das von Frank Zappa produzierte Album Trout Mask Replica (deutsch: „Forellenmasken-Nachbildung“). Es gilt bei vielen Kritikern als ein Meilenstein der Rockgeschichte und als das beste Album von Captain Beefheart & his Magic Band.
Auf diesem musikalisch radikalen Album ist der Einfluss von Free Jazz stärker als auf den Vorgängern. Ich möchte den Fokus aber auf das erste Album richten, dass hauefig von den Nachfolgern überschattet wird. Beefheart selbst behauptete übrigens, gar keine Einflüsse zu haben.

9) Freestyle Fellowship - Innercity boundaries
(Innercity Griots, 4th & Broadway, 1993)

Die Gruppe Freestyle Fellowship formte sich Anfang der 90er im Good Life Café, einem Treffpunkt für junge Dichter und Performer in Los Angeles.
Die Mitglieder Aceyalone, Mikah 9, P.E.A.C.E. und Self Jupiter repräsentierten von Anfang an den Underground und entwarfen ein Gegenkonzept zum populären Westcoast-Rap. Statt über Alkohol, Waffen und Sex zu rappen, fokussierten sie sich auf sozialkritische und afro-amerikanische ThemenLyrics, die sie auf jazzigen Beats aufnahmen. Die LP "Innercity Griots" gehört zu einem der einflussreichsten Veröffentlichungen des Underground Hip-Hop. Die Distribution ihrer Musik war zu diesem Zeitpunkt ebenso unkonventionell. Die Künstler produzierten viele ihrer Tapes und Platten selber und verkauften sie direkt aus dem Kofferraum an die Plattenläden oder direkt an die Fans und hatten so wenig wie möglich mit der Musikindustrie zu tun.

10) Marvin Holmes - Ooh Ooh The Dragon
(Single, UNI, 1969)

Marvin Holmes ist ein Soul- und Funkmusiker aus Oakloand. Der um 1970 herum eine Handvoll Releases heraus gebracht hat. Zusammen mit einigen talentierten Studiomusikern aus der Region, die ihm als The Uptights den Rücken stärkten, releaste er 1969 die Single "Ooh ooh the dragon" die für das Label Uni, am Sunset Boulevard (Hollywood) aufnahm.

11) The Zodiac - Taurus The Voluptuary
(Cosmic Sounds, Elektra, 1967)

Die LP "The Zodiac - Cosmic Sounds" war die erste Veröffentlichung auf einem Major-Label für die der Moog-Synthesizer veröffentlicht wurde. Die damals revolutionären Klänge stellten eine Herausforderung an die Hörgewöhnheiten des Publikums dar. Zusammen mit den psychedelischen Monologen der Songs, war ein kommerzieller Erfolg beinahe unmöglich. Dabei war für die Umsetzung des Projektes niemand geringeres als Jac Holzman verantwortlich, der im selben Jahr The Doors unter Vertrag nahm und mir ihrem ersten Album Rockgeschichte schrieb.


12) Tom Waits - Singapore
(Rain Dogs, Island, 1985)

In einer Kritik von Waits' letztem Album "Bad as me" habe ich gelesen, er sei "mad famous for being unknown". Tatsächlich ist Tom Waits vielen Hörern mit ganz unterschiedlichen musikalischen Vorlieben ein Begriff, was sich auf seinen Konzerten in Form eines generationsübergreifenden Publikums bemerkbar macht. Trotzdem ist der Songwriter aus Pomona nie so richtig im Mainstream angekommen. Stattdessen bewegt sich Tom Waits in künstlerischen Gefilden, in die sich die meisten seiner Berufsgenossen nie wagen würden. Ob Theatermusik, Auftritte in diversen Filmen oder Gedichte - Berührungsängste hatte der exzentrische Trunkenbold mit der rauhen Stimme nie.

13) The California Playboys - Someone new
(Trying to become a millionaire, Loadstone, 1976)

Das Album der California Playboys ist eine der besten privatgepressten Soul-LP's überhaupt. Northern Soul war zum Zeitpunkt des Releases zwar schon seit 10 Jahren out, trotzdem scheint es die Musik nie wirklich an der Westküste erfolgreich gewesen zu sein. Das die durchaus talentierten Musiker und Sänger der Gruppe auf dem kleinen Label Loadstone releasten bestätigt diesen Eindruck. Ein rares Stück Soul-Geschichte!

