Tuesday, June 4, 2013

Sendung 28 - Holy Funk II

Holy Funk! Im zweiten Teil der sakralen Ausgrabungen, stellt euch Caballo unter anderem muslimischen Garagenrock aus Nigeria , deutschen Christ-Psych und Funk aus Israel vor, bei dem viele Cratedigger vom Glauben abfallen dürften (in diesem Falle wohl eher umgekehrt). Euch erwarten noch einmal 60 Minuten geistliche Musik, von der nur die Wenigsten ahnten, dass sie überhaupt existiert.


1) Kent Schneider - The church within us, o Lord

(Celebration of Modern Man, Delmark, 1969)

Komponist und Arrangeur Kent Schneider nahm mit seiner Band The Dukes of Kent und dem Chor Voices of Celebration 1969 das Album "Celebration of Modern Man" auf, welches beim renommierten Label Delmark Records aus Chicago erschien. Auf diesem, auf Jazz und Blues spezialisierten Musikverlag, veröffentlichten unter anderem Kollegen wie Sun Ra oder Anthony Braxton. Der Song "The church within us, O Lord" ist durch die Single-Reissue auf Jazzman Records sicherlich der bekannteste Song dieses musikalischen Kirchenprojekts, das für vom Center for Contemporary Celebration in Indiana iniziiert wurde.

2) Ralph Carmichael - Switchblade Theme
(The Cross and the Switchblade, Light, 1971)

Der Soundtrack zum Film "The Cross and the Switchblade" von 1971 ist unter B-Boys äußerst beliebt - wer das Titelthema hört, braucht sich nicht zu wundern wieso. Der Film basiert auf einem Buch des Evangelisten David Wilkenson, das in Deutschland unter dem Titel "Das Kreuz und die Messerhelden" erschien. Darin beschreibt er seine Arbeit mit Jugendbanden und Drogenabhängigen in New York.
Seine Predigt war vor allem auf die Ermutigung und Stärkung gläubiger Christen ausgerichtet. vermied es, Christen nach ihrer unterschiedlichen Kirchenzugehörigkeit zu sortieren, und fand daher auch in Deutschland eine relativ breite Zuhörerschaft in der ökumenischen Bewegung.
3) Tonistics - Dimona (Spiritual Capital of the world)
(Sweet Land of Mine, Kingdom, 1976)

Die Geschichte der Tontronics beginnt in Chicago. In den Armenvierteln im Süden der Stadt lebten in den 60ern überwiegend Afroamerikaner. Die Glaubensgemeinschaft der Black Hebrews, die hier besonders stark war, sah einen Ausweg aus den schlechten Verhältnissen darin, nach Israel auszuwandern - in jenes Land, in welchem ihrer Auffassung nach der Ursprung ihrer Kultur läge. In der israelischen Stadt Dimona gründeten sie Kommunen, in denen neben gemeinsamen Gebeten auch Musik zelebriert wurde. Die Musik diente dabei nicht nur der Unterhaltung, sondern auch der Verbreitung ihrer Glaubensgrundsätze, die Tonistics sollten mit zeitgenössischem Soul und Funk Mitglieder werben und auf die Black Hebrews aufmerksam machen. Auf der LP "Sweet Land of Mine" sind neben den Tonistics auch weitere Gruppen der Black Hebrews aus Dimona zu finden, wie zum Beispiel The Angelettes und die Vorgänger-Gruppe The Soul Messengers.

4) Masonic Wonders - I call him
(Single, More Love, 1981)

Die Masonic Wonders sind eine kleine Rhythm'n'Blues-Kapelle aus Milwaukee, Wisconsin. Beeinflusst vom Soulsound aus dem nahegelegenen Detroit nahmen sie Anfang der 80er Singles für das christliche Label More Love auf, die mit ihrem analogen Sound eher nach frühen 70ern klingen. Sicher auch ein Grund, warum die Platte heute nur schwer zu finden ist.

5) Impulse Chor + Band - Ein Lied für den König
(Weißt du wo der Himmel ist, Impulse-Musikverlag, 19??)

Dem einen oder anderen dürfte der Song "Ein Lied für den König" bereits auf dem zweiten Teil der großartigen Godly Grooves-Mixe von DJ Scientist und DJ Arok aufgefallen sein. Dieser funkige, positive Track ist ein rares Klangdokument, dass auch in Deutschland christliche Musik entstand, die nicht altbacken oder nach Schlager klingt. Bedankt euch bei Johannes, der mir diesen Song für die Sendung hat zukommen lassen. Auf seinem Youtube-Channel sohnderdonner gibt es noch viel mehr Musik aus geistliche Musik aus Deutschland zu entdecken.

6) Oratorium - Du bist die Stimme
(Oratorium, ASS, 1972)

Diese Privatpressung gilt bei Sammlern weltweit als heiliger Gral. Grund dafür ist neben der winzigen Erstauflage von 300 Exemplaren, der Sound der Platte: Die christlichen Texte auf deutsch wurden unterlegt mit Psychedelic und Garagenrock, wie man ihn sonst nur von raren Progressive-Scheiben aus den USA kennt.Sofort-Kauf im Internet ist möglich, man muss jedoch mindestens 600 Euro auf der hohen Kante haben.


7) Bill Coleman & Jef Gilson - Agnus Dei
(Jazz pour dieu, Unidisc, 196?)

Gilsons Platteneinspielungen, auf denen der französische Pianist und Arrangeur schon früh Kompositionen mit Tempowechseln, bitonalen Schichtungen und chromatischen Themen experimentierte, erschienen größtenteils auf Minilabels. Kommerzielle Erfolge blieben aus, so dass Gilson 1968 vorübergehend nach Madagaskar ging. 1971 kehrte er zurück und orientierte sich nun zunächst am Ethno-Jazz, dessen Vorreiter Mulatu Astatke ein möglicher Einfluss ist. Im vergangenen Jahr starb Gilson in Frankreich. Ein Best of mit raren Aufnahmen erschien bei Jazzman Records.

8) The Aaltos - They crucified him
(In Scandinavia, Evangelii Center, 197?)

The Aaltos kommen aus Schweden. Sie sind protestantisch. In den 70er Jahren brachten sie auf dem Label Evangelii Center zwei Alben heraus, die sich musikalisch zwischen Rock, Psych, Funk und Pop bewegen. Damit erschöpfen sich die Informationen, die ich über die Gruppe sammeln konnte jedoch schon. "They crucified him" stammt von ihrer zweiten und offenbar letzten LP "In Scandinavia".

9) Erich Kleinschuster Sextett - Communion
(Oberwarter Messe, EMI, 1970)

Der österreichische Posaunist Erich Kleinschuster begann seine Karriere beim Tanzorchester von Radio Graz. 1966 gründete der promovierte Jurist sein eigenes Sextett, unter anderem mit Art Farmer und Fritz Pauer. Bereits drei Jahre baute er sich ein zusätzliches Standbein als Hochschullehrer auf im Jazzinstitut des Konservatorium Wien, welches er ebenfalls gründete.

10) James Tatum - Alleluia
(Contemporary Jazz Mess, JTTP, 196?)

 James Tatum ist ähnlich wie Erich Kleinschuster Musiker und Musiklehrer, dessen Karriere durch Jazz geprägt ist und auf diesem Weg auch mit Religion in Kontakt kam. Seit über 30 Jahren unterrichtet Tatum an der Oakland University in Detroit, wo er im Laufe seiner Karriere unter anderem mit Jazzstars wie Coleman Hawkins, Mercer Ellingtion und Dr. Billy Taylor auftrat. Das Album "Contemporary Jazz Mess" entstand meines Wissens nach noch vor seiner Lehrtätigkeit.

11) Andrew Wartts & The Gospel Storytellers - Peter & John
(There is a god somewhere, Champ, 1982)

Mit Hilfe von Oliver Sain's Gitarristen Earl Wright kam die LP "There is a god somewhere" zu stande, die zwei Jahre nach den Aufnahmesessions über das kleine Label Champ Records aus Nashville, Tennesse, erschien. Andrew Wartts und seine Gospel Storytellers liefern hierauf eine Mischung aus Funk, Soul, Gospel und R'n'B, wobei auch der Anteil an Spoken Word nicht zu kurz kommt. Auf "Peter & John" werden die Musiker auch dem Anspruch des Geschichtenerzählens gerecht. Obskur!

12) The Last Call of Shiloh - Joy of a friend
(The Last Call, Last Call, 1972)

Noch eine Privatpressung, die heute äußert begehrt ist: The Last Call of Shiloh stammen aus Sandpoint, Idaho. Die Bandmitglieder lebten gemeinsam in einer christlichen Kommune, ehe sie ein paar Jahre später wohl nach New Jersey zogen und dort unter dem Namen Living Sacrifice auftraten. Der Name Shiloh ist nach Angaben auf der LP ein anderer Name für Jesus, dem sie auf "Joy of a friend" auch Tribut zollen.

13) Majesty - You're number one
(Deliverance, Morata, 1984)

Hat jemand gerade 1450€ parat? Soviel muss man momentan im Netz für die quasi-Privatpressung des Tonträgers "Deliverance" von 1984 zahlen. Damit ist diese Platte alles andere als ein Schnäppchen und zählt zu den rarsten und unbekannteren Scheiben im ohnehin schon sehr speziellen Xian-Genre.

14) Ofo & The Black Company - Allah Whakbar
(Single, Decca, 1972)

Ofo & The Black Company war eine Studentenband, die sich in Lagos gründete und wegen ihres Rufs als spektakuläre Liveband in den 70ern nach Großbritannien eingeladen wurde. Ein Album nahmen sie soweit ich weiß nicht auf, aber eine Single veröffentlichten sie 1972 über Decca UK, die heute bei Sammlern sehr gesucht ist.

15) The Electric Prunes - Holy are you
(Release of an Oath, Reprise, 1969)

Die Mitglieder der Electric Prunes fanden sich in San Fernando Valley, Los Angeles. Sie starteten ihre Karriere mit Psychedelic-Singles, die sie an lokale Radiostationen verschickten. Es dauerte nicht lange, bis das Label RCA auf die Gruppe aufmerksam wurde, die zu diesem Zeitpunkt schon einige Hits in der Region landen konnte. Nach Charterfolgen in den USA und England, stellte Prunes-Manager Lenny Poncher Kontakt zum Arrangeur und Komponisten David Axelrod her. Axelrod schrieb jedoch Stücke, die technisch so anspruchsvoll waren, dass die Garagen-Band während der Produktionsphase von "Mass in F-Minor" aufgab und die kanadische Gruppe the Collectors die Aufnahmen vervollständigten. Für das zweite gemeinsame Album "Release of an Oath" engagierte Axelrod darum Top-Studiomusiker aus Los Angeles und liess die Electric Prunes lediglich den Gesang aufnehmen.

Monday, May 6, 2013

Sendung 27 - Holy Funk I

Diese Ausgabe kann als unkonventioneller Nachtrag zum evangelischen Kirchentag gesehen werden, der am ersten Mai-Wochenende in Hamburg stattfand. Caballo hat sich auf die Suche nach dem heiligen Gral begeben und präsentiert ungewöhnliche, obskure und seltene Aufnahmen religiöser Musik. Unzählige Plattenkisten wurden durchwühlt und immer mehr verschollene LP's zu Tage befördert, die das Herz jedes Cratediggers höher schlagen lassen. Unter anderem gibt es sakralen Jazz aus Mexiko, Folk aus Norwegen, Highlife aus Nigeria und Funk aus Deutschland. Ein Heidenspaß - auch für Christen.