14) Flying Lotus - Massage Situation
(Reset EP, Warp, 2007)

Steven Ellison aka Flying Lotus hat die Musik im Blut: Seine Großtante Alice Coltrane war zum Beispiel mit niemand geringerem liiert als dem großen Jazz-Saxophonisten John Coltrane. Ähnlich unorthodox wie Coltrane's Instrumentalspiel in den 60er Jahren ist die Musik seines Großneffens, der seine Karriere mit Hintergrundmusik für den Cartoonsender Adult Swim startete. In 2006 veröffentlichte der aus Winnetka stammende Produzent sein erstes Album, auf welchem er Samples aus verschiedenen Dekaden und Stilen mit elektronischen Klängen verquirlte. Der Sound, den er mit dieser Fusion kreierte, ist bei heute einzigartig und mir ist kein anderer HipHop-Produzent bekannt, dem es gelungen ist die Sample-Tradition auf so unkonventionelle weise ins 21. Jahrhundert zu überführen.

15) The Residents - Santa Dog
(Single, Ralph Records, 1972)

Um The Residents ranken sich zahlreiche Mythen. Die Gruppe versteht sich seit ihrer Gründung in den 60er Jahren ausgezeichnet darauf Gerüchte zu streuen und durch unklare Angaben in Interviews oder auf Platten Verwirrung zu stiften. So haben sie es geschafft, seit den 70ern bis heute kontinuierlich Alben zu veröffentlichten und jährlich neue Zuhörer zu gewinnen. Bis heute weiß niemand, wer sich hinter den vier überdimensionalen Augäpfeln verbirgt, mit denen die gruppe bei Aufritten die Bühne entert. Allerdings wird vermutet, dass es sich mitlerweile nicht mehr um die Original-Besetzung handelt. Manche Fans vermuten sogar, dass es sich bei den Gründungsmitgliedern um die Beatles handelt, die unter dem Pseudonym The Residents ein avantgardistisches Musikprojekt starten wollten.

16) The Seeds - Just let go
(Web of Sounds, Crescendo, 1966)

Auf die Gruppe The Seeds bin ich ersmals durch Gaslamp Killer aufmerksam geworden.
Er hat den Song "Just let go" in einem seiner Sets gespielt. Nach einer schwierigen Suche nach den Interpreten stieß ich schließlich auf die LP "Web of Sound", die gespickt ist mit Beat-lastigen Grooves und Psychedelic von der Westküste.
Für Fans von fuzzy Gitarren und analogen Audioeffekten ist die Scheibe genau richtig.



17) Joe Pass & Carole Kaye - Slick Cat

(Better Days, Gwyn, 1971)

Carol Kaye ist eine der umtriebigsten und gefragtesten Studiomusikern überhaupt. In ihrer 55-jährigen Profikarriere hat sie in über 10.000 Recording-Sessions gepsielt. Unter anderem hat sie für das legendäre "Pet Sounds"-Album der Beach Boys Gitarre eingespielt, oder für Hits von Simon & Garfunkel, sowie für Soundtracks von Quincy Jones. Es gibt wahrscheinlich so gut wie keinen Profi-Musiker in Kalifornien, der nicht schon mit ihr aufgenommen hat. So spielte sie zum Beispiel mit vielen Musikern dieser Ausgabe: Von the Zodiacs, über David Axelrod bishin zu 12-saitigen Gitarren-Stücken mit Frank Zappa. Für "Better Days" hat sie sich mit einem weiteren Gitarristen, dem aus Italien stammenden Joe Pass, zusammen getan.

Wednesday, February 15, 2012

Sendung 12 - Februar '12

Die Februar-Ausgabe ist thematisch gesehen die kurioseste aller DITC-Sendungen. Euch erwarten rare und obskure Auswüchse des Space-Age, der goldenen Ära der bemannten Raumfahrt. Viele Künstler setzten sich zwischen 1957-1980 mit dieser Materie auseinander und schufen auf ganz unterschiedliche Weise Musik, die ihrer Zeit um Lichtjahre voraus war. Freut euch auf ein kosmisches Klangspektrum von Cha Cha Cha und Krautrock, bis Freejazz, Spacedisco und natürlich schwer aufzutreibende Science-Fiction Soundtracks.