Für die Zusammenstellung der Musik hat Caballo tatkräftige Unterstützung von Johannes bekommen, der seit vielen Jahren christliche Musik vor allem aus Deutschland sammelt. Auf seinem Youtube-Channel hat er ausgewählte Stücke seines Fundus' hochgeladen.

1) Tino Contreras y su Grupo - Santo
(Misa en Jazz, Pax, 1968)

Der Schlagzeuger aus Mexiko ist seit mehr als 50 Jahren aktiv und nahm in den späten 60ern eine Reihe von LP's mit seiner Gruppe auf, die heute äußerst schwer zu finden sind. Der Schwerpunkt seines Schaffens liegt auf Hardbop und modalem Jazz. Besonders auf der Platte "Misa en Jazz" ist dies deutlich zu hören. Für den darauf enthaltenen Titel "Santo" hat sich Contreras bei David Brubeck's Standard "Take five" bedient. Das Orgelostinato im 5/4 Takt trägt unüberhörbar die Handschrift des im letzten Jahr verstorbenen Pianisten.

 2) Hermann Gehlen - Kyrie
(Jazzmesse '66, Schwann, 1969)

Die ersten Jazzgottesdienste wurden Mitte der 50er Jahre organisiert. Durch die Einbindung moderner Musik in die Messe, wollten die Organisatoren gezielt junge Menschen für Religion begeistern und ihnen demonstrieren, dass Glaube keineswegs rückständig oder konservativ sein muss. "Kyrie" wurde 1966 von Hermann Gehlen für eine Jazzmesse in Düsseldorf geschrieben, die drei Jahre später von Kurt Edelhagen, der Solistin Agnes Giebel und dem Chor des Düsseldorfer Musikvereins für das Kirchenlabel Schwann eingspielt wurde.


3) The Search Party - The News is You
(Montgomery Chapel, Century Records, 1969)
 
Hierbei handelt es sich um eine Scheibe, die von vielen Sammlern als DER heilige Gral unter religiösen Platten bezeichnet wird. An dem musikalischen Talent des Quartetts kann es nicht liegen, denn auf einigen Tracks der LP hört man deutliche Schwächen im Gesang und Instrumentalspiel. Dennoch hat der aus Wisconsin stammende Produzent Nicholas Freund es wie kaum ein anderer verstanden, die Underground-Szene in San Francisco mit seinen religiösen Visionen zu verbinden. In der Montgomery Chapel nahmen er und seine Studenten schließlich das Album auf, dass in einer Auflage von 600 Exemplaren erschien. Und dies ist sicherlich der Hauptgrund, warum die obskure LP heute in Kennerkreisen für 1500$ gehandelt wird.

4) Exodus - Kettenlied
(Wovon Menschen leben, Privat, 1982)

Es ist schon erstaunlich: In Deutschland gibt es vergleichsweise wenig Funkplatten mit deutschen Texten. In den 70er Jahren dominierte immernoch Schlager, die Exoten und Freaks beschäftigten sich mit Rock. Und ausgerechnet eine kirchliche Band wie Exodus ist es, die auf ihrem "Kettenlied" funkige Grooves präsentieren. Auch wenn die gesamte LP musikalisch gelungen ist, bleibt dieser Song leider der einzige Ausflug in den Funk-Kosmos, ähnlich wie bei manchen Schlagermusikern, die es riskierten Funk in ihre Musik einfließen zu lassen.


5) Calvin B. Rhone - I believe
(Intimate Friend, Privat, 1983)

Calvin B. Rhone ist Pastor in Los Angeles und bekannt dafür, dass er nicht nur gern predigt, sondern auch singt. Als Sohn lokaler Kirchenaktivisten begann er seine Gesangskarriere bereits im Alter von acht Jahren, ehe er Anfang der 80er, im Alter von 22 Jahren, sein erstes Album „Intimate Friend“ veröffentlichte, auf dem er seine Liebe zu Funk und Gott miteinander verband. Seitdem machte sich der Baptist einen Namen als singender Pastor und gibt bis heute weltweit Seminare, in denen er unterstreicht, dass er nicht nur ein Mann des gesprochenen Wortes ist, sondern auch des gesungenen – des Gospels. Das Album erschien als Privatpressung und ist heute kaum noch bekannt - zu unrecht wie "I believe" beweist.

6) Mighty Walker Brothers - God's been good to me
(Single B-Seite, Revival, 197?)

Hinter den Mighty Walker Brothers, nicht zuverwechseln mit der Popgruppe The Walker Brothers, verbirgt sich eine Funkband aus Ecorse, in der Nähe Detroits. Während der 70er Jahre nahmen sie, beinflusst vom Soul und Funk der Motorcity, ein paar Singles für das lokale Label Revival auf. Die religiöse Ausrichtung des Labels kommt schon auf dem Aufdruck ums Mittelloch klar zum Ausdruck: "Dedicated to the promotion of the Gospel of Jesus Christ". Was den sekularen Hörern jedoch zu christlich war, war den Gospelhörern zu funky und damit unchristlich. So blieb die Band bis heute unentdeckt.
 
7) That's Why - Mattheus 25
(That's Why, Jazzman, 2012)

Die Rockmusik der 70er Jahre hatte einen Hang zum diabolischen, der sich im Hardrock und schließlich im Metal manifestierte. Bands wie Black Sabbath waren in den Augen der Kirche Auswüchse eines immer weiter um sich greifenden Mangels an christlichem Gedankengut. Um die jungen Menschen vom Teufel zu Gott zu bringen, wurden religiöse Rock-, sowie Folk- und Jazzgruppen gegründet. In Norwegen fand diese Entwicklung im Rahmen des Forum Experimentale statt, zu dem auch die Gruppe That's Why um Pianist jan Simonsen und Sängerin Gerdelin Sørensen zählte. Sie nahmen die Alben "Children of the future age" und "That's Why Vol. 2" auf, auf der sie Folk mit Jazz und Bibeltexten vermischten. Im vergangenen Jahr nahm sich das Label Jazzman diesen unauffindbaren Werken an und brachte eine selbstbetitelte Compilation heraus.

8)  David Axelrod - The Warning part II 
(Earth Rot, Capitol, 1970)

David Axelrod ist Komponist, Arrangeur und Produzent. Wer sich auch nur ansatzweise mit Rapmusik beschäftigt, der kennt höchstwahrscheinlich auch seine Musik - jedoch in veränderter Form. Denn Produzenten wie Dr. Dre oder Kanye West bedienten sich unzählige Male an Axelrod's Kompositionen und sampelten sie für ihre eigenen Songs. Der Schöpfer selbst hat seit jeher ein gespaltenes Verhältnis zu dieser Kunstform, denn einerseits schränke es die musikalische Kreativität ein, andererseits habe er es Hip Hop zu verdanken, dass auch junge Menschen seine Musik kennen und hören. Denn nach seinen Erfolgsjahren in den 70ern, bekam Axelrod keine Aufträge mehr und lebte in einem bescheidenen Appartment in Los Angeles. Bis in den frühen 90ern ein Vertreter seines ehemaligen Labels an die Tür klopfte um ihm einen dicken Scheck mit den Tantiemen für seine gesampelten Songs zu überreichen. Auch "The Warning part II" fand bereits Verwendung auf Mos Def's Album "Black on both sides".
9) The Electric Prunes - Closing Hymn
(Release of an oath, Reprise, 1968)

Die Mitglieder der Electric Prunes fanden sich in San Fernando Valley, Los Angeles. Sie starteten ihre Karriere mit Psychedelic-Singles, die sie an lokale Radiostationen verschickten. Es dauerte nicht lange, bis das Label RCA auf die Gruppe aufmerksam wurde, die zu diesem Zeitpunkt schon einige Hits in der Region landen konnte. Nach Charterfolgen in den USA und England, stellte Prunes-Manager Lenny Poncher Kontakt zum Arrangeur und Komponisten David Axelrod her. Axelrod schrieb jedoch Stücke, die technisch so anspruchsvoll waren, dass die Garagen-Band während der Produktionsphase von "Mass in F-Minor" aufgab und die kanadische Gruppe The Collectors die Aufnahmen vervollständigten. Für das zweite gemeinsame Album "Release of an Oath" engagierte Axelrod darum Top-Studiomusiker aus Los Angeles und liess die Electric Prunes lediglich den Gesang aufnehmen. 
  
 10) Oskar Gottlieb Blarr - Begebenheit
(Denn er hat Wunder getan, Schwann, 1968)

Der Kirchenmusiker und -organist war fast 40 Jahre lang an der Neanderkirche in Düsseldorf tätig. Hier schrieb er neben Oratorien und Orchesterwerken auch Musik für Jazzmessen. Das Album "Denn er hat Wunder getan", welches auf dem lokalen Schwann-Label erschien, nahm er gemeinsam mit Knut Kiesewetter auf. Der Jazzsänger und Posaunist ist bekannt dafür Jazz mit unterschiedlichsten Stilen, darunter Blues, Chanson und eben auch Gospel zu mischen.

11) Rising Stars - Kyrie
(Worte ins Leben - Neue Lieder zum Gottesdienst, Studio Union, 1975)

Dieser Titel wurde mir von Johannes zugespielt. Ich habe leider kaum Informationen zur Band gefunden. Fakt ist, dass er auf der 2x7inch "Worte ins Leben - Neue Lieder zum Gottesdienst" zu finden ist. Die Band selbst bestand aus "Theologiestudenten der Ordenshochschule der Redemptoristen in Henned/Sieg.
Ihre langjährigen Erfahrungen in dem Bemühen, mit neuen textlichen und musikalischen Ideen zu einem lebendigen Gottesdienst beizutragen, haben auch in diesen Liedern ihren Ausdruck gefunden. Das lebhafte Echo in zahlreichen Gemeinden hat die Band der jungen Ordensleute ermutigt, ihre neuesten Lieder auf diesen Platten der Öffentlichkeit vorzustellen."

12) Bala Miller & The Great Music Pyrameeds of Afrika - Ikon Allah
(Bala Miller & The Great Music Pyrameeds of Afrika, Afrodisia, 1979)

Mit über 44% hat Nigeria einen der höchsten Anteile an Muslimen in Afrika, besonders der Norden ist muslimisch geprägt. Aus dieser Region stammt Bala Miller, einer der prominentesten Musiker und Entertainer des westafrikanischen Landes, der vor zehn Jahren, im Alter von 75 starb. Seine Lieder hatten oft sozialkritische, aber auch religiöse Themen zum Inhalt, so besang er auf „Ikon Allah“ beispielsweise den Willen Gottes, unterstützt von seiner Band Pyrameeds of Afrika. In Nigeria kennt man das Lied vornehmlich aus der Miller's Fernsehshow, in der er häufig seinen eigenen Songs sang.