1. Stardrive - Jupiterjump
(Stardrive, Columbia, 1974)

Die Ausgabe startet raketenartig mit abgedrehtem Synthie-Fusion von Stardrive. Im Zentrum des gleichnamigen Albums stehen der Keyboarder und Soundtüftler Robert Mason und sein selbst gebauter Synthesizer namens Stardrive. Das Mason die Maschine namentlich in den Vordergrund stellt, zeigt deutlich in welche Richtung sich die LP bewegt. Es geht um die Verquickung von Mensch und Technik, um die Formung einer Einheit. "Jupiterjump" ist ein klares Statement dafür, dass ihm dies auf unkonventionelle Art gelungen ist.

2. Virginie Rodin - Commando Spatial
(Single EP, Decca, 1966)

Im Gegensatz zu Deutschland übernimmt man in Frankreich meist keine englischen Begriffe, sondern überlegt sich lieber eigene. Das ist heute so, war aber in den 60er Jahren nicht anders. Als der Beat-Welle durch Gruppen wie The Beatles auf das europäische Festland schwappte und von tosenden "Yeah, Yeah!"-Rufen der Fans begleitet wurde, entwickelte sich daraus der Begriff der "Yé Yé"-Musik. In diese Sparte fällt auch die Musik von Virginie Rodin, die für die B-Seite ihrer Decca-EP eine Coverversion von Peter Thomas' Titelmelodie zu Raumpatrouille Orion aufgenommen hat. Im Gegensatz zum wortlosen Original hat sie ihre Version jedoch auch noch mit einem amüsanten Text unterlegt.

3. Peter Thomas - Stars and Rockets
(Chariots of the Gods, Polydor, 1970)

Der bekannteste Song von Peter Thomas ist sicherlich die Titelmusik für Raumpatrouille Orion. Die Fernsehserie, die in den 60er Jahren für das ARD produziert wurde, ist Kult bei Science-Fiction-Fans und Weltraum-Nerds. Die Musik, die er für die Doku "Chariots of the Gods" (deutscher Titel: Erinnerungen an die Zukunft) aufgenommen hat, ist dagegen in Vergessenheit geraten. Dies mag an Erich von Däniken liegen, der in der Buchvorlage für den Film die These aufstellte, dass die tempel vieler Hochkulturen nur mit Hilfe außerirdischer Mächte gebaut werden konnte. Heute können die meisten über solche Spekulationen nur müde lächeln, damals reichten solche Inhalte aber um den oscar für die beste Dokumentation zu gewinnen.



4. Science Fiction Corporation - End of the Robot
(Science Fiction Dance Party, Poulär, 1968)

Der Krautrock-Experte Ulrich Klatte zählt diese Platte eine der zehn obskursten LP's aus Deutschland. Und tatsächlich scheint für diese Produktion der Spaß eher im Vordergrund gestanden zu haben als der musikalische Anspruch. Dies zeigt sich auf Songs wie "End of the Robot", in dem Robbie, der Roboter aus dem Science-Fiction-Film "Alarm im Weltall", den Auftrag bekommt Perry Rhodan, den Weltraumhelden der gleichnamigen groschenhefte umzubringen. Hinter diesem Projekt verbergen sich die Library-Musiker Horst Ackermann und Heribert Thusek, die auch schon für die rare "Dracula's Music Cabinet"-LP zusammen gearbeitet haben.

5. The Ames Brothers - Destination Moon
(Destination Moon, RCA Victor, 1958)

Die Crooning-Band The Ames Brothers sind ein hervorragendes Beispiel für die Allgegenwärtigkeit von Science Fiction Ende der 50er Jahre. In Amerika gab es einen regelrechten Hype um alles was mit Sternen, Ufos und Raketen (Vorsicht: Doppeldeutigkeit) zu tun hatte. Die Unterhaltungsindustrie stellte sich auf diesen neuen Trend ein und peppte sogar schmalzige Liebesballaden mit Raumschiffen und fremden Planeten auf. Für The Ames Brothers war es der erfolglose Versuch sich zurück ins Showbiz zu beamen, nachdem immer mehr Teenager Rock'n'Roll hören wollten und ihre Musik nicht mehr angesagt war.