13) Salamander - False Witness
(The Ten Commandments, Young Blood, 1971)

Salamander aus Großbrittanien waren hörbar von den frühen Deep Purple inspiriert. Auf ihrem Konzeptalbum "The Ten Commandments" kombinierten sie diesen Rock mit biblischen Texten. Der track "False Witness" bezieht sich auf das achte Gebot - Du sollst nicht falsch Zeugnis reden wider deines Nächsten.
14) The Sim-Aries - I was just a sinner
(Out on a Hill, ABC, 1974)

The Sim-Aires sind eine R&B-Gospelkapelle aus Kalifornien, die neben der LP "Out on a Hill" auch eine handvoll Singles releast haben. Besonders das für Gospel typische Element des Call-and-Response kommt wie auf "I was just a sinner" häufig zum Einsatz. Die LP ist einer der nicht so leicht zu findenen Releases des Labels ABC / Dunhill Records, auf dem in den frühen 70ern viele Soulklassiker erschienen. 

Tuesday, April 2, 2013

Special - Record Store Day 2013

Der internationale Tag der unabhängigen Plattenläden  - Record Store Day 2013 - findet am 20. April statt! Plattensammler, Musikliebhaber und Vinylnerds lecken sich schon die Finger nach den exlusiven Releases, die NUR an diesem Tag beim Fachhändler ihres Vertrauens auf sie warten. In Deutschland gibt es knapp 400 Sonderauflagen, limited editions, bisher unveröffentlichte B-Seiten, etc. zu ergattern. Darüber hinaus locken die Plattenläden aber auch mit diversen In-Store-Konzerten, bei denen die staubigen Recordshops in kleine Rockpaläste verwandelt werden. In diesem Special findet ihr die wichtigsten Links zum RSD 2013!





Die Gesamtliste mit allen Record Store Releases findet hier HIER. Für den RSD Germany sind es circa 390 Platten, die am 20. April veröffentlicht werden, wobei die Liste bis kurz vor Beginn noch leicht variieren kann. Am spektakulärsten sind sicherlich die limitierten Ausgaben mit multicolored Vinyl und natürlich die Single "Schokolade" von Deine Freunde, die (kein Scherz) aus feinster Schokolade gepresst wurde.

 
Wenn ihr euch nicht sicher seid, ob es unabhängige Plattenläden in eurer Stadt gibt, dann schaut doch einfach auf diese geniale Karte, auf der nicht nur deutsche Plattenläden verzeichnet sind. Ideal für den Urlaub. Ob die Läden auch am RSD 2013 teilnehmen, könnt ihr HIER nachschauen. Auf der Seite sind alle Läden gelistet. Alle Hamburger können auf unter diesem Link ihre Lieblingsläden heraussuchen.

Sendung 26 - Record Store Day

Am 20. April ist es soweit: Der Record Store Day - der internationale Tag der unabhängigen Plattenläden - findet wieder statt. Caballo stellt euch das weltweit größte Musikevent vor und beleuchtet im Interview mit Jan Köpke, Koordinator des RSD Germany, was Plattensammler und Musikliebhaber dieses Jahr erwartet. Außerdem skizziert André Frahm von Michelle Records, einem der wichtigsten Record Shops, die deutsche Vinyllandschaft. Musikalisch gibt es eine Vor- und Rückschau auf exklusive Record Store Day Releases, die  nur an diesem Tag in streng limitierten Auflagen veröffentlicht werden.



1) Dennis Da Menace - Oro Negro
(Quintessenz, Wortsport, 2011)

Die April-Ausgabe von Diggin in the Crates wird von Dennis Da Menice eröffnet. Passend zum Thema der Sendung rappt er über seine Liebe zum "Oro negro" dem schwarzen Gold. Vielen Schallplatten-Besessenen spricht der Heilbronner sicher aus dem Herzen, der seine musikalischen Ambitionen schon als Kind mit klassischem Geigenspiel und Singen im Jugenchor unterstrich. Produziert wurde der Track von niemand geringerem als Dexter, dem von Kritikern wohl umjubelsten deutschen Beatbastler der letzten fünf Jahre.

                        

2) Mario Biondi - A handful of Soul (Talkin the live Mood)
(RSD EP, Schema, 2011)

Der erste RSD Release stammt von Mario Biondi, Sohn eines sizialianischen Liedermachers. Der Soul- und R&B-Sänger arbeitete schon mit vielen Musikgrößen des Landes zusammen und hat sich mit seinem unverkennbaren Crooning einen Stammplatz in den italienischen Top10 gesichert. Für den Record Store Day 2011 veröffentlichte er eine spezielle Version seines bekannten Songs "A handful of Soul" seines gleichnamigen Debut-Albums.

3) Frank Zappa - Why don'cha do me right
(Single, Verve, 1967)

Das Album „We’re only in it for the Money“ von Frank Zappa und seinen Mother’s of Invention gilt als das erste Konzeptalbum der Popgeschichte und karikiert die kalifornische Hippie-Szene, sowie die Beatmusik der 60er Jahre. Der Hang zur Satire war ein wichtiges Merkmal von Zappa’s Musik, dem er bis zu seinem Tod 1993 treu geblieben ist. Im gleichen Jahr erschien auch die Single "Why don'cha do me right" , die heute unter Sammlern als sehr rar gilt. Viele reiben sich daher schon vor Vorfreude die Hände, denn dieses Jahr erscheint einer Reissue mit "Big Leg Emma" auf der B-Seite.

4) Shuggie Otis - Aht uh mi hed
(Inspiration Information, Epic, 1974)

Kenne ich den Anfang nicht irgendwoeher? Vermutlich schon. Die Absoluten Beginner haben "Aht uh mi hed" für ihre oft missverstandene Ballade "Liebeslied" gesampelt, der auf dem Deutschrap-Klassiker Bambule zu finden ist. Der R&B- und Bluessänger und Bassist galt lange als vergessen und wurde vielen Fans des Genres erst in den vergangenen Jahren durch eine Reihe von Reissues wieder in Erinnerung gerufen. Am 20. April gibt es für alle, die noch nicht mit seiner Musik vertraut sind, das Best of-Album "Introducing Shuggie Otis" auf audiophilem 180 Gramm Vinyl.

 5) Battles - Dominican Fade (Qluster Remix)
(Dross Glop, Warp, 2012)

Dieser Remix von Qluster, ehemals Cluster, entstand im Rahmen einer RSD LP von Battles. Hinter Qluster stecken Onnen Bock und Hans-Joachim Roedelius. Letzterer war von Anfang an dabei und hat als Kluster einen wichtigen Anteil an der positiven Reputation des Krautrock heute. Mit ihren synthetischen Klangprojekten der frühen 70er Jahren beeinflussten sie nachfolgende Musikergenerationen maßgeblich. Künstler wie David Bowie, The Human League oder die Red Hot Chili Peppers geben die Gruppen als wichtigen Einfluss an. In Deutschland sind ihre Alben, die frühe Formen von Trance und Ambient aufweisen, nicht mehr allzu vielen Leuten bekannt. Die Soloalben von Moebius führen dies elektronischen Gehversuche der Vorläufer-LP's konsequent weiter und zeigen deutlich, dass die Wurzeln seines Schaffens in Steve Reich's Minimal und den elektronischen Experimenten Karlheinz Stockhausen's liegen.

                          

6) Eric Burdon & Zhe Greenhornes - Out of my Mind
(Eric Burdon & The Greenhornes, Readymade, 2012)

 Der „Rolling Stone“ zählt den kleinen rundlichen Briten zu den 100 bedeutendsten Sängern in der Geschichte des Rock. Eric Burdon hat als Gründer der Band The Animals Rockgeschichte mit "House of the rising sun" geschrieben. Mit dem Album "Til the river runs dry" meldet sich der Sänger in diesem Jahr zurück. Im vergangenen Herbst brachte er schon eine EP mit seiner neuen Band The Greenhornes heraus, die am RSD auch in Deutschland erscheint.

7) Ruth Wallis - Long Playing Daddy
(Naughty Naughty, Summit, 1974)

Ruth Wallis ist eine Kabarettsängerin aus New York, die ihre Glanzzeiten in den 50ern hatte. Die Aufnahme entstand bereits 1957 und wurde auch als Single veröffentlicht. In Australien erschien in den 70ern eine Zusammenstellung verschiedener Songs unter dem passenden Titel "Naughty Naughty". Die Tracks handeln größtenteils von brisanten Themen wie Ehebruc und Homosexualität oder verpacken Sex in witzige Testkostüme. In "Long playing Daddy" singt Wallis zum Beispiel von der Langspielplatte und ihren Vorzügen gegenüber Singles, die nur eine kurze Spielzeit haben und mit denen man daher einfach kein Spaß haben kann.

                         

8) CSC Funk Band - Chatcher's Mitt
(Funkincense, Cowbell Rec, 2013)

Die CSC Funk Band aus Brooklyn haben in den vergangenen Jahren schon die eine oder andere Single zum RSD veröffentlicht. Zuletzt erschien auf dem HipHop-Label Fat Beats eine Hommage an die legendäre Rapcrew GangStarr. Was die funkbegeisterte Zuhörerschaft auf der diesjährigen EP "Funkinscense" erwartet, deutet Catcher's Mitt an. Dieser Song erschien bereits als exklusive Single über Volcom und ist der Opener für ihren RSD Release 2013. Wer die Platte haben möchte, muss sich allerdings beeilen, denn es wird allem Anschein nach nur 250 Exemplare geben!

9) Danger Mouse & Daniele Luppi - Two against One (feat. Jack White)
(Single, Third Man, 2011)

Besitzt einen Plattenladen. CHECK. Leitet ein Plattenlabel. CHECK. Macht selbst alle möglichen Platten. CHECK. Der Botschafter des RSD 2013 hat seine Hausaufgaben definitiv gemacht und somit seine Audiophilie unter Beweis gestellt. Erste Erfahrungen konnte Jack White schon 2011 sammeln, als er mit Danger Mouse und Daniele Luppi die Single "Two against One" veröffentlichte.



10) Flying Lotus - Camputer Face (String Arrangement)
(Cosmogramma Alt Takes, Warp, 2011)

Steven Ellison aka Flying Lotus hat die Musik im Blut: Seine Großtante Alice Coltrane war zum Beispiel mit niemand geringerem liiert als dem großen Jazz-Saxophonisten John Coltrane. Ähnlich unorthodox wie Coltrane's Instrumentalspiel in den 60er Jahren ist die Musik seines Großneffens, der seine Karriere mit Hintergrundmusik für den Cartoonsender Adult Swim startete. In 2006 veröffentlichte der aus Winnetka stammende Produzent sein erstes Album, auf welchem er Samples aus verschiedenen Dekaden und Stilen mit elektronischen Klängen verquirlte. Der Sound, den er mit dieser Fusion kreierte, ist bei heute einzigartig und mir ist kein anderer HipHop-Produzent bekannt, dem es gelungen ist die Sample-Tradition auf so unkonventionelle weise ins 21. Jahrhundert zu überführen. Für den RSD 2011 beschritt Flying Lotus ungewöhnliche Klangpfade und nahm eine Streicherversion seiner Single "Computer Face" auf.

11) The Mad Lads - Gone! - The promises of yesterday
(Single, Volt, 1973)

Am RSD erscheinen nicht nur Neuveröffentlichungen oder simple Reissues, sondern es gibt auch Boxen und Werkschauen, die die Hörer in ein Kapitel der Musikgeschichte einführen, das bisher kaum beachtet wurde oder in Vergessenheit geriet. Passend dazu wurde 2011 unter dem Titel "Never to be forgotten - The flip side of Stax 1968-74" eine Kollektion zehn rarer 45's herausgebracht. Begleitet werden diese unbekannteren Singles des legendären Funklabels (mit Sublabel Volt) von einem dicken Buch, in welchem die Geschichte des Labels rekapituliert wird.