6. Anthony King - Galactic Warfare
(Lost Star, Peer International, 1978)

Zu der LP und dem Komponisten sind mir nicht viele Infos bekannt. Das Label Peer International ist dafür aber eine Hausmarke. Es gehört ohne Zweifel zu einem der gefragtesten Library-Label, auf welchem in den 70ern viele Archivmusik-Scheiben erschienen sind, die aufgrund ihrer Funk- und Breakbeats bei DJ's sehr gefragt sind.

7. Gäa - Uranus
(Auf der Bahn zum uranus, Kerston, 1974)

Nach einem Auftritt fragte der Produzent Alfred Kersten die Band, ob sie nicht Lust hätten eine Platte in seinem Studio nahe Stuttgart aufzunehmen. Als die Musiker dort ein paar Wochen später ankamen, "standen jedoch gerade die Flippers im Studio, bei brütender Hitze mit geschlossenen Anzügen. Auf den nächsten Tag vertröstet, mußte man dann aber schon wieder einer anderen Gruppe den Vortritt lassen, da Fred Kerstens anfängliche Begeisterung für Gäa wohl etwas nachgelassen hatte. Zurückschicken konnte er sie allerdings auch nicht, und so wurden die Aufnahmen dann an einem Samstag in aller Hast und ziemlich lustlos von ihm durchgezogen. Mit dem Ergebnis war die Gruppe dementsprechend unzufrieden. Trotzdem wurden die Stücke 1974 als LP "Auf der Bahn zum Uranus" (Kerston 65014) in Kleinstauflage veröffentlicht." Nicht wenige Krautrockfans sehen in der Platte eine der überschätztesten LP's überhaupt. Denn trotz der minderwertigen Aufnahmen wird sie für circa 600€ gehandelt.

8. Alain Goraguer - La femme
(La planète sauvage, Pathé Marconi, 1973)

Dieser Film genießt nicht zuletzt wegen des Scores von Alain Goraguer Kultstatus bei Sammlern und Filmfans. Es handelt sich dabei um einen animierten Science-Fiction-Film, der in einer surrealistischen Welt stattfindet, die Bildern von Dali ähnelt. Die großartige Musik, die diesem Striefen seine unvergleichliche Atmosphäre verleiht, kann als Mischung von Pink Floyd und Isaac Hayes beschrieben werden.
1973 wurde der Film mit dem Spezialpreis in Cannes ausgezeichnet.



9. Sun Ra - Love in outer Space
(Single, Saturn, 1975)

Sun Ra ist ohne Zweifel eine der schillernsten Musiker des 20. Jahrhunderts. Und das liegt nicht nur an den glitzernden Gewändern und Kopfbedeckungen, die er während seiner Auftritte trug. Vielen war seine Musik aber zu abstrakt, sodass er stets als Avant-Gardist galt, der nie ein großes Publikum erreichte. Nichtzuletzt aufgrund deiner exzentrischen Art, überdauerte seine Musik die Jahrzehnte und dringt in den letzten Jahren immer mehr ins Bewusstsein von Hörern, die neue Klangerfahrungen machen wollen. Das gesamte Werk von Sun Ra zu überblicken ist schier unmöglich, denn er nahm in seiner Karriere hunterte von Alben auf, von denen viele nur in einer sehr geringen Auflage erschienen, sodass viele heute als verschollen gelten. Die Single "Love in outer space" wurde 1975 über sein eigenes Label veröffentlicht und ist eine Vokalversion des gleichnamigen Songs vom Album "The night of the purple moon" (1970).

10. Sun Ra - Rocket Number 9
( Space is the Place, Blue Thumb, 1973)

Dieser Song befindet sich auf dem Album "Space is the Place". Es ist leicht zu verwechseln mit dem gleichnamigen Soundtrack zu Sun Ras Science Fiction Film von 1972, in dem er seinen Mythos auf sehr verquere aber faszinierende Weise darlegt. Der offizielle Soundtrack zum Film erschien aber erst zwanzig Jahre später, 1993.