12) Tall Tom - Stack-a-Records
(Single, Crest, 1957)

Aus Amarillo, Texas, stammt der Interpret des letzten Songs dieser DITC-Sendung. Typisch für den Midwesten singt Tommy Lee Guthrie a.k.a. Tall Tom überwiegend Country- und Folksongs, sowie Rockabilly. Zu letzterem Genre zählt die Single "Stack-a-Records", in der er von einem für Plattengräber bekannten Problem berichtet: Dieser einen Scheibe, die man schon überall gesucht hat, aber nicht mehr findet, weil überall Platten herumliegen.

Monday, March 4, 2013

Sendung 25 - Jazzman Records

In dieser Sendung erwartet euch ein Einblick in die Plattenschätze von Jazzman Records. Das Londoner Label veröffentlicht seit knapp 15 Jahren verschollene Soul-, Funk- R&B- und Jazzplatten neu. Mittlerweile gibt es bereits mehrere Sublabels, auf denen vor allen Dingen Single-Reissues erscheinen. Caballo stellt euch den Labelkatalog vor und lässt den gründer Gerald zu Wort kommen. Ein Gewinnspiel gibt es zudem auch noch!
 


Die genauen Informationen zum Gewinnspiel gibt es hier.

Wer mehr über Jazzman Records erfahren möchte, der kann dies hier tun.

1) France Gall - Zozoi
(Single, La Compagnie, 1970)

Die französische Sängerin France Gall war in den 60ern und frühen 70ern ein Star ein Frankreich und machte sich mit ihren auf deutsch gesungenen Texten auch hierzulande einen Namen. Bereits im Alter von 15 Jahren nahm sie ihre ersten Chansons auf, nachdem sie zuvor mit Unterstützung ihrer Eltern die Schule abbrach. Die Bekanntschaft mit Serge Gainsbourg erwies sich für sie als wahrer Glücksgriff und trug zu ihrer rasanten Karriere bei. Die Texte waren oberflächlich betrachtet harmlos und thematisierten scheinbar banale Themen, steckten jedoch voller Mehrdeutigkeiten und erotischer Anspielungen.
Die Single "Zozoi" zählt zu ihren selteneren Platten und kostet im Original mehr als 100 Dollar.

2) Ray Barretto - Soul Drummers
(Single, Fania, 1968)

Als Sohn puerto-ricanischer Einwanderer wuchs Ray Barretto in Spanish Harlem, dem lateinamerikanischen Viertel in New York auf. Dort vermischten sich die traditionellen Spielweisen jenes Kontinents mit dem in den 30er Jahren sehr präsenten Jazz von Duke Ellington, Count Bassie oder Benny Goodman. Barretto sog alle Klänge auf wie ein Schwamm und begann mit knapp 20 Jahren in Jazzbands Conga zu spielen. In den 70er Jahren hatte er es nicht bloß geschafft eine Band um sich zu formieren, sondern war auch Teil der Fania Allstars. Diese Supergroup bestand aus verschiedenen Musikgrößen des Latin Jazz, die bei Fania, dem wohl berühmtesten Boogaloo-Label aus New York unter Vertrag waren.

3) Barrett Strong - Misery
(Single, Tamla, 1961)

Barrett Strong gehört zu den ersten Musikern, die auf dem 1959 gegründeten Tamla Label, einem Ableger von Motown Records, releasten. Der Sänger und Songwriter kam, wie viele Rhythm&Blues-Sänger aus den Südstaaten der USA und hatte einige Hit-Singles, von denen "Money (That's what I want)" wohl zu der bekanntesten zählt. Nicht zuletzt durch die Verwendung in Brad Pitts Film Killing them softly stieg das Interesse an Strongs Musik erneut. "Misery" wurde auf dem Sublabel Jukebox Jam neuaufgelegt, auf welchem ausschließlich rare R&B-Singles erscheinen.

4) Mountain Mocha Kilimanjaro - Why am I standing here
(Mountain Mocha Kilimanjaro, Jazzman, 2008)

Das es mittlerweile einige Bands in den USA gibt, die wieder ganz auf den alten Soul- und Funksound der 60er und 70er setzen, weiß man spätestens seit dem großen Erfolg von Daptone Records. Aus Grßbritannien und Deutschland sind auch die eine oder andere Formation bekannt, die diese Musik wieder aufleben lassen. 2008 stellte Jazzman unter Beweis, dass auch in Japan das Funkrevival Einzug gehalten hat. Die LP von Mountain Mocha Kilimanjaro ist voller Verweise auf die großen Wegbereiter dieses Stils und gespickt mit dynamischen Drumpattern und saftigen Bläser-Arrangements.


5) Betty Moorer - Speed Up
(Single, Wand, 1969)

Auf dem Sublabel Soul7 erscheinen gemäß dem Namen Reissues rarer Soulsingles, wie zum Beispiel dem gelungenen Song "Speed up" von Betty Moorer. Dieser erschien Ende der 60er bei Wand, einem kleinen Soullabel aus Chicago, das ganz im Schatten von Motown stand. Bis heute sind die Releases nur eingefleischten Sammlern bekannt und es waren Gerald und Fryers, die diese Perle vor dem Vergessen bewahrt haben. 

6) The Chefs - Mr. Machine part 2
(Single B-Seite, Pro-gress, 1973)

Noch so ein kleiner Ableger vom großen Jazzman-Überbau: Funk45 drückt ebenso plakativ aus, was für Reissues der geneigte Hörer erwarten darf, wie Soul7. Seltene Funkhits, die oft nur regional bekannt waren und in geringen Auflagen erschienen, werden hier neu veröffentlicht. Für die Originalpressung von "Mr. Machine" wurden bei Ebay bereits Preise von mehr als 1500 Dollar bezahlt (!) und so kann man Jazzman Records nur dankbar sein, dass sie sich dieses Funkkrachers angenommen haben. Zu finden ist der Song im Übrigen auch auf der Compilation "Midwest Funk - 21 Funk 45's from Tornado Alley".

7) The Lightmen - Luke
(Single, Judnell, 1967)

Diese Single wurde nicht zuletzt durch den Re-Release auf Jazzman in Form einer 3x7" "A Collection of Progressive & Independent Spiritual Jazz 45s" unter Sammlern zum begehrten Objekt. Gemeinsam mit dem Texaner Bubba Thomas, nahm die Band 1975 das Album "Country Fried Chicken auf. Außerdem erschien unter dem Namen The Lightmen plus One die LP "Energy Control Center" auf Lightin' Records, die heute sehr gefragt ist.


8) Fred Johnson - A child runs free
(Live at B. B. Joe's, Privat, 1984)

Dieses Live-Album wurde vom Jazzsänger Fred Johnson im B. B. Joe's aufgenommen, einem kleinen Jazzklub im Herzen der Kleinstadt St. Petersburg in Florida. Mittlerweile gibt es den Laden nicht mehr, die Privatpressung von Johnson, die über Offshore Productions entstand, ist aber bis heute bei Jazzsammlern weltweit gefragt. Der Song "A child runs free" war eine der ersten Singles, die bei Jazzman erschienen sind. Wer das ganze Album hören möchte, der sollte allerdings auf die Reissue vom japanischen Label P-Vine zurückgreifen, sofern nicht gerade 600 Dollar für das Original zur Verfügung stehen.

9) The Natural Yoghurt Band - Soft Cheese
(Away with Melancholy, Jazzman, 2008)

Es kommt nicht oft vor, dass Jazzman Records neue Alben veröffentlichten. Aus den unzähligen Demotapes, die Gerald zugeschickt bekommt, werden die meisten direkt ausgesiebt. The Natural Yoghurt Band war meines Wissens nach die erste Gruppe, von der Gerald so begeistert war, dass er sie auf seinem Label herausbringen wollte. Die auf 1000 Exemplare limitierte Doppel-10" war schnell vergriffen und wurde 2009 aufgrund der immensen Nachfrage in Koorperation mit Now Again Recors rereleast. Mittlerweile ist auch schon der Nachfolger "Tuck in with..." erschien, der ebenso gelungen ist wie ihr Erstlingswerk.

10) Allspice - Slipped Away
(Single, At Home, 1977)

Von ihrer selbstbetitelten LP Allspice von 1977 hat Gerald für das Sublabel SoulSpectrum zwei Songs ausgekoppelt. Die Gruppenmitglieder Deborah 'Punkin' Shotlow, Doug Thomas, Ned Perkins und Esau Joyner hatten zuvor schon die Background-Vocals für Ronnie Laws Album "Fever" aufgenommen.

11) The Michael Garrick Sextet - Temple Dancer
(The Heart is a Lotus, Argo, 1970)

Der britische Pianist und Organist Michael Garrick nahm 1970 das Album "The Heart is a Lotus" gemeinsam mit seinem Sextett auf, zu dem so erlesene Musiker wie Ian Carr (Flügelhorn und Trompete) gehörten. Die LP ist, wie auf "Temple Dancer" deutlich zu hören, von modalem Jazz geprägt. Dabei wird weniger Wert auf komplizierte Phrasierungen und viele Verzierungen gelegt, wie es im Bebop der Fall ist, sondern der Reiz besteht mehr in der Verwendung ungewöhnlicher Harmonien und Skalen. Häufig wird dabei auf Kirchentonleitern zurückgegriffen, was sicherlich der Anstoß war für die Samplerreihe Spiritual Jazz, auf der dieser Song zu finden ist.

12) Alan Moorhouse - Soul Skimmer
(The Big beat Vol. 2, KPM, 1970)

Neben Jazz, Funk, Soul und R&B gibt es auch etwas Librarymusik auf Jazzman Records. Die Single von Alan Moorhouse zählt zu den ersten Reissues des Labels. Das Drumbreak zu Beginn des Songs hat die Nachfrage besonders unter DJ's und Produzenten stark ansteigen lassen, weshalb Preise um 100 Dollar bei der LP von KPM keine Seltenheit sind. 

13) Dee Felice Trio - Nightingale
(Single B-Seite, terry, 196?)

Das Dee Felice Trio aus Cincinnati, Ohio haben mit "Nightingale" einen der ersten Dancefloor Jazz Stücke überhaupt geschaffen. Die lateinamerikanisch angehauchte Single ist nur als B-Seite auf dem nahezu unbekannten Terry Label erschienen. Neben dieser Single hat das Trio Ende der 60er auch eine LP herausgebracht, die von niemand geringerem als James Brown produziert wurde. Wie "Nightingale" gilt auch das Album "In Heat" als absolute Rarität, die kaum auffindbar ist.

14) Greg Foat Group - Time Piece 1
(Dark is the Sun, Jazzman, 2011)

Komponiert wurden die Stücke für diese Konzept-LP vom Briten Greg Foat, der sie mit seiner Band für Jazzman in Schweden eingespielt hat. Auf dem Debut hört man Einflüsse von Filmkomponisten wie Bruno Nicolai, Michel Legrand und Serge Gainsbourg, als auch Librarymusikern wie Keith Mansfield oder Alan Hawkshaw. Die Platte ist ein weiteres Beispiel für das breite musikalische Spektrum, das auf Jazzman Records vertreten ist und die gleichzeitige Sicherheit mit der Fryers und Gerald ihre Releases auswählen, die alle durchweg hörenswert sind.