11. Jimmie Haskell - Moonlight Cha cha cha
(Countdown, Imperial, 1957)

Ein weiteres Beispiel für die Anfänge des Space-Age's Ende der 50er Jahre. Jimmie Haskell spielt auf seiner Idee typische Tanz- und Popnummern und peppt diese mit spacigen Effekten und ungewöhnlichen Instrumenten auf. Diese LP macht deutlich wie beliebt und selbstverständlich das Weltraum-Thema in dieser Zeit war und selbst konventionelle Unterhaltungsmusik beeinflusste.


12. John Keating - Starcluster
(Space Experience 2, Stereo2Stereo, 1975)

Ein weiterer (Aus)Flug auf den Planeten Synthesizer erwartet uns auf den Space Experiemce-LP's von John keating, die er für das Library-Label Stereo2Stereo von EMI aufgenommen hat. Neben Neuinterpretationen von zeitgenössischen Popsongs (z. B. "Dreamer" von Supertramp) gibt es auch eigene Kompositionen wie Starcluster zu hören. Wer analoge Synthie-Sounds und spacige Arragments abfeiert, sollte sich diese LP definitiv zulegen.

13. Ramases - Earth People
(Space Hymns, Vertigo Swirl, 1971)

Was macht ein britischer Heizungsmonteur, wenn sein Geschäft nicht gut läuft und keine Aufträge mehr kommen? Richtig, er versucht sich als Folkinterpret und erzählt seinen Zuhörern er sei die Reinkarnation vom Pharaoh Ramases. Der Erfolg folgte prompt und Michael Raphael, wie Ramases mit bürgerlichem Namen heißt, bekam einen vertrag bei dem berühmten ProgRock-Label Vertigo Swirl.
Die LP hat ein schönes Artwork, mit 6seitigem Cover zum Ausklappen:


14. Sonora Casino - Astronautas a Mercurio
(Trompeteros, Descarga, 1972)

Die LP von Sonora Casino ist eine tanzbare Scheibe aus Peru, die besonders Break-Digger und Tanzbeinschwinger glücklich machen wird. 200 Euro sollte man aber mindestens in seinem Sparstrumpf versteckt haben, wenn man die Platte sein eigen nennen will.

15. Sherman Space - Countdown
(Single, Teldec, 1969)

"Die erste Perry-Rhodan-Schallplatte ist da! „Count down“ ist der Schlager für alle Perry Rhodan Fans. Diese Schallplatte ist eine Verbeugung vor dem Phänomen Perry Rhodan, der größten Science-Fiction-Romanserie der Welt, deren Gesamtauflage allein in Deutschland bei nahezu 500 Titeln bisher über 56 Millionen beträgt. Dazu kommen rund 5 Millionen Comic-Hefte, eine Verfilmung und Lizenzausgaben in Amerika, Frankreich und Holland. Über 600 Perry Rhodan-Clubs existieren in Deutschland, die Zahl der Perry Rhodan-Leser ist nicht abzuschätzen."
Noch heute begeistern die Hefte unter dem Titel Perry Rhodan Neo mit einer Auflage von 80.000 wöchentlich tausende Fans. Die Musik von Sherman Space huldigt dem Protagonisten auf eine sehr witzige Weise, wie ich finde. Kult!

16. Venus Gang - Space Inferno
(Galactic Soul, Epic, 1978)

In den späten 70er Jahren sanken die Preise für Synthesizer und wurden auch für kleinere Studios erschwinglich. Dies hatte zur Folge, dass immer mehr Produzenten mit elektronischen Klängen arbeiten konnte und diese vermehrt in Musikstücken verwendet wurden. Synthesizer waren schon lange nicht mehr der Avantgarde vorbehalten, sondern kamen auch für populäre Stile zur Anwendung, wie zum Beispiel Discomusik. Die Platte von der Gruppe Venus Gang ist eine rare LP, die man als Spacedisco bezeichnen kann. Produziert wurde sie in Italien (Stichwort: Italodisco).